DE: Bundesregierung muss umgehend die Initiative ergreifen. Pflegepersonallücke liegt bei weit über 100.000 Stellen

(C) Deutscher Pflegerat

Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen offenbart Pflegepersonalnotstand

Die Bundesregierung hat auf die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Thema „Unbesetzte Stellen in der Alten- und Krankenpflege“ geantwortet.

Hierzu Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR):

„Die Bundesregierung muss umgehend die Initiative für bessere Rahmenbedingungen für die professionell Pflegenden ergreifen. Die Ausbildungsreform muss schnellstens und gut auf den Weg gebracht werden. Wir brauchen Investitionen in die Ausbildung. Ansonsten ist die Versorgungssicherheit in der Pflege bald flächendeckend nicht mehr gewährleistet. Die Pflege duldet keine zeitlichen Verzögerungen und keine langen Diskussionen mehr.

Die in der Antwort genannten rund 35.000 offenen Stellen in der Pflege stammen von der Bundesagentur für Arbeit. Sie zeigen nur den kleinsten Teil des Problems, da viele Einrichtungen keine freien Stellen mehr melden. Denn die Einrichtungen wissen, dass die Agentur ihnen angesichts eines leergefegten Arbeitsmarktes nicht helfen kann. Tatsächlich benötigt werden 100.000 Stellen mehr. Denn bereits jetzt findet die Pflege mit einer viel zu niedrigen Personalbesetzung statt.

Dramatisch sind bereits heute die Zustände für die Versorgungsqualität in der Pflege. Es gibt deutschlandweit Bettensperrungen und Stationsschließungen in den Krankenhäusern. Es gibt Wartelisten und Aufnahmestopps in den Pflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten. Das sind keine Einzelfälle mehr und das ist nur die quantitative Seite des Problems.

Der Deutsche Pflegerat warnt bereits lange vor einem Pflegepersonalnotstand. Doch anstatt zu handeln, haben viele Verantwortliche nicht, zu spät oder falsch reagiert.

Neben der Politik liegt die Verantwortung für das Pflegepersonal auch bei den Trägern der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sowie den Kranken- und Pflegekassen und Sozialhilfeträgern. Diese müssen quantitativ und qualitativ gleichfalls dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege so gestaltet sind, dass man gerne im Pflegeberuf arbeitet und weiterhin im Beruf verbleibt. So aufgestellte Arbeitgeber werden dann auch neue Bewerber/-innen finden oder Teilzeitbeschäftigte motivieren können, ihre Arbeitszeit zu erhöhen.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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