DE: „Den guten Willen nicht aufs Spiel setzen“

DBfK warnt vor Personalengpass in der Pflege in der zweiten Welle – Jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und Versprechen einlösen

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Freiwillige sollen es jetzt schnell wieder richten – und was ist mit den Versprechungen der Politiker während der Pandemie? Geht es nach Gesundheitsministerin Melanie Huml, die den Pflegepool aktuell erneut bewirbt, sollen sich Pflegende, die derzeit nicht im Beruf tätig sind, registrieren. Damit soll bei einem Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim ein personeller Engpass verhindert werden. „Wenn das die einzige Maßnahme ist, die auf eine zweite Welle vorbereiten soll, ist das äußerst dürftig“, sagt Dr. Marliese Biederbeck, Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, DBfK Südost e.V. Die freiwillige Registrierung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „Das System ist so sehr auf Kante genäht, dass Personalressourcen für Engpässe schlichtweg nicht zur Verfügung stehen. Hier muss die Politik ansetzen und den Beruf endlich aufzuwerten“, so Dr. Biederbeck.

Die Stimmung unter den Pflegenden ist derzeit nicht sonderlich positiv, alleine das zähe Ringen um den Pflegebonus zeigt deutlich, dass die Pflege offensichtlich nicht mehr auf der Prioritätenliste ganz oben steht. Der DBfK warnt davor, den guten Willen der Pflegenden leichtfertig aufs Spiel zu setzen und fordert, dass die Lehren aus der ersten Welle und die großzügigen Versprechungen der Politik nun auch umgesetzt werden. Die Aufwertung des Pflegeberufs beginnt mit angemessener Pflegepersonalausstattung, verlässlichem Arbeitsschutz und politischer Beteiligung auf allen Ebenen – und hört mit einer gerechten, motivierenden Vergütung längst nicht auf. Der DBfK hält daher ein Einstiegsgehalt von 4000 Euro brutto für angemessen.

Fest steht, dass zur Bewältigung eines Infektionsgeschehens in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen viel mehr Personal gebraucht wird, das jetzt schnell her muss. Oberstes Gebot bleibt, Menschen zu schützen und das Gesundheitssystem und damit die Berufsgruppen im Gesundheitswesen nicht wieder zu überfordern. Neben genügend Schutzausrüstung fordert der DBfK insbesondere auch regelmäßige Testungen aller Mitarbeiter/innen, verknüpft mit schnellen Ergebnissen. Damit steht und fällt dann auch die Ankündigung der Ministerin, eine komplette Schließung der stationären Pflegeheime verhindern zu wollen.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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