DE: Bereits jeder Achte trägt ESBL-Keime in sich

16. Januar 2019 | News Deutschland | 0 Kommentare

Jena (pte018/15.01.2019/11:30) – Jeder achte neu in eine Klinik eingewiesene Patient trägt bereits sogenannte ESBL-Keime in sich, wie Wissenschaftler des InfectoGnostics Forschungscampus Jena http://infectognostics.de in einer neuen Beobachtungsstudie an 1.334 Patienten belegen. Infektionen mit den eigenen ESBL-Erregern blieben zwar in der Erhebung noch ein Ausnahmefall, allerdings zeigen die Forscher, dass die Erreger ihre Resistenzgene an andere Bakterienstämme im Krankenhaus weitergeben könnten.

Pflegeheime besonders betroffen

Laut den im Fachjournal „PLOS One“ veröffentlichten Ergebnissen sind ESBL-bildende Bakterien bereits heute in der Bevölkerung weitverbreitet: Bei 12,7 Prozent der getesteten Patienten konnte bei der Aufnahme in die Klinik ein ESBL-Keim nachgewiesen werden. Noch dramatischer ist die Situation jedoch bei Patienten aus Alten­pflege­heimen: Fast jeder vierte Patient (23,8 Prozent) trägt hier bereits die multiresistenten Keime in sich.

Trotz dieser hohen Kolonisierungsrate mit ESBL-Erregern traten tatsächliche Infektionen mit dem ‚eigenen‘ ESBL-Keim während des Krankenhausaufenthalts äußerst selten auf: In der Studie infizierte sich lediglich ein einziger Patient mit dem eigenen Erreger. Die geringe Zahl an Infektionen in der Klinik ist laut den Experten allerdings noch kein Grund zur Entwarnung.

„Einerseits ist die Anzahl der tatsächlichen Infektionen in Abteilungen wie der Onkologie, Geriatrie oder der Intensivstation ungleich höher, da dort hauptsächlich Risikopatienten mit geschwächtem Immunsystem behandelt werden. Andererseits konnten wir in unseren Analysen erneut zeigen, dass die Erbinformationen für Multiresistenzen über Plasmide auch auf andere Bakterienarten im Darm übertragen werden – neue multiresistente Erreger können somit sehr schnell entstehen“, so Oliwia Makarewicz, eine der Hauptautoren der Studie.

Resistenzen können sich ausbreiten

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass solche gefährlichen Kolonisierungskeime die Resistenzen an Krankenhauskeime weitergeben können. „Die Rolle dieser kleinen DNA-Stränge bei der Weitergabe von Resistenzen wird im klinischen Alltag bislang noch viel zu wenig beachtet“, gibt Makarewicz abschließend mit Blick auf die Ergebnisse zu bedenken.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)