DE: DBfK Südwest e.V. kritisiert die geplante Änderung des hessischen Altenpflegegesetzes

(C) DBfK

Für das geplante zweite Änderungsgesetz zum Hessischen Altenpflegegesetz erntet die Regierungskoalition in Hessen hohe Zustimmung von Seiten der Anbieter und auch der anderen Parteien. Einzig die LINKE sieht den Entwurf kritisch. Doch was verbirgt sich hinter dem vermeintlich kleinen Eingriff in das Gesetz? Ein Zugang zur Ausbildung in einen pflegerischen Helferberuf nun auch gänzlich ohne Schulabschluss. „Wir verstehen das Anliegen der Politik sehr gut, Menschen mit geringer beruflicher Perspektive über eine sogenannte integrative Ausbildung mit dem gleichzeitigen Erwerb des Hauptschulabschlusses in den Arbeitsmarkt zu integrieren, aber warum gerade in diesem ohnehin sensiblen Bereich Pflege?“ kritisiert Andrea Kiefer, DBfK-Vorsitzende, den Vorstoß der hessischen Landesregierung.

Die Begründung zum Änderungsgesetz spricht vom wachsenden Bedarf an „qualifiziertem Fachpersonal“. Das ist bereits der erste Webfehler des Modellversuchs. Denn es geht hierbei nicht um pflegerisches Fachpersonal, sondern um Altenpflegehelferinnen und Altenpflegehelfer nach hessischem Landesrecht, also um einen Assistenzberuf. „Das Problem des Fachkräftemangels oder „des steigenden Bedarfs an Fachkräften“ lösen wir damit nicht!“ stellt Andrea Kiefer klar.

Der zweite Webfehler liegt in der Hauptzielgruppe. Mit der Initiative „Pflege in Hessen integriert“ will man erreichen, dass Menschen mit Fluchthintergrund über die berufliche Schiene integriert werden. Das ist auch kein Problem. Seit Jahrzehnten integrieren Pflege und die Pflegeberufe Menschen aus aller Herren Länder, auch in der Berufsausbildung. Schulabschluss, Spracherwerb und Ausbildung sind auch heute noch genauso notwendig.

Schnellschüsse gehen in aller Regel am Ziel vorbei. Der DBfK Südwest e.V. sieht in dem Gesetzesentwurf eine weitere Deprofessionalisierung der Pflegeberufe, in diesem speziellen Fall nun also auch der Altenpflegehelferinnen und Altenpflegehelfer. Seit Jahren empfiehlt der Berufsverband, der auch die Interessen der Pflegehelfer vertritt, die landesrechtlichen Ausbildungen auf eine 2-jährige Pflegeassistenzausbildung anzuheben und damit die Chancen für den Berufsverbleib einerseits zu erhöhen, aber anderseits auch die Qualität in der pflegerischen Versorgung zu verbessern. Grundvoraussetzungen jedoch bleiben für den Verband in jedem Fall ein Schulabschluss und nachgewiesene Deutschkenntnisse.

Das hessische Modell zur Altenpflegehilfeausbildung reiht sich ein in die Reihe kleiner Modelle, die nicht ursächlich an das Problem Fachkräftemangel herangehen. Qualitativ hochwertige pflegerische Versorgung braucht einen ausdifferenzierten und bedarfsgerechten Qualifikationsmix. Der beginnt bei akademisch ausgebildeten Fachkräften und braucht am Ende gut qualifizierte Pflegehelfer nach den jeweiligen landesrechtlichen Vorgaben. Weitere Absenkungen der Zugangsvoraussetzungen sind da nicht hilfreich.

 

 

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen