DE: Alle Pflegepersonaluntergrenzen müssen wieder gelten

Neumünster | Personaluntergrenzen in Krankenhäusern können während einer Krise und begründet ausgesetzt werden. Diese Aussetzung aufgrund der Corona-Pandemie bleibt noch bis zum Ende des Jahres bestehen. Lediglich für die Intensivstationen und die Geriatrie gilt ab 1. August die Personaluntergrenze wieder. Die Pflegeberufekammer fordert die sofortige Aktivierung der Personaluntergrenzen-Verordnung in allen Krankenhausbereichen.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im März 2020 die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) nach §8, Abs2 Nr.2 in Krankenhäusern vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Die  Personaluntergrenzen legen fest, ab welcher Mindestbesetzung mit Pflegepersonal keine Patientengefährdung angenommen wird. Ab dem 1. August 2020 sollen laut Mitteilung des BMG die PpUGV zunächst für die Bereiche Intensivmedizin und Geriatrie wieder in Kraft gesetzt werden. In den Bereichen Unfallchirurgie, Kardiologie, Herzchirurgie, Neurologie sowie Stroke Unit und Frührehabilitation sollen sie bis zum Jahresende ausgesetzt bleiben.

Die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein K.d.ö.R. kritisiert die weiterhin geltende Krisenregelung aus Sicht der Patientinnen und Patienten sowie der Pflegefachpersonen in den Krankenhäusern.

Es ist höchste Zeit, dass alle Pflegepersonaluntergrenzen wieder gelten. Die festgelegten roten Linien zu unterschreiten bedeutet, Patienten zu gefährden und das Pflegepersonal zu überlasten. Wir erwarten zudem, dass in allen Bereichen eines Krankenhauses eine Mindestpersonalausstat-tung festgelegt wird. Jetzt nur 2 von 8 Behandlungsbereichen wieder in Kraft zu setzen, ist vollkommen unzureichend und lässt Pflegende und Patienten bis zum Ende des Jahres im Regen stehen.

Es bleibt für die Patientinnen und Patienten dem täglichen Zufall überlassen, ob sie in den weiterhin ungeregelten Behandlungsbereichen von einer Mindestanzahl an qualifizierten Pflegefachpersonen betreut werden. Für Pflegende und Patienten ist es eine Zumutung, eine nur auf das unbedingt Notwendige bezogene Pflege erfahren zu müssen.

Alle Studien zur Personalausstattung in Krankenhäusern stellen fest, dass Sterblichkeitsraten und Behandlungsschäden mit der Anzahl und Qualifikation der Pflegenden auf einer Station im Zusammenhang stehen“, so Frank Vilsmeier, Vizepräsident der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein K.d.ö.R.

Markus Golla
Über Markus Golla 7707 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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