So war das Business Circle Pflegemanagementforum 2022

(C) Schützenauer

Der 14. Business Circle stand ganz im Zeichen des Mottos „Utopie statt Resignation“. Wenn man das Gefühl hat, es geht absolut nichts weiter oder im Gegenteil, es geht immer mehr nach unten, so hat man genau zwei Möglichkeiten: Man resigniert oder man arbeitet an einer Utopie, die dann alle mittragen können. Dies ist natürlich ein hohes Ziel, aber ohne einer gemeinsamen Vision, kann es auch keine Veränderung geben.

Der Theologe Prof. Heinemann eröffnete den Kongress mit einer Keynote, die genau diesen Weg beschrieb. Hier wurden Fragen wie „Was ist eine Utopie?“, „Was muss geschehen, damit eine Utopie auch in die Umsetzung kommt?“ und „Wer ist für eine Utopie verantwortlich?“ beantwortet und die TeilnehmerInnen mit inspirierenden Worten in den ersten Tag geschickt.

Es folgte eine Präsentation aus der Schweiz. Frau Regula Lüthi, Präsidentin der Swiss Leaders, zeigte, wie viel derzeit in der Schweiz getan wurde, um eine solche Utopie auch umzusetzen. Hier ist die Pflegeinitiative ein perfektes Beispiel, dass es funktionieren kann. Aber man sah auch die Arbeit, die hinter einem solchen Vorhaben steckte. Mit perfekten „10 To Do’s für die Pflege“, „10 Not to do für die Pflege“ Listen wurde klar, an welchen Punkten man hier arbeiten muss. Hierbei ist nicht nur das Management gefragt, sondern jede einzelne Pflegeperson.

Nach diesen inspirierenden Vorträgen kam nun die Praxis zu Wort. Jörg Ney, Pflegedirektor im PBZ St. Pölten und Michael Urschitz, Anästhesiepfleger und ANP Student zeigtten, wie ihre Sichtweise auf Punkte für Führung, Erwartungshaltung der MitarbeiterInnen und Karriereweg aussehen.

Nach einer kurzen Pause, präsentierten Elisabeth Potzmann (ÖGKV), Elisabeth Anselm (Hilfswerk Österreich), Mario Tasotti (WKO) und Markus Mattersberger (Lebenswelt Heim) die Punkte, die es im Akutbereich, im extramuralen Bereich, in der Hauskrankenpflege, bei den 24 Stunden Betreuungen und generell im System zu ändern gilt, damit Pflege sich weiterentwickeln kann, ohne gegen die Wand zu fahren. Bundesminister Rauch hörte sich diese Punkte an, um wenige Minuten später sich Fragen, Bitten und Problemen zu stellen. Hierbei legte er ab der ersten Minute, die geschriebene Rede weg, um direkt in die Diskussion zu gehen. Es war ein ehrliches Gespräch, ohne Versprechungen oder leeren Worten. Es wurde auf beiden Seiten aufgezeigt, wo die Probleme liegen und was es braucht, bzw. was machbar ist und warum manche Punkte so schwer sind. Diese Stunde auf Augenhöhe und ohne leeren politische Worte begeisterten die gesamte Community im Raum und auch der Bundesminister schien sich über viele Statements des Publikums zu freuen. Beide Seiten reichten sich die Hände und alles endete mit einer Einladung ins Bundesministerium, um weitere Punkte zu besprechen.

Nach der Mittagspause ging es dann in einzelne Panels. Hier präsentierte Elisabeth Rappold (GÖG) den Status Quo bei der Community Nurse, Jörg Ney (LGA NÖ) zeigte auf, dass wir ein neues Führungsverständnis in der Pflege benötigen und Markus Golla (IMC FH Krems) berichtete über das neue Hochschulgesetz, welches essentiell für Anrechnungen von PA/PFA/DGPK/BSc ist und über die Gesetzgebung zum Beruf OTA. Die anschließende Kaffeepause wurde natürlich zum Netzwerken benutzt.

Die nächste Panelrunde hatte natürlich wieder komplett unterschiedliche Themen. So ging es bei David Wachabauer (GÖG) und Sarah Burgmann (GÖG) um die multiprofessionelle Primärversorgung, Georg Razesberger (AZW) präsentierte das Ausbildungsmodell „Pflegeferarri“ und der Pflegenachwuchs Katharina Pfitscher (Tirol Kliniken), Corinna Sturm (Studentin IMC FH Krems) und Christoph Adler (UK Tulln) stellten sich weit über 100 PflegedirektorInnen, der Diskussion „Next Generation Pflege“. Letzteres Panel wurde so spannend und energetisch diskutiert, dass man kurzerhand beschloss, die Diskussion am nächsten Tag als Workshop fortzuführen.

