Auszeichnung für Pflegeinformatik-Arbeitsgruppe

Die Arbeitsgruppe „Informationsverarbeitung in der Pflege“ der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds) koordiniert und initiiert seit vielen Jahren Aktivitäten im Bereich der Pflegeinformatik.
Dieses Jahr erhielt die Arbeitsgruppe für ihre Aktivitäten den  „MI-Preis des Jahres 2017“ der gmds. Damit wird jedes Jahr eine besonders aktive und erfolgreiche Arbeits- oder Projektgruppe der gmds ausgezeichnet. Auf der gmds-Jahrestagung in Oldenburg wurde der Preis vom Fachbereichsleiter Prof. Ulrich Sax an die AG-Leitung überreicht (Foto).
Ein Arbeitsschwerpunkt der Arbeitsgruppe in 2017 war die Entwicklung und Veröffentlichung von Empfehlungen zur Ausbildung in Pflegeinformatik. Der zunehmende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen verlangt auch von Angehörigen der Pflegeberufe Kompetenzen zur Nutzung der entsprechenden Systeme und Verfahren. Vor diesem Hintergrund haben die gmds-Arbeitsgruppe, die Österreichische Gesellschaft für Pflegeinformatik (ÖGPI) und die Schweizerische Interessensgruppe Pflegeinformatik (IGPI) innerhalb des Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) gemeinsame Empfehlungen für benötigte Kernkompetenzfelder in Pflegeinformatik erarbeitet. In den Empfehlungen werden 24 Kernkompetenzen definiert und deren Relevanz für fünf typische Berufsfelder in der Pflege bewertet. Damit liegt erstmalig eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung für zu vermittelnde Kernkompetenzfelder in der Pflegeinformatik für verschiedene pflegerische Berufsfelder vor. Sie richtet sich an alle Personen mit Verantwortung für die Planung von Studium, Lehre, Aus- und Weiterbildung in der Pflege. Die Empfehlungen sind abrufbar unter https://www.egms.de/static/de/journals/mibe/2017-13/mibe000169.shtml.

Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe finden sich unter https://gmds.de/aktivitaeten/medizinische-informatik/arbeitsgruppenseiten/informationsverarbeitung-in-der-pflege/.

Tätigkeiten der Arbeitsgruppe:

Tätigkeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2016 – Übersicht

Die AG war in 2016 vorrangig mit der Erstellung der Empfehlungen zu Pflegeinformatik-Kompetenzen und zur Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich befasst. Ferner richtete sie eine Reihe von Veranstaltungen aus.

Empfehlungen zur Pflegeinformatik Aus- und Weiterbildung

Die AG befasst sich in 2015 und 2016 in erster Linie mit der Erarbeitung von Empfehlungen zum Auf- und Ausbau von Pflegeinformatik Kompetenzen in den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz (D-A-CH). Auf Basis einer umfassenden Literaturrecherche insbesondere internationaler Empfehlungen und auf dem Votum von Fachexperten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) wurden 24 notwendige Felder von Kernkompetenzen definiert. Diese Felder wurden für fünf typische Berufsfelder in der Pflege priorisiert. Insgesamt wurden 120 Experten aus Forschung und Lehre, von Einrichtungen des Gesundheitswesens und der IT-Hersteller aus allen drei Ländern aufgrund ihrer Expertise im Bereich der Pflegeinformatik ausgewählt und eingeladen. Darunter waren 64 Experten aus Deutschland, 36 aus Österreich und 20 aus der Schweiz. Die Befragung wurde in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Pflegeinformatik (ÖGPI) und der Schweizerischen Interessensgruppe für Pflegeinformatik (IGPI) durchgeführt. Die Befragungen fanden in der Zeit von April bis Dezember 2015 statt. Insgesamt beteiligten sich 87 Experten aus allen drei Ländern und aus den Bereichen Wissenschaft und Lehre, Praxis und IT-Industrie. Die Methodik, die zu den Empfehlungen führte, wurden als wissenschaftlicher Beitrag auf der HEC2016 vorgestellt (Egbert et al. 2016). Die Empfehlungen selbst wurden auf dem Jahresworkshop der AG durch die Mitglieder diskutiert und verabschiedet. Damit liegt erstmalig eine wissenschaftlich fundierte Empfehlung für zu vermittelnde Kernkompetenzfelder in der Pflegeinformatik für verschiedene pflegerische Berufsfelder vor. Sie richtet sich an alle Personen mit Verantwortung für die Planung von Studium, Lehre, Aus- und Weiterbildung in der Pflege. Diese Empfehlungen sollen in 2017 publiziert werden. Es wird erwartet, dass die Empfehlungen in entsprechend Fort- und Weiterbildungsangebote der Pflegeinformatik einfließen werden, wie z.B. den Universitätslehrgang Health Information Management, welcher 2017 an der UMIT in Hall in Tirol starten soll, oder in die Reakkreditierung der drei Pflegestudiengänge an der Hochschule Osnabrück, die alle ein verpflichtendes Modul in Pflegeinformatik besitzen.

