Community Nurse

(C) Leszekglasner

Letzte Woche beschäftigte sich die aktuelle Berichterstattung im Morgenjournal auf Ö1 wieder einmal mit dem Thema Community Nurse.

Aktuell ist sehr deutlich sichtbar, dass die Versorgungsangebote für chronisch Kranke und Pflegebedürftige, insbesondere im häuslichen Setting, österreichweit nach wie vor sehr unterschiedlich gestaltet sind und – auch ohne die besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie – die Grenzen der Kapazitäten längst erreicht haben. Zudem fühlen sich Angehörige mit den sehr belastenden Aufgaben der Betreuung ihrer pflegebedürftigen Familienmitglieder oft überfordert.

In mehreren Ländern der Europäischen Union wird dieser Thematik mit dem Einsatz von Community Nurses begegnet.

Die Community Nurse soll laut Regierungsprogramm nun auch in Österreich dieses Versorgungsangebot zur Verfügung stellen. Ziel ist es, in den nächsten Jahren in 500 Gemeinden Community Nurses zu implementieren. Zudem stellt die Europäische Union sogar 50 Millionen Euro Budget Projektförderung zur Verfügung – so weit, so gut. Doch wie gestaltet sich das Aufgabenfeld der Community Nurse? Und die vielleicht noch viel spannendere Frage: in welcher Gesundheits- oder Sozialangebotsstruktur werden diese Pflegepersonen integriert?

Zu den Überschriften der Handlungsfelder, die aus dem Regierungsprogramm abzuleiten sind und den von Pflegeexperten definierten Aufgaben gibt es weitgehende Einigkeit.

Die Beratung Pflegebedürftiger und deren Angehöriger, die Koordination von Pflege-, Medizinischen- und Sozialleistungen, sowie die Nutzung präventiver Angebote sollen einen Lückenschluss zwischen dem pflegerischen, medizinischen und sozialen Versorgungsangeboten gewährleisten. Insgesamt bieten diese Aufgabenbereiche ein enormes Potential, damit bei den Menschen Leistungen gezielt ankommen.

Dies kann jedoch nur funktionieren, wenn berufserfahrene Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege ihre Fachkompetenz eigenverantwortlich und unabhängig in der Erstellung bedarfsorientierter Angebote im Rahmen von Hausbesuchen bei Betroffenen erstellen, begleiten und bei Bedarf adaptieren, sowie weitere Gesundheits- und Sozialberufe hinzuziehen. Daraus ergibt sich eindeutig die strukturelle und finanzielle Zuständigkeit der Gemeinden.

Es ist dringend zu hoffen, dass die Etablierung des höchst notwendigen Kompetenzbereiches der Community Nurse in den Versorgungsstrukturen Österreichs mutig vorangetrieben wird und nicht am Ende – wieder einmal – partikularen Interessen geopfert wird.

Ursula Frohner
Über Ursula Frohner 4 Artikel
1977 bis 2007 Pflegepraxis und Projektarbeit im stationären Bereich wie etwa Unfall- und Allgemeine Chirurgie, Kardiologie und Nephrologie, sowie von 1993 bis 2007 Tätigkeitsbereich im Operationssaal. 2007 bis 2020 Präsidentin des ÖGKV sowie Vorsitzende der Österreichischen Pflegekonferenz. Aktuell Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Karl Landsteinerinstitutes für Human Factors & Resources im Gesundheitswesen, Lektorin der Weiterbildungsakademie für Pflegeberufe an der Sigmund Freud Universität Wien

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