CH: Risikofaktoren für einen Schlaganfall

(C) FRAGILE Suisse

(Zürich)(PPS) Am 29. Oktober ist Welt-Schlaganfall-Tag. In der Schweiz erleiden rund 16‘000 Menschen jährlich einen Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt. Im Interview spricht Dr. Rolf Frischknecht, Belegarzt am Waadtländer Universitätsspital CHUV an der Abteilung für Neuropsychologe und Neurorehabilitation und Vorstandsmitglied von FRAGILE Suisse, über Risikofaktoren und Präventionsmassnahmen.  

Herr Frischknecht, welche Bevölkerungsgruppen sind in der Schweiz am häufigsten von Schlaganfällen betroffen?

Es sind vor allem ältere Menschen, 78 Prozent der Schlaganfall-Patienten sind über 65 Jahre alt. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, verdoppelt sich alle zehn Lebensjahre. Es sind aber auch Jüngere betroffen, 22 Prozent sind unter 65-jährig. Auch wenn die Schweiz punkto Anzahl Schlaganfälle pro Jahr und den damit verbundenen Todesfällen privilegiert ist, sind sie nach Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs die dritthäufigste Todesursache.

Welche Faktoren senken das Risiko für einen Schlaganfall?

Die Gesundheit, Ernährung und Lebensweise sind wichtig. Das Alter, das Geschlecht und eine allfällige familiäre Vorbelastung können wir nicht ändern. Weitere Risikofaktoren sind unbehandelter Bluthochdruck, gewisse Herzrhythmusstörungen, Diabetes, die Pille zur Empfängnisverhütung, zu viel Cholesterin und Fett im Blut, zu wenig Bewegung und Übergewicht, Tabak- und Alkoholkonsum sowie Stress. Diesen kann man präventiv vorbeugen. Andere mögliche Ursachen von Schlaganfällen wie Anomalien bei der Blutgerinnung, Fehlbildungen am Herz, der Aorta, den Hirnarterien, -kapillaren und -venen müssen hingegen chirurgisch oder medikamentös behandelt werden.

FRAGILE Suisse bietet das Begleitete Wohnen – Daheim statt im Heim – an. Ein Tropfen auf dem heissen Stein? Ist das eine zielgerichtete Hilfe?

Das Angebot ist leider tatsächlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein angesichts der vielen Menschen mit Hirnverletzung und den sehr unterschiedlichen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben. FRAGILE Suisse hat den Vorteil, in erster Linie eine Organisation für Betroffene und Angehörige zu sein. Sie orientiert sich bei der Ausgestaltung ihrer Dienstleistungen primär an den Bedürfnissen dieser Menschen. Die Fachpersonen von FRAGILE Suisse erhalten eine spezielle Weiterbildung zu Hirnverletzungen und ihren Folgen. Die Kurse dazu werden von Spezialisten sowie von Betroffenen und ihren Angehörigen gegeben.

FRAGILE Suisse – Das Begleitete Wohnen

Aus Sicht der Betroffenen ist das Begleitete Wohnen eine grossartige Einrichtung, die ihnen ein Leben in Selbständigkeit ermöglicht. Das ist entscheidend und wir erfahren eine steigende Nachfrage nach dieser so wichtigen Dienstleistung.

FRAGILE Suisse – Die Organisation

Die schweizerische Vereinigung FRAGILE Suisse und ihre zehn Regionalvereinigungen engagieren sich in der ganzen Schweiz für Menschen mit Hirnverletzung und ihre Angehörigen. Die Dienstleistungen umfassen die Gratis-Beratung der Helpline (0800 256 256), Selbsthilfegruppen, Kurs- und Weiterbildungsangebote sowie das Begleitete Wohnen, das Betroffenen ermöglicht, mit Unterstützung durch Fachleute in der eigenen Wohnung zu leben statt in einem Heim. In der Öffentlichkeit setzt sich die gemeinnützige Organisation zudem für die Interessen von Betroffenen und Angehörigen ein. FRAGILE Suisse finanziert das Angebot zum grössten Teil aus Spenden und ist von der Stiftung Zewo als gemeinnützig anerkannt.

Markus Golla
Über Markus Golla 8478 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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