Die Erarbeitung der Empfehlungen erfolgte in Zusammenarbeit mit dem internationalen Komitee der TIGER Initiative (Technology Informatics Guiding Education Reform – Hübner et al. 2016), deren Vorsitzende Ursula Hübner ist, und wurde im Rahmen des bmbf Projektes KeGL (Kompetenzentwicklung von Gesundheitsfachpersonal im Kontext des Lebenslangen Lernens) durchgeführt. Weitere Informationen zu KeGL finden sich unter: https://www.hs-osnabrueck.de/de/forschungsgruppe-informatik-im-gesundheits-wesen /forschungsprojekte/#c17888
Egbert N, Thye J, Liebe J, Schulte G, Hackl W, Ammenwerth E, Hübner U. An iterative methodology for developing national recommendations for nursing informatics curricula. Stud. Health Technol. Inf. 2016;228, 660-664.
Hübner U, Shaw T, Ball M. The TIGER Initiative. Hospital Healthcare Europe 2016, pp. 174-177. Available from: www.hospitalhealthcare.com

Beteiligung an der Internationalen Konferenz Nursing Informatics NI2016 in Genf

Die NI ist die weltweit größte Konferenz für Wissenschaftler, Pflegende und Industriepartner zum Austausch von Ergebnissen aus der angewandten und grundlagenorientierten Pflegeinformatik, die alle zwei Jahre an wechselnden Orten weltweit stattfindet. Sie wird durch die IMIA Special Interest Group Nursing Informatics (SIG NI) organisiert. Unter dem Thema „e-health for all: Every level of Collaboration – From Project to Realization“ wurden in Genf vom 25. bis zum 29. Juni 2016 Forschungensergebnisse zu IT-Implementierungen und Patientenoutcomes in der Akutpflege, Altenpflege und Präventionspflege vorgestellt. Auch in 2016 gab es eine gute Vertretung mit Beiträgen aus Deutschland und insbesondere von Mitgliedern der AG. Daniel Flemming nahm als deutscher Vertreter der SIG NI an der General Assembly teil und repräsentierte damit die GMDS. Anne-Marie Purohit stellte eine Vergleichsstudie von einem amerikanischen und deutschen Akutkrankenhaus bezüglich der organisatorischen, technischen und kulturellen Unterschiede in der Nutzung von Pflegeinformationssystemen dar. Ursula Hübner leitete den Workshop „Towards Implementing a Global Competency-Based Nursing and Clinical Informatics Curriculum: Applying the TIGER Initiative“ (Ko-autoren waren Marion Ball (USA), Heimar de Fátima Marin (Brasilien), Polun Chang (Taiwan), Marisa Wilson (USA), Christel Anderson (USA) und vertrat die TIGER Initiative auf dem Panel „Patient Engagement: Opportunities and Challenges for Nursing and Health Care Professionals“, das von Mervat Abdelhak (University of Pittsburgh USA) geleitet wurde.
Die rege deutsche Beteiligung zeigt, dass das Thema Pflegeinformatik in Deutschland und insbesondere in der GMDS angekommen ist. Es wird durch die GMDS AG Informationsverarbeitung in der Pflege vorangetrieben, entwickelt sich jedoch auch aus einer Reihe von anderen AGs und Forschungsgruppen.

