Berufsrisiko

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Das Berufsfeld der Gesundheits- und Krankenpflegepersonen bringt viele Risken mit sich und die Liste der Gefahrenquellen ist lang. Sie reicht von der Ansteckung bei Infektionserkrankungen, Stich- und Schnittverletzungen, bis hin zu einer Strahlenexposition und zu Belastungen beim Hantieren mit chemischen Substanzen etwa im Rahmen von Diagnose- oder Therapieverfahren. Die unmittelbare Konfrontation mit Gewalt, sowie Gewalt durch Dritte und sexuelle Belästigung sorgen ebenfalls für außergewöhnliche Belastungen.

All diese Punkte sind längst kein Geheimnis mehr, sie waren und sind Themen zahlreicher Studien, welche zumindest zum Zeitpunkt der Präsentation von Ergebnissen öffentliche Aufmerksamkeit erlangten.

Aktuell kommt zu den bekannten Stresssituationen noch die ständige Personalknappheit hinzu. Zusätzlich gilt es für viele Pflegepersonen das Fachwissen hinsichtlich der Corona- Erkrankung erweitern zu müssen um Patientinnen und Patienten, die an Corona erkrankt sind, bedarfsorientiert versorgen zu können.

In Zeiten der Corona – Pandemie werden die Versäumnisse der Verantwortlichen gegenüber den Pflegeberufen besonders klar sichtbar. Denn zur dünnen, oder gar nicht vorhandenen Personalreserve müssen besondere Kenntnisse, etwa die Bedienung von Beatmungsgeräten und Besonderheiten der Krankenbeobachtung rasch erlernt werden.

Dem kürzlich von Bundeskanzler Kurz angekündigten Paket für jenes Personal, welches die Patientenversorgung auf Intensivstationen aufrechterhalten, werden hoffentlich konkrete Maßnahmen mit nachhaltiger Wirkung folgen. Dass sich diese Maßnahmen nicht nur auf den Intensivbereich beschränken können und dürfen, sei hier mit aller Deutlichkeit festgehalten.

Ganz oben auf der Liste dieses Paketes müssen bundesweit einheitliche Personalberechnungsmethoden stehen, welche als wesentliches Kriterium die fachliche Qualifikation der Pflegepersonen zur Sicherstellung bedarfsorientierte Gesundheitsversorgung haben. Daher sind umgehend die bereits oftmals angekündigten Bildungs- und Ausbildungsoffensiven zum Boden zu bringen. Bei anderen systemrelevanten Berufen, wie etwa bei der Polizei, gibt es bereits erprobte Fördermodelle und Unterstützungsangebote für die Dauer der Ausbildung. Diese sollten sich jedoch nicht nur auf die geringste Qualifikationsstufe in der Pflege und somit die kürzeste Ausbildungsdauer beschränken, sondern auch für die Weiterqualifikation und die Spezialisierungen gelten.

Zudem sind die angedachten Bonuszahlungen zwar ein kurzer erfreulicher Anblick am Gehaltzettel, sie entfalten jedoch keine nachhaltige Wirkung bei der Einkommenssituation von Pflegepersonen. So erzielen Bonuszahlungen und Zulagen zwar zusätzliche steuerliche Belastungen, jedoch keine längerfristigen Einkommenseffekte.

Angesichts der sich die durch die Corona – Pandemie zuspitzende Lage am Sektor qualifiziertes Pflegepersonal insbesondere im intensivmedizinischen Setting ist die Umsetzung umfassender Reformschritte für alle Pflegeberufe nicht mehr auf die lange Bank zu schieben – denn das Berufsrisiko Stress durch Personalmangel kann durch konstruktive Ansätze wesentlich verringert werden.

Ursula Frohner
Über Ursula Frohner 4 Artikel
1977 bis 2007 Pflegepraxis und Projektarbeit im stationären Bereich wie etwa Unfall- und Allgemeine Chirurgie, Kardiologie und Nephrologie, sowie von 1993 bis 2007 Tätigkeitsbereich im Operationssaal. 2007 bis 2020 Präsidentin des ÖGKV sowie Vorsitzende der Österreichischen Pflegekonferenz. Aktuell Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Karl Landsteinerinstitutes für Human Factors & Resources im Gesundheitswesen, Lektorin der Weiterbildungsakademie für Pflegeberufe an der Sigmund Freud Universität Wien

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