DE: Coburgerin forscht an möglichem Alzheimer-Medikament

Hochschule Coburg

Foto: Marwa Malhis bei der Arbeit im Bioanalytik-Labor der Hochschule Coburg. Foto: Hochschule Coburg Hochschule Coburg Hochschule Coburg

Es gibt keine Pille gegen die Ursache von Alzheimer und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern. Aber Bioanalytikerin Marwa Malhis hat in ihrer Doktorarbeit an der Hochschule Coburg zumindest einen vielversprechenden Wirkstoff entdeckt.

Etwa 1,6 Millionen Deutsche leben mit Demenz – zwei Drittel von ihnen sind an Alzheimer erkrankt. Im Gehirn der Patienten sammeln sich dabei zwei spezielle Eiweiße: Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen zerstören Nervenzellen. Warum es zu diesen verhängnisvollen Eiweißablagerungen kommt? Das ist noch nicht eindeutig geklärt. Aber es gibt erste Ansätze, um sie zu verhindern. Bioanalytikerin Marwa Malhis von der Hochschule Coburg hat eine Substanz generiert, die langfristig zu einem Wirkstoff entwickelt werden könnte. Gerade hat die Wissenschaftlerin ihre Promotionsprüfung zu dem Thema abgelegt und freut sich über den Erfolg. „Es ist schön, etwas zu machen, das wichtig ist!“

Phagendisplay: Wenn Viren in der Forschung helfen

In ihrer Doktorarbeit hat sie sich auf das Protein „Tau“ konzentriert. „Es ist ein Monomer, also ein Einzelmolekül, das sich mit anderen Tau-Molekülen zusammenschließen kann. Diese Aggregation wollte ich verhindern.“ Hilfe bekam sie dabei – ausgerechnet – von Viren. Phagen sind spezielle Viren, die Bakterien angreifen: Zum „Phagendisplay“ werden sie in der Biotechnologie häufig genutzt, um Bindepartner zu einem bestimmten Molekül zu finden. Gentechnisch veränderte Phagenbibliotheken tragen auf ihrer Oberfläche unterschiedliche Peptide. Und Marwa Malhis hat für ihre Arbeit zwei Peptide gefunden, die an Tau binden. „Sie hemmen auch die Aggregation. Das haben wir an der Hochschule Coburg im Labor untersucht.“

Anschließend haben Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn getestet, ob die Substanz auch in lebenden Zellen funktioniert. Mit Erfolg. „Die Peptide werden auch an der Uni Erlangen untersucht“, sagt Malhis. Wenn alles gut läuft, ist ein möglicher nächster Schritt der Test an Alzheimer-Labormäusen. Wenn auch das erfolgreich ist, kommen klinische Studien mit Menschen. Am Patienten bewährt sich oft nicht, was vorher vielversprechend aussah. „Die Entwicklung zu einem zugelassenen Wirkstoff – falls überhaupt möglich – wird auf jeden Fall noch einige Jahre in Anspruch nehmen“, sagt Prof. Dr. Aileen Funke. Funke leitet das Institut für Bioanalytik an der Hochschule Coburg und hat die Promotion gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Römpp von der Universität Bayreuth betreut.

Forschung und (Familien-)leben

Marwa Malhis schaut kurz nach ihrem Baby; sie führt das Videointerview fast nebenbei weiter: Das jüngste ihrer drei Kinder hat die 36-Jährige vor nicht einmal einem Jahr bekommen. „Ach“, sagt sie als wäre das alles ganz einfach, „das hat doch gut gepasst: Die ganzen theoretischen Sachen habe ich während der Schwangerschaft geschrieben.“ Ihre Doktorarbeit hat sie auf Englisch verfasst. Das falle ihr leichter, sagt sie in fließendem Deutsch mit irgendwie – schwer einzuordnen: leicht französischem Akzent? Aber sie kommt ursprünglich aus Syrien? Sie lacht. „Ja, mein Mann und ich haben vier Jahre in Frankreich gelebt, bevor wir nach Deutschland gekommen sind.“ Das war vor noch dem Bürgerkrieg in Syrien, wo sie in der Pharmaziebranche tätig war.

Ihre Forschungsarbeit in Coburg ist ein großer Erfolg, wie Prof. Funke betont: „Es gibt noch keine Therapie für die Ursache der Alzheimer-Demenz.“ Deshalb sei die Forschung in diesem Bereich so wichtig. „Wir haben den Wirkstoff bereits zum Patent angemeldet.“ Auch die Doktorandin hofft, dass aus ihrer Arbeit irgendwann einmal ein Medikament entsteht. „Es wäre so schön, einen Beitrag zu leisten, um Menschen zu helfen. „Ich liebe die Forschung!“, sagt Malhis. Wenn ihre Arbeit gedruckt ist, darf die Coburger Bioanalytikerin offiziell den Doktortitel tragen.

Text: Natalie Schalk

Markus Golla
Über Markus Golla 8760 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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