DE: Brustkrebs häufiger entdeckt als mit Standard-Mammographie

Einzelschicht einer digitalen Brust-Tomosynthese mit Strukturstörung als mammographisches Zeichen eines invasiv lobulären Mammakarzinoms Referenz-Screening Münster Referenz-Screening-Einheit Münster-Nord

Brustkrebs ist inzwischen weltweit die häufigste Tumorerkrankung. Deshalb wird Frauen in Deutschland ab dem 50. Lebensjahr eine systematische Krebsfrüherkennungsuntersuchung – das Mammographie-Screening – angeboten. Die Universitätsradiologie Münster erforscht innovative Bildgebungstechniken und deren Auswirkung auf die Effizienz der Brustkrebs-Früherkennung.

Die Universitätsradiologie Münster erforscht innovative Bildgebungstechniken und deren Auswirkung auf die Effizienz der Brustkrebs-Früherkennung. In der ToSyMa-Studie wurde die Kombination aus Digitaler Brust-Tomosynthese (DBT) – einer Weiterentwicklung der digitalen Mammographie – und sogenannten synthetischen 2D-Mammogrammen mit dem bisherigen Screening-Standard verglichen. Erste Ergebnisse der Studienphase 1 sind aktuell in der Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“ erschienen. Darin ist die Annahme bestätigt worden, dass Brustkrebs mit der weiterentwickelten Mammographie-Technik signifikant häufiger als mit der Standard-Mammographie entdeckt wird. Der Grund: Der innovative Bildgebungsansatz reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass überlappende Gewebestrukturen radiologische Zeichen für Malignität verdecken.

Die 17 beteiligten Studienzentren in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen konnten fast 100.000 Frauen für die diagnostische Vergleichsstudie gewinnen. In der Studienphase 2 wird geprüft, ob die Zunahme an Brustkrebsdiagnosen im Screening auch zu einer gesteigerten Frauengesundheit führt. Ausgewertet werden dazu Krebsregisterdaten bis zwei Jahre nach der Studienteilnahme.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Studie mit mehr als 1,6 Millionen Euro bis zum Jahr 2025. Die DFG unterstützt damit das Ziel, die Frühdiagnostik von Brustkrebs weiter zu optimieren. Die Weiterentwicklung der digitalen Mammographie zur Brust-Tomosynthese bietet eine Technologie, die durch die Berechnung von Pseudo-3D-Datensätzen potenzielle Gewebeüberlagerungen in der Brust reduziert und daher diagnostische Vorteile verspricht.

Studienleiter Prof. Dr. Walter Heindel, Direktor der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikums Münster (UKM), und die Projektmanagerin der ToSyMa-Studie, Prof. Dr. Stefanie Weigel, dankten den 100.000 Frauen, die an der Studie teilgenommen haben: „Nur durch ihre Beteiligung ist eine aussagekräftige Forschung möglich und dank der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die diese große, randomisierte Diagnostikstudie fördert.“

Frauen, die sich für eine Teilnahme am Screening entschieden hatten, wurden für die Datenerhebung der Studie zufällig mit einer 1:1-Chance entweder der Gruppe mit Standard-Mammographie oder der Gruppe mit Tomosynthese und daraus errechneter synthetischer 2D-Mammographie zugeordnet. In beiden Gruppen wurden die Entdeckungsraten von Brustkrebs miteinander verglichen. Die Zuweisung erfolgte über ein Computerprogramm und konnte durch niemanden beeinflusst werden (randomisierte klinische Studie). Frauen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erhielten zwischen 2018 und Ende 2020 mit ihrer regulären schriftlichen Einladung zum Screening nach dem Zufallsprinzip das Angebot, an der Studie teilzunehmen.

Originalpublikation:

Digital breast tomosynthesis plus synthesized mammography versus digital screening mammography for the detection of invasive breast cancer (TOSYMA): a multicentre, open-label, randomized, controlled, superiority trial
Walter Heindel*, Stefanie Weigel*, Joachim Gerß, Hans-Werner-Hense, Alexander Sommer, Miriam Krischke, Laura Kerschke, for the TOSYMA Screening Trial Study Group
*WH and SW contributed equally to this work.
The Lancet Oncology 2022
https://doi.org/10.1016/S1470-2045(22)00194-2

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)