Corona in Peru: Häusliche Gewalt steigt durch enorme Belastung der Familien

Schulen bleiben das ganze Jahr geschlossen – Fast 80 Prozent ohne Erwerbseinkommen

(C) Kitty

Peru ist eines der Länder in Lateinamerika in denen Frauen und Kinder am stärksten von häuslicher Gewalt betroffen sind. Es wird geschätzt, dass über 70 Prozent aller Buben und Mädchen bereits Gewalt erlebt haben, in den meisten Fällen durch ihren eigenen Vater. Die Corona-Krise trifft Peru besonders stark. Mit über 300.000 Erkrankten und über 10.000 Toten liegt Peru an fünfter Stelle der am schwersten betroffenen Länder weltweit. „Die Schulen werden das ganze Jahr nicht mehr aufsperren“, sagt Teresa Gruber, Peru-Expertin von SOS-Kinderdorf. „Für Familien, die nun viel Zeit zuhause verbringen, fallen wichtige Unterstützungs- und Beratungssysteme weg.“ Im Mai hatten nach Angaben des Nationalen Statistikamts fast 80 Prozent der Bevölkerung kein Erwerbseinkommen. „Die wirtschaftlichen und psychischen Belastungen für die Familien sind enorm, dadurch steigt leider auch die Gefahr für Kinder und Frauen, häuslicher Gewalt zum Opfer zu fallen noch weiter an“, erklärt Gruber.

Beratung und Therapie aus der Ferne
Alleine im Jahr 2019 wurden in Haushalten in Peru über 200.000 Fälle von häuslicher Gewalt registriert. Durch die hohen Belastungen für Familien in der Corona-Krise nehmen die Fälle von häuslicher Gewalt weiter zu. „Helplines im Land sind in den letzten Monaten regelrecht von Anrufen überflutet worden“, sagt Gruber. „Hinzu kommt, dass Gewalt an Kindern und Frauen weniger bemerkt wird, wenn Kinder nicht in die Schule gehen und Frauen sich nicht direkt an Beratungsstellen wenden können.“ Es brauche unbedingt Unterstützungsmöglichkeiten aus der Ferne für die gesamten Familien.

Die Beraterinnen und Berater von SOS-Kinderdorf, die im Rahmen von Familienstärkungsprogrammen auch mit Unterstützung aus Österreich über 350 Familien betreuen, sind aktuell in ständigem Austausch via Telefon und Videoanrufen. „Die Sozialarbeiterinnen telefonieren mindestens zweimal pro Woche mit den Familien, um ihnen psychosoziale Unterstützung zu bieten,“ erklärt Gruber. „Für die gefährdetsten Familien wurde auch die Möglichkeit geschaffen, Psychotherapie über Telefon und Videoanrufe zu erhalten.“ Viele Auswirkungen werde man erst nach Ende der Krise bemerken und dann noch einmal mehr Arbeit in den Kampf gegen häusliche Gewalt stecken müssen.

SOS-Kinderdorf Österreich stärkt Väter in Peru
Um Gewalt in Familien zu reduzieren und somit auch zu verhindern, dass Kinder von ihren Eltern getrennt werden müssen, legt SOS-Kinderdorf einen Fokus darauf, Männer in ihrer Väterrolle zu stärken und sie aktiv an der Erziehung ihrer Kinder zu beteiligen. Workshops im Rahmen der sogenannten „Männerschulen“ sollen dabei helfen, das Bild der Männer als „Herrscher“ über die Familie zu verändern. „Wir möchten nicht nur die Männer stärken, sondern für eine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sorgen, um so die Qualität des Familienlebens zu verbessern“, so Gruber. „Die Eltern lernen in den Workshops ihre Kinder gewaltlos zu erziehen und ihnen ein Vorbild zu sein.“

Die Workshops, die mittlerweile fixer Bestandteil an allen Standorten von SOS-Kinderdorf in Peru sind, können durch die Corona-Krise nicht in gewohnter Form stattfinden. „Gerade jetzt wäre es wichtig, dass wir Familien dabei helfen, mit Stress und Ängsten wegen Arbeitslosigkeit oder Heimunterricht umzugehen“, sagt Gruber. „Wir werden daher auch Spendengelder aus Österreich unter anderem für Beratungen und Therapien zur Verfügung stellen.“

SOS-Kinderdorf bittet um Spenden für die Nothilfe in der Corona-Krise
Spendenkonto: IBAN AT 62 1600 0001 0117 3240, Kennwort: Corona

Über Markus Golla 9544 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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