Brustkrebs-KI erspart fünf Jahre Hormontherapie

Weg zum Screening: Algorithmus berechnet Risiko (Foto: pixelio.de, Rainer Sturm)

Risiko einer erneuten Erkrankung wird dank des smarten Algorithmus „CTS5“ berechenbar

London (pte/31.05.2019/11:30) Der Algorithmus „CTS5“ identifiziert präzise jene Patientinnen, bei denen ein deutlich geringeres Risiko des erneuten Auftretens von Brustkrebs besteht. Laut einer Studie des The Royal Marsden NHS Foundation Trust http://royalmarsden.nhs.uk und der Queen Mary University London http://qmul.ac.ukbedeutet das, dass manche Patientinnen nur fünf Jahre lang eine Hormontherapie benötigen und nicht zehn Jahre. Dies könnte große psychologische und körperliche Auswirkungen haben. 

Nebenwirkungen verringern

Nach der Standardbehandlung (OP, Chemo und/oder Bestrahlung) wird dem Großteil der Brustkrebspatientinnen mindestens fünf Jahre lang eine Hormontherapie verschrieben, um das Risiko einer erneuten Erkrankung zu verringern. Nach diesem Zeitraum müssen Onkologen gemeinsam mit den Patientinnen entscheiden, ob diese Art der Behandlung sinnvoll und angemessen ist. Eine Hormontherapie kann zu Nebenwirkungen wie Knochenschwäche, Blutgerinnseln, Verschlimmerung der Symptome der Wechseljahre und einer starken psychologischen Belastung führen.

Bereits 2018 wurde in einer Studie bestätigt, dass CTS5 über einen prognostischen Wert verfügt. Bisher wurden jedoch keine Tests mit ausgewählten Patientinnen in einer klinischen Studie und mit Frauen vor und nach den Wechseljahren durchgeführt. Für die aktuelle Studie haben die Forscher CTS5 zur Analyse der Daten von 2.428 nicht an einer Studie teilnehmenden Patientinnen am Royal Marsden eingesetzt. Es zeigte sich, dass CTS5 einen Rückfall nach fünf Jahren effektiv vorhersagen konnte. Brustkrebspatientinnen konnten in drei klare Risikogruppen aufgeteilt werden: hoch, mittel und gering.

Rückfälle nach Menopause seltener

Wesentlich war, dass 700 Patientinnen, 41 Prozent der Frauen nach der Menopause, fünf bis zehn Jahre nach der ersten fünfjährigen Hormontherapie über ein deutlich geringes Risiko eines Rückfalls verfügten. Dieses Risiko war so gering, dass eine Ausweitung der endokrinen Therapie auf zehn Jahre nicht gerechtfertigt war. Laut der Erstautorin Juliet Richman können jetzt jene Frauen identifiziert werden, bei denen ein geringes Risiko besteht und die sehr wahrscheinlich von einer weiteren Hormontherapie nicht profitieren würden.

Laut Seniorautorin Ivana Sestak konnte erstmals nachgewiesen werden, dass CTS5 auch einen späten Rückfall bei Frauen vor der Menopause vorhersagen kann. Der Test ist für Onkologen frei verfügbar. Er ist laut den Forschern sehr einfach einsetzbar. Notwendig sind nur für die Behandelnden leicht zugängliche Daten. Weitere Studien sind erforderlich, um zu bestätigen, dass Patientinnen mit einem hohen Testergebnis von der Fortsetzung der Hormontherapie profitieren.

Karin Eder
Über Karin Eder 604 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Demenzberaterin, Direktorin im Haus Hetzendorf, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen