CH: Personen ab 65 Jahre sind sehr zufrieden mit der Qualität der Gesundheitsversorgung

(C) Andrey Bandurenko

Die Mehrheit der Menschen in der Schweiz ab 65 Jahren ist mit der Qualität der Gesundheitsversorgung überdurchschnittlich zufrieden. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die unter der Schirmherrschaft der Stiftung Commonwealth Fund in elf Ländern durchgeführt wurde. Die Befragung fand im Frühling 2021 statt und somit während der Covid-19-Pandemie. Wie die Befragung zeigt, haben 97 Prozent der älteren Personen in der Schweiz eine Hausärztin beziehungsweise einen Hausarzt, die in den meisten Fällen bei der Koordination der medizinischen Versorgung unterstützen.

Der Commonwealth Fund lässt alle drei Jahre in mehreren Ländern eine Befragung unter der älteren Wohnbevölkerung durchführen. Die Resultate zeigen, dass die über 65-Jährigen in der Schweiz mit der Qualität der medizinischen Versorgung sehr zufrieden sind. Damit schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich wie schon in früheren Erhebungen sehr gut ab.

Der grösste Teil der befragten Personen (81 Prozent) bezeichnet den eigenen Gesundheitszustand als ausgezeichnet, sehr gut oder gut. Allerdings berichtet in der Schweiz fast ein Viertel von starken oder leichten Einschränkungen in grundlegenden Aktivitäten des Alltags (wie z.B. aus dem Bett aufstehen).

Acht von zehn befragten älteren Personen in der Schweiz geben an, dass sie an mindestens einer chronischen Erkrankung leiden. Am häufigsten nennen sie Bluthochdruck und Arthritis oder Gelenkschmerzen. Das Krankheitsmanagement hat sich über die letzten vier Jahre verbessert. So besitzen im Jahr 2021 deutlich mehr Betroffene (64 Prozent) einen Behandlungsplan, den sie im täglichen Leben umsetzen können. 2017 waren es erst 46 Prozent. Zudem ist der grosse Anteil sehr zuversichtlich oder zuversichtlich, das eigene Gesundheitsproblem unter Kontrolle zu haben.

Die Hausarztpraxen koordinieren

In der Schweiz haben 97 Prozent der älteren Wohnbevölkerung eine Hausärztin bzw. einen Hausarzt. In neun von zehn Fällen erhalten die Befragten noch am selben Tag eine Antwort, wenn sie ihre Hausarztpraxis mit einem medizinischen Anliegen kontaktieren. Dagegen empfinden es die Hälfte der befragten Personen als schwierig, am Abend, am Wochenende oder an Feiertagen medizinische Versorgung zu erhalten, ohne dabei einen Notfalldienst zu besuchen.

In der Schweiz konsultieren Personen ab 65 im internationalen Vergleich häufiger eine Vielzahl von verschiedenen Ärztinnen und Ärzten, sie erhalten aber auch am häufigsten Unterstützung durch die Hausärztin bzw. den Hausarzt. Diese helfen in drei Vierteln (77 Prozent) aller Fälle immer oder häufig bei der Vereinbarung und Koordination von Behandlungen bei anderen Leistungserbringern.

Wenige Konsultationen per Telefon oder Video

Bei knapp einem Fünftel der befragten Personen wurde aufgrund der Covid-19-Pandemie ein Termin bei einer Ärztin bzw. einem Arzt oder einer anderen Gesundheitsfachperson abgesagt oder verschoben, was international einem Rang im Mittelfeld entspricht. Gleichzeitig fanden in der Schweiz im internationalen Vergleich deutlich weniger häufig medizinische Konsultationen per Telefon oder Videotelefonie statt.

Behandlung am Lebensende

Die schriftliche Dokumentation, welche Behandlung man sich am Lebensende wünscht, und die Nennung einer entscheidungsbefugten Person haben in der Schweiz in den letzten Jahren deutlich zugenommen. 65 Prozent der älteren Wohnbevölkerung haben mit der Familie, Freunden oder einer medizinischen Fachperson darüber gesprochen, welche Behandlungen sie wollen oder nicht wollen, falls sie bei Krankheit oder Verletzung nicht mehr für sich selber entscheiden können. 44 Prozent haben dies auch schriftlich in einem Dokument festgehalten.

Die Schweiz nimmt seit 2010 an der internationalen Befragung des Commonwealth Fund zur Gesundheitsversorgung teil. Der Commonwealth Fund ist eine private, nicht-gewinnorientierte Stiftung, die die Förderung gut funktionierender und effizienter Gesundheitssysteme mit besserem Zugang zur Krankenversicherung und die Qualitätsverbesserung der Leistungen zum Ziel hat.

Die Erhebung 2021 bezieht sich wie bereits in den Jahren 2014 und 2017 auf die Wohnbevölkerung ab 65 Jahren und deren Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem. Beteiligt haben sich neben der Schweiz auch Australien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Schweden und den USA. Befragt wurden in der Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit BAG 2597 Personen über 65 Jahre in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)