CH: Parlament handelt: Ausbildungsoffensive für Pflege genehmigt

19. Dezember 2022 | News Schweiz

Der Nationalrat hat heute in der Schlussabstimmung die erste Tranche der Umsetzung der Pflegeinitiative angenommen. Damit ist der Weg frei für die dringend notwendige Ausbildungsoffensive. Zudem wird ein alter Zopf abgeschnitten: Pflegefachpersonen erhalten das Recht, bestimmte Pflegeleistungen ohne ärztliche Anordnung direkt mit den Krankenkassen abzurechnen. Damit gelingt den Pflegefachpersonen nach langem Kampf endlich der Schritt weg vom Hilfsberuf der Ärzt:innenschaft.

Die Ausbildungsoffensive ist vor dem Hintergrund des gravierenden Personalmangels zwingend notwendig. Der Bund stellt dafür knapp 500 Millionen Franken zur Verfügung. Diese Gelder fliessen nur, wenn die Kantone ihrerseits Mittel in gleicher Höhe sprechen. «Umso dringender ist es, dass die Kantone jetzt die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, damit die Ausbildungsoffensive ins Rollen kommt», sagt Yvonne Ribi, die Geschäftsführerin des SBK.

Vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels in der Pflege sind weitere Schritte zwingend. «Damit die Ausbildungsoffensive nicht verpufft, braucht es bessere Arbeitsbedingungen, eine bedarfsgerechte Personaldotation und eine angemessene Abgeltung der Pflegeleistungen. Hier muss der Bundesrat rasch Eckewerte definieren»
Gleichzeitig müssen die Kantone Sofortmassnahmen ergreifen, um den Exodus aus der Pflege zu stoppen: «Wir kümmern uns um kranke, verletzliche Menschen und brauchen Zeit um sie sie so zu pflegen, wie sie es auf Grund ihrer Situation brauchen. Hetzen wir von Zimmer zu Zimmer widerspricht das nicht nur unseren humanistischen Grundwerten sondern hat auch negative Konsequenzen für die Menschen die wir pflegen. Studien belegen, dass Komplikationen und Sterblichkeit zunehmen und das ist aus berufsethischer Sicht nicht verantwortbar.“ Für Ribi ist zudem klar: „Von den Kantonen soll flächendeckend in Massnahmen investiert werden, die den Pflegenden mehr Erholungszeit, mehr Zeit für die Patient:innen, mehr Geld im Portemonnaie und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen.»

Neben der Ausbildungsoffensive enthält Paket 1 auch den eigenverantwortlichen Bereich: Pflegefachpersonen können bestimmte, vom Bundesrat noch genau zu definierende Pflegeleistungen direkt mit den Krankenkassen abrechnen, ohne dass dafür eine ärztliche Anordnung nötig ist. «Eigentlich ist das ein historischer Schritt», sagt Yvonne Ribi, die Geschäftsführerin des SBK. «Dieses Anliegen stand am Anfang der Pflegeinitiative. Der SBK hat seit 20 Jahren dafür gekämpft, dass die Pflege den ihr fachlich längst zustehenden eigenverantwortlichen Bereich erhält und gemäss Gesetz nicht mehr den Status als Hilfsberuf hat.»

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)