DE: Der Mix macht’s in der Pflege

(C) DIP

Förderprogramm der Robert Bosch Stiftung zum erweiterten Qualifikationsmix liefert überzeugende Belege – Zur Umsetzung werden in Zukunft mindestens 150.000 akademisch qualifizierte Pflegende benötigt

Vielfältige Kompetenzen in Pflegeteams tragen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und der häuslichen Pflege wesentlich zu einer bedarfsgerechten Versorgung bei. Das zeigen die Ergebnisse eines groß angelegten Förderprogramms „360° Qualifikationsmix in der Pflege“ der Robert Bosch Stiftung GmbH, die auf einer Abschlusstagung in Berlin vorgestellt und diskutiert wurden. Im Rahmen des Programms haben beruflich ausgebildete Pflegende mit Assistenten und akademisch qualifizierten Pflegefachleuten in Teams zusammengearbeitet. Insgesamt waren acht Einrichtungen mit rund 50 Versorgungseinheiten, 160 Projektbeteiligten und tausenden von Patienten und Pflegebedürftigen in verschiedenen Krankenhäusern, einem Universitätsklinikum, einer psychiatrischen Einrichtung, zwei Pflegeheimen und einem ambulanten Pflegedienst in das Programm einbezogen. Dieses wurde vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) in Köln wissenschaftlich intensiv begleitet und die Ergebnisse nun in einem Abschlussbericht zusammengefasst. Der Bericht enthält auch Handlungsempfehlungen zur flächendeckenden Einführung des erweiterten Qualifikationsmixes in der Pflege und eine Modellrechnung, nach der dafür mindestens 150.000 studierte Pflegekräfte zusätzlich benötigt werden.

Im Verlauf des Programms konnten zwei neue, akademische Qualifikationsprofile erfolgreich entwickelt und in der Pflegepraxis erprobt werden. Zum einen handelt es sich dabei um die neue Funktion von Pflegefachleitungen mit Bachelorabschluss, die auf Stationen und Wohnbereichen für Qualitätsverbesserungen und Innovationen in der Praxis sorgen sollen. Zum anderen kommen Pflegeexperten mit Masterabschluss zum Einsatz, die in spezifischen und besonders komplexen und kritischen Pflegesituationen hinzugezogen werden und Versorgungsabläufe übernehmen können.
Die akademisch qualifizierten Pflegekräfte tragen zu einer stärker wissenschaftsfundierten und evidenzbasierten pflegerischen Versorgung und zur Qualitätssicherung in den Pflegeteams bei, planen und steuern komplexe Pflegeprozesse, beraten Patienten, ihre Angehörigen und andere Pflegende, setzen Forschungs- und Entwicklungsprojekte um und fördern so Innovationen in den Einrichtungen. Außerdem bieten die neuen Berufsprofile auch Perspektiven für attraktive Karrieremöglichkeiten mit besserer Vergütung und tragen somit zur Aufwertung der Pflege bei. Darüber hinaus wurden weitere Rollen und Profile für beruflich qualifiziertes Personal geschärft.

Im Ergebnis ist in allen Projekteinrichtungen sichtbar geworden, dass sich trotz anfänglicher Skepsis und Vorbehalte in den Teams gegenüber studierten Pflegenden überall Akzeptanz und gute Kooperationen zum Wohle von Patienten, Nutzern und Bewohnern durchgesetzt haben. Beigetragen haben dazu vor allem jeweils entwickelte transparente Praxiskonzepte, eine gute Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen sowie begleitende Angebote zum gegenseitigen Austausch und zur Reflexion.

Der Leiter der wissenschaftlichen Begleitung des Förderprogramms, Professor Frank Weidner vom DIP, resümierte: „Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass die erweiterte pflegerische Versorgungspraxis mittels eines klugen Qualifikationsmix machbar und effektiv ist, erfolgreich und nachhaltig implementiert werden kann und positive Wirkungen für Patienten und Pflegebedürftige, aber auch für die Pflege und die Organisationen selbst hat. Nun ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten für die Gewinnung, Qualifikation und den Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegefachpersonen in der Praxis gesetzlich auf den Weg zu bringen.“

Nach Berechnungen des DIP werden für eine deutschlandweite Umsetzung des erweiterten Qualifikationsmixes in den Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und weiteren Bereichen nach und nach mindestens 150.000 studierte Pflegekräfte benötigt. Angesichts der Gesamtzahl an rund einer Mio. Beschäftigten in der Pflege würde dies lediglich eine Teil-Akademisierung der Pflege bedeuten, dennoch wäre mit erheblichen positiven Effekten zu rechnen. Würden in Deutschland die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass ab 2027 in jedem Jahr rund 10.000 Menschen ein berufsbefähigendes Pflegestudium in Deutschland aufnehmen und davon ein knappes Drittel ein spezialisiertes Masterstudium anschließen könnten, würden 2035 etwa 50.000 und etwa um das Jahr 2045 dann die benötigten rund 150.000 akademisch qualifizierten Pflegefachpersonen zur Verfügung stehen.

Mehr Informationen zum Förderprogramm, zu den Ergebnissen und Empfehlungen sind im Abschlussbericht, der kostenlos unter http://www.bosch-stiftung.de/bericht_360grad_pflege downloadbar ist, nachzulesen.

Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)