DE: Alleingänge bei Pflegeaus- und weiterbildung nicht zielführend

Vierjähriger Ausbildungsgang mit Fachweiterbildung für Anästhesie- und Intensivpflege am Klinikum Saarbrücken kann nicht überzeugen 

Das Klinikum Saarbrücken plant zum August dieses Jahres die Aufnahme einer vierjährigen Ausbildung, die den Abschluss „Gesundheits- und Krankenpflege“ mit einer Fachweiterbildung für Anästhesie- und Intensivpflege kombinieren soll. Diese und andere Ausbildungsmodelle, die vielfach ungesteuert an verschiedenen Standorten ausprobiert werden, sind nach Ansicht der Vizepräsidentin der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, Sandra Postel,  „wenig hilfreich“.  Die sich ausbreitende Verästelung von Aus- und Weiterbildungsangeboten mache daher nur deutlicher, wie dringend notwendig eine echte generalistische Pflegeausbildung sei, die um qualitativ hochwertige Weiterbildungen ergänzt würden.

„Aus Sicht der jeweiligen Anbieter solcher Ausbildungsgänge, zumeist angedockt an Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern,  ist es verständlich, den eigenen Bedarf an Pflegefachpersonen decken zu wollen. Auf Grund der völlig uneinheitlichen Strukturen und Ausgestaltung dieser neu geschaffenen Angebote handelt es sich hierbei aber eher um einen Bärendienst für Pflegende wie für Pflegeempfängerinnen und -empfänger“, kritisiert Postel.

Auch das Saarbrücker Modell erweitere letztlich nur den Wildwuchs, der mit einer immer früheren Spezialisierung auf begrenzte pflegerische Berufsfelder problematisch sei.  Die Ausbildung erfülle zwar die formalen Voraussetzungen der Krankenpflegeausbildung und der landesrechtlichen Weiterbildungsverordnung des Saarlandes, aber bei weitem nicht die anderer Landesverordnungen oder den Empfehlungen von Fachverbänden und –gesellschaften. Einem umfassenden beruflichen Bildungsanspruch könnten diese Angebote damit nicht gerecht werden.

„Um eine qualitativ hochwertige pflegerische Versorgung sicherstellen zu können, brauchen wir strukturierte Aus- und Weiterbildungen, die mit entsprechenden Qualitätsstandards ausgestattet sind. Die Bereitstellung von hausgemachten Lösungsansätzen ist dabei nicht sehr zielführend.  Wir brauchen eine einheitliche und berufsfeldbreite Pflegeausbildung, die mit fachlich konzipierten Weiterbildungen ergänzt werden“, so Postel. Dafür werde sich die Kammer auch weiter einsetzen.

Hintergrund: Mit der einstimmigen Verabschiedung des Heilberufsgesetzes durch den rheinland-pfälzischen Landtag im Dezember 2014 ist die Landespflegekammer errichtet worden. Seit dem 01. Januar 2016 haben die Pflegenden im Land damit eine kraftvolle Interessenvertretung erhalten. Die Landespflegekammer mit ihren gewählten Vertreterinnen und Vertretern nimmt die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Mitglieder wahr.

Die Vertreterversammlung hat in der Sitzung vom 02. März 2016 den Vorstand der Landespflegekammer gewählt. Präsident der Kammer ist Dr. Markus Mai. Zur Vizepräsidentin wurde Frau Sandra Postel gewählt. Die weiteren Mitglieder des Vorstandes sind Andrea Bergsträßer, Hans-Josef Börsch, Angelika Broda, Karim Elkhawaga, Esther Ehrenstein, Renate Herzer und Christa Wollstädter.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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