CH: Luftverschmutzung in Zeiten von Corona

Umwelt - Smog - Klima
(C) kamilpetran

Dübendorf, St. Gallen und Thun, 09.04.2020 – Die Welt steht still. Menschen arbeiten meist im Home-Office, Autos bleiben in den Garagen, Flugzeuge am Boden. Doch nicht überall herrscht Stillstand; die Ermittlung der Schadstoffmengen in unserer Atmosphäre ist gerade in diesen Zeiten äusserst spannend. Empa-Forscher analysieren und beurteilen die Werte der schweizweiten Messstationen.

Der Himmel ist zurzeit leer, und auch die Strassen sind kaum befahren. Die Massnahmen des Bundes haben nicht nur Auswirkungen auf unseren Alltag, sondern auch auf die Luftqualität. Die 16 Messstationen des nationalen Beobachtungsnetzes für Luftfremdstoff (NABEL) überwachen und analysieren zahlreiche Schadstoffe in der Atmosphäre. Diese Daten zeigen, wie es seit dem Lockdown um die Luftqualität hierzulande bestellt ist. Die Forscherinnen und Forscher der Empa-Abteilung «Luftfremdstoffe / Umwelttechnik» sind dieser Tage besonders beschäftigt und aktualisieren ihre Daten laufend.

Die Analyse dieser Messdaten ist jedoch äusserst komplex. Denn wie sehr die Luft mit Schadstoffen belastet ist, hängt nicht nur von deren Ausstoss ab; das Wetter – allem voran Wind- und Temperaturverhältnisse – spielt eine wesentliche Rolle. So führen ruhige Inversionswetterlagen, also wenn die höheren Luftschichten wärmer sind als die unteren, eher zur belasteter Luft als starke Winde. Einfache Vergleiche der Luftschadstoffe vor und nach dem Lockdown sind deshalb nicht ausreichend.

Das Wetter als wichtiger Faktor

Zum Beispiel führten die milden Temperaturen in den letzten Monaten zu einer guten Durchmischung der bodennahen Luftschicht und dadurch zu einer guten Luftqualität. In der zweiten Märzhälfte sorgte zudem eine ausgeprägte Bise für eine hohe Verdünnung und eine tiefe Luftschadstoffbelastung. Deshalb wurde zwar an vielen Standorten eine Reduktion der Schadstoffe im Vergleich zum Vorjahr beobachtet, doch diese lässt sich nicht direkt auf die Massnahmen des Bundes im Zusammenhang mit Covid-19 zurückführen. Hilfreich sind aber Computermodelle, die aufgrund von langen Messreihen und Informationen wie Wetter, Jahres- und Tageszeit eine Vorhersage der Luftqualität ermöglichen – vorausgesetzt es treten keine aussergewöhnlichen Ereignisse ein.

Die Massnahmen seit Mitte März sind aber genau ein solch aussergewöhnliches Ereignis. Aus dem Vergleich von Vorhersagen und Beobachtungen lässt sich deshalb trotz allem etwas über den Einfluss von Covid-19 auf die Luftqualität aussagen. So sind etwa die Stickoxide aufgrund der Massnahmen an strassennahen Standorten deutlich gesunken, während deren Konzentration in ländlichen Gebieten fast ausschliesslich durch die Wetterbedingungen bestimmt bleiben.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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