Curriculare Besonderheiten mit technischen Schwerpunkten bei der Ausbildung nichtärztlicher Gesundheitsberufe

Herausforderung mehr Frauen für diese Bildungszweige zu begeistern

(C) Gorodenkoff

In einer technisierten Gesellschaft wird die Auseinandersetzung mit technischen Einflüssen zunehmend bedeutsamer. Dabei geht es nicht nur um die Ausbildung technikmündiger Gesellschaftsmitglieder, sondern auch um die Implementierung stetiger Innovationen. In Entwicklungsprozessen solcher technischen Neuerungen macht sich der Mensch natürliche Gesetzmäßigkeiten nutzbar, greift durch die technischen Anwendungen in die Natur ein und verändert diese nach seinem Ermessen. Natur und Technik stehen dadurch in enger kaum zu trennenden Verbindung zu einander.

Dabei ist das Zusammenspiel des technischen Allgemeinverständnisses in disziplinär angelegten (beruflichen) Realbegegnungen von Studierenden mit der beruflichen Lebenswelt bis dato eher selten. Die von Studierenden wahrgenommenen Phänomene sind zumeist hybrider Natur und nicht einer einzelnen Disziplin zuzuordnen. Besonders natürliche und technische Phänomene sind häufig eng miteinander verbunden. Daher sollte eine institutionell initiierte Auseinandersetzung im Studium (im Besonderen an einer Fachhochschule) dieser Verknüpfung folgen, jedoch dabei aber disziplinübliches methodisches Vorgehen berücksichtigen.

Zu diesem Zweck macht es durchaus Sinn, ein didaktisches Konzept „Natur und Technik“ zu entwickeln, um ein besseres Verständnis für Technikzusammenhänge für den beruflichen Alltag herzustellen. Dieses Konzept soll Studierenden einen professionellen Zugang zur Interdisziplinarität ermöglichen, indem es durch didaktische Grundprinzipien und Handlungsprinzipien jene Unterstützung für professionelles Handeln in diesem Zusammenhang geben soll. Prozesse zur Problemlösung sollten dabei in Anlehnung an pragmatisch-konstruktivistische Lernsettings immer im Zentrum stehen.

Diese Idee könnte dazu beitragen, dass interdisziplinäre Problemlösefähigkeit angebahnt, d.h. Wissen und Fertigkeiten aus unterschiedlichen Disziplinen und Fachrichtungen, zur Problemlösung besser verknüpft werden und somit einen innovativen didaktischen Ansatz zur Vermittlung von etwa MINT-Bildung [1] liefern. Ein solches Konzept entbindet aber nicht von einer Disziplinorientierung, denn jede Interdisziplinarität erfordert auch Disziplinarität. Insofern müssen sich diese Konzepte auch in Bildungsprozessen ergänzen.

Interdisziplinarität wird somit zu einem Forschungs- und Arbeitsprinzip, ohne die hybride Problemstellungen der Gegenwart und Zukunft nicht gelöst werden können. Ein solch komplexes Zusammenspiel im Zuge der Lösung von Problemstellungen erfordert mehr denn je eine ausreichende natur- und technikwissenschaftliche Bildung. In diesen Zusammenhängen muss es daher Ziel sein, Bildung grundzulegen, die zum interdisziplinären Denken und zum Nachvollziehen oder Lösen von Problemen befähigt.

Auch der Aufbau von Problemlösekompetenz in unterschiedlichsten Fachrichtungen ist eines der wesentlichsten Ziele von Fachhochschulen, insbesondere deswegen, da diese Bildungseinrichtungen speziell für den praxisbezogenen Ausbildungsschwerpunkt für zukünftiges Personal auf akademischem Niveau ausgerichtet sind.

Aus diesem Grund bilden Konzepte und Bildungsformate an Fachhochschulen konkret mit Schwerpunkt „technischer“ Problemlösekompetenz jene Chance, sich von anderen universitären Einrichtungen drastisch zu unterscheiden. Auf Basis dieser Erkenntnisse und der Notwendigkeit Menschen mit diesen Skills für die berufliche Zukunft fit zu machen, haben FH´s die Chance diese am Bildungsmarkt fehlenden Kompetenzbereiche zu etablieren.

Wir am Departement Technik, im Studiengang Clinical Engineering, nehmen diese Herausforderungen nicht nur an, sondern bereits seit geraumer Zeit wahr und widmen uns z.B. seit November 2017 mit unserem in Zentraleuropa einzigen Forschungs-OP samt angeschlossener intensivmedizinischer Einheit auf höchstem technischen, als auch pädagogischem Niveau diesen komplexen Fragestellungen. So finden einzigartige Veranstaltungen wie etwa ein Notfall-Symposium, welches speziell für Handlungsaktionen für den Pflegebereich ausgerichtet wurde, statt. Hier können angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege bei kontrollierten Bedingungen absolut realitätsnah sämtliche Handlungsaktionen des intraklinischen Nofallmanagements, ohne  Gefahr für Leib und Leben, trainieren.

Ein fachlich kompetentes Team mit medizinischem und vor allem medizintechnischem Kow-How sind Teil des am Department Technik angesiedelten Kompetenzzentrums OPIC an der FH-Campus Wien.

Neben fachlich-methodischen Kompetenzen, sollen Studierende besonders auch sozial-kommunikative Kompetenzen wie etwa Konfliktfähigkeit, Fähigkeit zur Selbstreflexion, Teamfähigkeit, Rollendistanz etc. lernen. In begleitenden Berufspraktika wird Studierenden die Möglichkeit geboten in technisch spezialisierten Bereichen, wie etwa in medizintechnischen Abteilungen in Gesundheitseirichtungen, oder bei Planungsbüros  für Gesundheitsgroßprojekte etc., die erworbenen Kenntnisse unter fachlicher Anleitung zu vertiefen und entsprechend umzusetzen.

Fußnote

[1]  MINT: Bezeichnet eine Zusammenfassung von Unterrichts- und Studienfächern bzw. Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Engelbert Mach
Über Engelbert Mach 3 Artikel
Univ.-Lekt. Mag. Dr. Dr. Engelbert MACH, PhD; Studium der Biomedizinischen Technik und Gesundheits- informatik, sowie Studium der Pädagogik. Lehrender am Department für Clinical Engineering an der FH Campus Wien. Gerichtlich beeideter und zertifizierter Sachverständiger für biomedizinische Technik. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Buchautor im Bereich der Gesundheits- wissenschaften. engelbert.mach@fh-campuswien.ac.at

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