 Veranstaltungen

Im Rahmen des conhIT Kongresses 2016 war die AG mitverantwortlich für die Session „Entbürokratisierung der Pflegedokumentation – Herausforderungen und Lösungsansätze – nicht nur in der Langzeitpflege“. Die Session war sehr gut besucht und der Vortrag „Entbürokratisierung der Pflegedokumentation im klinischen Setting“ von Herrn Dahlmann wurde von den Kongressbesuchern unter die besten Kongress-Vorträge gewählt. Der Vortrag von Herrn Dahlmann ist auf der YouTube Plattform unter https://www.youtube.com/watch?v=UNaCG3TLejo verfügbar.

Die AG beteiligte sich des Weiteren an der Gestaltung des Workshops des Netzwerkes Versorgungskontinuität in der Region Osnabrück e.V.. Unter dem Motto „Auf dem Weg zu einem Wundregister?!“ wurden am 3.11.2016 im Klinikum Osnabrück Aspekte der IT-unterstützten Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden vorgestellt und diskutiert. Zentrales Thema bildete die Nutzung der elektronischen Wunddokumentation im Rahmen eines Registers und dessen Bedeutung für Versorgung, Wissenschaft und Planung. Weitere Informationen finden sich unter: https://www.hs-osnabrueck.de/de/netzwerk-versorgungskontinuitaet/workshops

Mitglieder der AG waren als Mitglieder im wissenschaftlichen Beirats aktiv an der Vorbereitung der ENI 2017, der 9. Wissenschaftlichen Konferenz für Informationsveranstaltung im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich beteiligt (https://kongress-eni.eu/). Die ENI 2017 wird vom 14. – 15. September 2017 an der UMIT in Hall in Tirol statt finden.

 AG-Jahressitzung

Die Jahressitzung fand am Dienstag, dem 30.08.2016, 11:00 Uhr – 12:30 Uhr (im Rahmen der HEC2016) in München statt. Es wurden die Arbeiten zu den Pflegeinformatik Empfehlungen der GMDS AG Informationsverarbeitung in der Pflege vorgestellt, diskutiert und verabschiedet. Die Internetseite (https://www.nursing-informatics.de/) der AG pflegte und pflegt Daniel Flemming (München).

 Kooperationen

  • Im Rahmen der conhIT ist die GMDS-AG durch Björn Sellemann (Universitätsmedizin Göttingen) im conhIT Kongressbeirat vertreten.
  • Die schon seit Jahren bestehende fruchtbare Kooperation mit dem Bundesverband Pflegemanagement wurde auch in 2016 fortgesetzt. Aktuell plant der Bundesverband Pflegemanagement eine neue Broschüre für die Pflegedirektionen zum Themenbereich elektronische Dokumentation. Die GMDS-AG unterstützt dabei den Bundesverband Pflegemanagement in bewährter Weise aus wissenschaftlicher Perspektive.
  • Die GMDS-AG ist weiterhin im Beirat des elektronischen Gesundheitsberufe Registers (eGBR) durch Georg Schulte (HS Osnabrück/Klinikum Osnabrück) vertreten. Das eGBR wird durch das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ztg.nrw) betreut.

 Geplante Aktivitäten

Die auf der Jahressitzung 2014 beschlossen und auf der Jahressitzung 2016 vorgestellten Empfehlung zur Weiterbildung in der Pflegeinformatik sollen in 2017 veröffentlicht werden. Ferner wird die ENI2017 (European Nursing Informatics) Konferenz unter der Federführung von Elske Ammenwerth in Hall/Tirol organisiert. Eine Reihe von AG Mitgliedern sind im wissenschaftlichen Beirat der ENI tätig.

Folgende Publikationen sind geplant:

Ursula Hübner, Nicole Egbert, Werner Hackl, Martin Lysser, Georg Schulte, Johannes Thye, Elske Ammenwerth und Mitglieder der GMDS AG Informationsverarbeitung in der Pflege, der ÖGPI und der IGPI „Welche Kernkompetenzen in Pflegeinformatik benötigen Angehörige von Pflegeberufen in den D-A-CH Ländern? Eine Empfehlung der GMDS, der ÖGPI und der IGPI“ Einreichung geplant in der MIBE
Nicole Egbert, Johannes Thye, Werner Hackl, Maria Müller Staub, Martin Lysser, Elske Ammenwerth, Ursula Hübner “Competencies for nursing in a digital world – Methodology, results and use of national recommendations for nursing informatics core competency areas in Germany, Austria and Switzerland“ Einreichung geplant in Informatics for Health and Social Care

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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