COVID-19-Impfstoffe: Gesundheitsministerium muss mehr für gerechte Verteilung tun

„Angesichts der Corona-Pandemie muss unbedingt sichergestellt werden, dass die neuen Impfstoffe wirklich allen Menschen zur Verfügung stehen, nicht nur jenen in reichen Ländern. Hier trägt auch Österreich eine wichtige Verantwortung – ganz speziell das Gesundheitsministerium, das derzeit in Abstimmung mit der EU über Impfstoff-Kontingente verhandelt. Leider ist derzeit nicht zu erkennen, wie Österreich auch über seine Grenzen hinaus zu einer gerechten Impfstoff-Verteilung beitragen will. Im Gegenteil: Vielmehr ließ das Ministerium zuletzt mit Aussagen aufhorchen, wonach Impfstoffe ärmeren Ländern höchstens dann verkauft oder kostenlos zur Verfügung gestellt würden, wenn diese hierzulande nicht zur Verwendung kommen.

Dazu sagen wir von Ärzte ohne Grenzen ganz klar: Wir können es uns nicht leisten, Impfstoffe nicht mit größter Effizienz weltweit zum Einsatz zu bringen. Das würde zum Verlust von vielen zusätzlichen Menschenleben führen. Es würde die Zeit verlängern, bis die Pandemie unter Kontrolle gebracht werden kann, möglicherweise um viele Jahre.

Eine Almosen-Mentalität ist einem Land wie Österreich und auch der Europäischen Union nicht würdig. Vielmehr sollte Österreich dafür eintreten, dass es für die Verteilung von Impfstoffen verbindliche, faire Regeln und volle Transparenz gibt. Wir glauben, dass Österreich hierzu einen wichtigen Beitrag leisten kann und das Gesundheitsministerium auch die nötige Expertise hat, dies auf EU-Ebene einzufordern.

Wovor wir eindrücklich warnen, ist der Impfstoffnationalismus, den wir derzeit in vielen Ländern inklusive Österreich beobachten. Ein rein nationales Vorgehen in der Verteilung von COVID-19-Impfstoffen wäre kontraproduktiv, vielmehr braucht es ein koordiniertes, solidarisches, internationales Vorgehen. Denn: Diese Pandemie ist nur dann besiegt, wenn sie überall besiegt ist.“

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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