CH: Covid-19 war 2020 die dritthäufigste Todesursache in der Schweiz

4. September 2022 | Covid19, News Schweiz | 0 Kommentare

Während sich in einem normalen Jahr in der Schweiz in etwa 70 000 Todesfälle ereignen, waren es im Pandemiejahr 2020 mit 76 195 Todesfällen 12,4% mehr als im Vorjahr. Dieser Anstieg ist auf die Covid 19-Pandemie zurückzuführen. Der Anteil an Todesfällen mit Covid 19 als Haupttodesursache lag 2020 bei 12,2% und damit an dritter Stelle nach den Herz-Kreislauf-Krankheiten (26,9%) und Krebs (22,2%). Dies geht aus der Todesursachenstatistik 2020 des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

Durch das vom BFS fortlaufend durchgeführte Mortalitätsmonitoring, welches die wöchentliche Anzahl Todesfälle überwacht, wurde im März und April 2020 eine erste Periode von Übersterblichkeit beobachtet. Eine zweite Periode trat von Oktober 2020 bis Januar 2021 auf. Insgesamt starben 2020 in der Altersgruppe von 65 Jahren und älter 8739 Personen mehr als erwartet (+ 46,9%) und in der Altersgruppe der 0 bis 64-Jährigen 301 Personen mehr als erwartet (+ 11,7%).

Der erste Covid-19-Todesfall einer 72-jährigen Frau am 5. März 2020 wurde dem BFS im Kanton Waadt gemeldet. Im Jahr 2020 starben an Covid-19 als Haupttodesursache 9294 Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. In der Altersgruppe von 65 Jahren und älter waren es 4676 Männer und 4306 Frauen; in der Altersgruppe der 0 bis 64-Jährigen 226 Männer und 86 Frauen. Dies entspricht einer altersstandardisierten Sterberate von 555,2 Personen auf 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner in der Altersgruppe von 65 Jahren und älter und von 4,4 Personen auf 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner in der Altersgruppe von 0 bis 64 Jahren.

Mehr Männer als Frauen und mehr Alte als Junge an Covid-19 gestorben

Die Covid-19-Todesfälle betrafen zu 52,7% Männer und zu 47,3% Frauen. Dabei war der Geschlechterunterschied vor allem in der Altersgruppe der 0 bis 64-Jährigen zu erkennen. Dort handelte es sich in 72,4% der Fälle um Männer und in 27,6% der Fälle um Frauen. In der Altersgruppe 65 Jahre und älter handelte es sich in 52,1% der Fälle um Männer und in 47,9% der Fälle um Frauen. Die Sterberate (altersstandardisierte Sterberate pro 100 000 Einwohner) aufgrund von Covid-19 lag für Männer bei 64,8 und für Frauen bei 35,5.

Sterblichkeit aufgrund von Covid-19 steigt ab dem 65. Lebensjahr stark an

Auch wenn vor allem ältere Personen häufiger an Covid-19 verstarben, waren auch jüngere Menschen betroffen, sogar je ein Säugling und ein Kleinkind unter 2 Jahren. In der Altersgruppe der 15- bis 44-Jährigen starben 15 und bei den 45 bis 64-Jährigen 295 Menschen an Covid-19. Zwischen dem 65. und dem 75. Lebensjahr starben 991 Personen, zwischen dem 75. und 85. Lebensjahr 2847 und bei den über 85-Jährigen waren es 5144. Dies entspricht 2235 Covid-19-Sterbefällen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner in dieser obersten Altersgruppe.

Verlorene potenzielle Lebensjahre durch Covid-19

Der Indikator der verlorenen potenziellen Lebensjahre (VPL) ist ein Indikator für vorzeitige Sterblichkeit. In der Todesursachenstatistik des BFS bezieht er sich auf alle Todesfälle, die vor der Altersgrenze von 70 Jahren eintreten. Damit zeigt dieser Indikator die Bedeutung einer Erkrankung für jüngere Menschen. Bei Männern gingen 3357 und bei Frauen 1278 potenzielle Lebensjahre aufgrund von Covid-19 verloren. Das entspricht bei Männern 13-mal und bei Frauen 9-mal mehr VPL als bei der Grippe.

Damit liegen die VPL durch Covid-19 bei Männern an 4. Stelle nach Krebs, äusseren Ursachen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen; bei Frauen an 5. Stelle nach Krebs, äusseren Ursachen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen der Atmungsorgane. Die berechneten VPL sind tendenziell eher tief, da die verwendete Altersgrenze von 70 Jahren im Vergleich zur durchschnittlichen Lebenserwartung gering ist und Covid-19 mehrheitlich ältere Menschen betraf. Bei den an Covid-19 verstorbenen Männern lag der Altersdurchschnitt bei 82,2 Jahren, bei Frauen bei 86,2 Jahren.

Anstiege bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und äusseren Ursachen

In den letzten 10 Jahren – von 2010 bis 2019 – hat die Sterberate aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern um 41,3% und bei Frauen um 32,7% abgenommen. Im Jahr 2020 sind 131 von 100 000 Männern und 87 von 100 000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben. Im Vergleich zu 2019 entspricht das bei den Männern einem Anstieg um 2,3% (+454 Todesfälle) und bei den Frauen einem Unterschied von 0,1% (+156 Todesfälle).

Die Sterberate aufgrund äusserer Ursachen wie Unfälle und Gewalteinwirkungen ist in den letzten zehn Jahren bei Männern um 19,1% und bei Frauen um 11,5% gesunken. 2020 sind daran 38 von 100 000 Männern und 19 von 100 000 Frauen gestorben. Im Vergleich zu 2019 entspricht dies bei Männern einem Unterschied von 0,5% (+20 Todesfälle) und bei Frauen einer Zunahme von 3,3% (+28 Todesfälle).

Rückgang bei Krebs und Atemwegserkrankungen

Auch an Krebs sind in den letzten zehn Jahren zunehmend weniger Personen gestorben. Bei den Männern hat die Sterberate von 2010 bis 2019 um 23,2% und bei den Frauen um 11,6% abgenommen. Im Jahr 2020 sind 138 von 100 000 Männern und 96 von 100 000 Frauen an Krebs gestorben. Im Vergleich zu 2019 entspricht dies weiterhin einem Rückgang von 3,3% sowohl bei Männern (–98 Todesfälle) als auch bei Frauen (–164 Todesfälle).

Für Todesfälle aufgrund von Atemwegserkrankungen war in den letzten zehn Jahren ein stabiler Verlauf ohne grössere Schwankungen zu erkennen. 2020 sind 27 von 100 000 Männern und 17 von 100 000 Frauen an Erkrankungen der Atmungsorgane gestorben. Im Vergleich zu 2019 entspricht dies einem Rückgang von 17,6% (–383 Todesfälle) bei Männern und von 20,7% (–421 Todesfälle) bei Frauen.

Weniger Suizide bei Männern

In den letzten zehn Jahren hat die Suizidrate tendenziell leicht abgenommen. Pro 100 000 Personen des jeweiligen Geschlechts lag sie im Jahr 2010 bei Männern bei 16,5 und bei Frauen bei 6,2 und im Jahr 2019 bei Männern bei 14,6 (742 Männer) und bei Frauen bei 5,3 (276 Frauen). Im Jahr 2020 haben sich 696 Männer und 276 Frauen das Leben genommen. Dies entspricht einer Suizidrate von 13,7 Personen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern bei Männern und 5,4 Personen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern bei Frauen. Damit hat die Anzahl der Suizide bei Männern im Vergleich zum Vorjahr um 6,2% abgenommen, bei den Frauen dagegen ist sie exakt gleich geblieben.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)