DE: Brustkrebs-Vorsorge: Von Blinden lernen

U(C) Wettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen"

Berlin (ots) – Das Projekt discovering hands bildet sehbehinderte und blinde Frauen zu Tastuntersucherinnen in der Brustkrebsfrüherkennung aus. Ab dem 3. November 2017 setzt sich der „Ausgezeichnete Ort im Land der Ideen“ auch für mehr Selbstkontrolle ein: Patientinnen lernen von den Tastuntersucherinnen, wie sie die eigene Brust auf Knötchen untersuchen können.

Alles pink im Oktober – auch in diesem Jahr soll der Aktionsmonat auf die Gefahren von Brustkrebs hinweisen. Zu Recht: Laut der Deutschen Krebsgesellschaft erkrankt jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an einem sogenannten Mammakarzinom. Es ist die häufigste Krebserkrankung bei Patientinnen in der industrialisierten Welt, aber nicht die tödlichste. Denn durch moderne Therapiemethoden ist Brustkrebs heutzutage gut behandelbar. Wichtig ist allerdings, dass die Knoten im Gewebe so früh wie möglich erkannt werden. Hier setzt das Social Start-up discovering hands an. „Viele sehbehinderte Menschen haben einen nachweislich besseren Tastsinn. Damit sind sie in der Lage, viel kleinere Knötchen in der Brust zu erkennen als wir Ärzte“, erklärt Gynäkologe und Gründer Dr. Frank Hoffmann.

Neuer Service: Anleitung zur Selbstkontrolle

Hoffmann und sein Team bilden blinde und sehbehinderte Frauen zu medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) aus und garantieren ihnen so einen sicheren Arbeitsplatz. Bundesweit werden noch Interessentinnen für die Ausbildung gesucht. Medizinische Vorkenntnisse sind dabei hilfreich, aber nicht zwingend nötig: Auch eine Reisekauffrau und eine Klavierstimmerin haben schon die Ausbildung absolviert. Eine aktuelle Studie der Universität Erlangen hat die Verbesserung der Vorsorgequalität durch Mitwirkung einer MTU – also einer speziell für die Untersuchung des Brustdrüsengewebes ausgebildeten sehbehinderten oder blinden Frau – klar belegt. Nun will discovering hands noch einen Schritt weitergehen: „Nur etwa ein Drittel der Frauen untersucht sich regelmäßig selbst“, sagt Frank Hoffmann. „Wir bieten ab sofort eine Zusatzqualifikation für unsere MTUs an, mit der sie Patientinnen zeigen können, wie sie ihre eigene Brust strukturiert abtasten können.“

Internationale Nachfrage von Indien bis Kolumbien

Hoffmanns Start-up wurde von der Deutschen Bank und der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ zum „Ausgezeichneten Ort im Land der Ideen“ gekürt. Auch international findet die Idee Anklang: „Sowohl Brustkrebs als auch Blindheit sind globale Themen, deswegen erhalten wir Anfragen aus aller Welt“, sagt Frank Hoffmann. Gemeinsam mit internationalen Partnern bildet sein Sozialunternehmen auch außerhalb Deutschlands blinde Frauen zu MTUs aus. Ein Pilotprojekt in Kolumbien wurde erfolgreich abgeschlossen, weitere in Mexiko, Polen und Spanien sind in Planung. In Indien ist discovering hands ebenfalls aktiv: „Dort gilt Blindheit für viele als eine Strafe: Blinde, so glaubt man, haben in einem früheren Leben etwas falsch gemacht. Gerade hier kann es sehr helfen, diese Behinderung als Quelle für eine besondere Begabung herauszustellen, die auch anderen nutzt – und im besten Fall sogar Leben retten kann.“

Erfahren Sie mehr über discovering hands im Interview mit Dr. Frank Hoffmann, Gründer von discoverings hands, unter https://ots.de/T1Pa4 .

Über Deutschlands Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“

„Offen denken. Damit sich Neues entfalten kann“: Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank prämieren 2017 bundesweit die 100 besten Projekte, die zeigen, wie Offenheit für Neues unsere Gesellschaft voranbringen kann.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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