DE: Demografischer Wandel lässt Pflegebedarf in Rheinland-Pfalz weiter stark ansteigen

Markus Mai

Vorausberechnung des Statistischen Landesamtes zeigt erneut dramatische Entwicklung

„Die gestern vom Statistischen Landesamt vorgestellten Prognosen zum Anstieg der Anzahl von pflegebedürftigen Menschen in Rheinland-Pfalz überrascht mich nicht“, kommentiert Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer, die Analyse und ergänzt: „Schon jetzt ist der Bedarf an Fachpersonal höher als geschätzt. Wir brauchen endlich valide Studien, die sich auf den wirklichen Pflegebedarf fokussieren.“

Die Vorstellung der neusten Berechnungen des Statistischen Landesamts zeigt eine dramatische demografische Entwicklung für Rheinland-Pfalz für die kommenden Jahrzehnte. So könnte die Zahl der pflegebedürftigen Menschen ab 60 Jahren von heute rund 116.000 im Jahr 2035 um gut 46.000 auf knapp 162.000 steigen. Dies stellt einen Zuwachs um fast 40 Prozent dar. Noch dramatischer ist die Prognose für das Jahr 2060. Hier könnten laut der Prognose knapp 220.000 Rheinland-Pfälzer auf pflegerische Hilfe angewiesen sein.

„Um dieser Entwicklung überhaupt entgegenwirken zu können, ist es vor allem wichtig, endlich den Stellenwert des Pflegeberufs in der Gesellschaft anzuheben. Die professionell Pflegenden müssen ihre Arbeit anhand ihres Expertenwissens umfassend erledigen dürfen ohne das ökonomische Interessen im Vordergrund stehen und dafür auch die monetäre und nichtmonetäre Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Aber auch der ökonomische Druck, der auf der gesamten Branche lastet, muss aufhören. Darüber hinaus ist eine verpflichtende Personalbemessungsvorgabe ein weiterer Baustein, um gute Pflege auch zukünftig zu gewährleisten“, betont Mai. Hier darf es Mai zufolge keine Kompromisse geben weil, ansonsten die Menschen darunter leiden müssen!

Reflexhafte Abschaffung der Fachkraftquotenabsenkung löst das Problem nicht sondern verschlechtert die Versorgung nachhaltig
Einer ersatzlosen Absenkung der Fachkraftquote erteilt Mai aber eine erneute und deutliche Absage: „Die Abschaffung der Fachkraftquote sehe ich auf keinen Fall als geeigneten Weg an. Vielmehr muss sich die Fachkraftquote endlich am echten Pflegebedarf des einzelnen Pflegebedürftigen orientieren, was dazu führt, dass ggf. auch deutlich mehr Pflegefachkräfte als jetzt eingesetzt werden müssen. In Rheinland-Pfalz ist die Fachkraftquotendefinition schon jetzt absolut aufgeweicht, da bereits heute schon Personen mit einbezogen werden können, die nicht im Entferntesten etwas mit Pflege zu tun haben“.

Wer eine qualitativ hochwertige und angesessene Pflegeversorgung will, muss sich deutlich für einen erheblichen finanziellen Mittelzufluss in das Pflegesystem einsetzen. Gleichzeitig muss der Abfluss von Mitteln aus dem Sozialsystem zugunsten von Dividendenhöhen staatlich eingeschränkt und klar reguliert werden. Sozialversicherungsbeiträge sind für die Menschen da, nicht für profitorientierte Unternehmen.

 

Hintergrund: Mit der einstimmigen Verabschiedung des Heilberufsgesetzes durch den rheinland-pfälzischen Landtag im Dezember 2014 ist die Landespflegekammer errichtet worden. Seit dem 01. Januar 2016 haben die Pflegenden im Land damit eine kraftvolle Interessenvertretung erhalten. Die Landespflegekammer mit ihren gewählten Vertreterinnen und Vertretern nimmt die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Mitglieder wahr.

Die Vertreterversammlung hat in der Sitzung vom 02. März 2016 den Vorstand der Landespflegekammer gewählt. Präsident der Kammer ist Dr. Markus Mai. Zur Vizepräsidentin wurde Frau Sandra Postel gewählt. Die weiteren Mitglieder des Vorstandes sind Andrea Bergsträßer, Hans-Josef Börsch, Angelika Broda, Karim Elkhawaga, Esther Ehrenstein, Renate Herzer und Christa Wollstädter.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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