In der Kaffeerunde wurde wieder genetzwerkt und man traf sich im Anschluss wieder im großen Plenum. Hier eröffnete Claudia Leonie Scheiber (UMIT Tirol) mit Kennzahlen zum Skill/Grade Mix und wie gefährlich aus wissenschaftlicher Sicht eigentlich gearbeitet wird. Nach diesem Impulsvortrag gab es die Diskussionsrunde und Berichterstattung mit Beate Czegka (Tirol Kliniken), Andrea Kapounek (Haus der Barmherzigkeit), Anastasia Knoll (Wiener Sozialdienste) und Claudia Leonie Scheiber (UMIT Tirol) was beim Skill/Grade Mix derzeit gut läuft, an was noch gearbeitet werden muss und wo es einfach Probleme gibt, diesen umzusetzen.

Das Finale des ersten Tages wurde durch den Social Media Experten Robert Seeger eingeleitet. Seine humoristische Art war voller wichtiger Inhalte, wie sich Pflege sichtbar präsentieren sollte und warum Social Media weiterhin eines der wichtigsten Werkzeuge ist, wie man Menschen für diesen Beruf begeistern kann und man die Gesellschaft mit ins Boot holt. Nach diesem inhaltsreichen und lustigen Vortrag, ging es gemeinsam zur Abendveranstaltung, in einem tollen Lokal direkt am botanischen Garten.

Der zweite Tag begann mit einem Vortrag von Regina Aistleithner (GÖG) über die Neuregelung der hochschulischen Weiterbildungen und die Auswirkung auf die Pflege. Das Gesetz bietet viele neue Chancen, aber auch Stolperfallen die es zu beachten gilt. Auch die nächste Präsentation blieb im Zeichen der Gesetzgebung. Michael Halmich (Forum Gesundheitsrecht) zeigte auf, was das neue Sterbeverfügungsgesetz 2022 für die Pflege bedeutet und welche Rechte/Pflichten daraus resultieren.

Mit Denis Matic und Günter Weitersberger (Zuchettti HR) gab es das erste Digitalisierungsthema „Von der Personalbedarfsberechnung zur KI gesteuerten Personaleinsatzplanung. Zeitgleich präsentierte Kurt Schalek (AK Wien) die psychischen Folgen der Pandemie in den Pflegeberufen. Beate Czegka (Tirol Kliniken), Andrea Kapounek (Haus der Barmherzigkeit) und Elisabeth Rappold (GÖG) kümmerten sich um den zweiten Teil der Generationendiskussion. Hier wurde im ersten Schritt in Kleingruppen „Die Sicht der jungen Pflegepersonen“, „Die Sicht der erfahrenen Pflegepersonen“ und „Die Sicht der erfahrenen Pflegepersonen auf die jungen Pflegepersonen“ erarbeitet um später in der Großgruppe diskutiert zu werden. Fazit: Beide Seiten nahmen sich viel voneinander für den Berufsalltag mit.

Es folgte eine weitere Panelrunde. Renate Ranegger (LEP AG) und Tobias Lamprecht (Uniklinikum Salzburg) beschäftigten sich mit „Führen mit Kennzahlen“, Michael Halmich mit „Update Berufsrecht Pflege“ und Manuela Sax (Tirol Kliniken) zeigte die „Krisenbegleitung in den Tirolkliniken“.

Das Finale war ganz im Zeichen der Internationalität. Die Erfahrungsberichte aus Deutschland und der Schweiz wurden von Regula Lüthi (Swiss Leaders), Markus Mai (Pflegekammer RLP) und Christel Bienstein (DBfK) in kurzen Impulsen aufgezeigt. Hier ging es ganz klar um die Themen Pflegekammer, Pflegeinitiative, Personalmangel und Lösungsmöglichkeiten. Die Impulsvorträge führten schnell zu Diskussionen und man konnte sich bei den Vortragenden über die Pro und Contra mancher Dinge, aber auch über den Erfolgsweg der Schweizer Pflegeinitiative erkundigen. Während auf der Bühne die internationalen Gäste ihre Länder repräsentierten, kam es auch im Publikum zu spannenden Impulsen, die auch durch sämtliche Vertretungen (ÖGKV, AK und Gewerkschaft) geprägt waren.

Das 14. Forum endete mit viel Energie und spannenden Gedankengängen, die aber hier nicht das Ende fanden. Die Pflegeutopie, wird in den nächsten Tagen weitergeführt und es kommt zu Arbeitsgruppen bzw. Workshops, die bereits in wenigen Wochen beginnen.

Fazit: Eine inhaltsreiche Veranstaltung, die wieder zeigt, wie wichtig es ist, wenigstens für 1 oder 2 Tage aus dem eigenen System zu entweichen, um sich neue Inspiration zu holen.

Zur Veranstaltungsseite: Business Circle Pflegemanagementforum

Zur Pflegeutopieseite: Pflegeutopie

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Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)