AT: Zellhofer: „Keine Euphorie, angebliche Pflegereform nur eine weitere Ankündigung!“

Josef Zellhofer
(C) Josef Zellhofer

Wenn man in Zukunft ein qualitativ hochwertiges Pflegesystem haben will, muss man alle Berufsgruppen mitdenken

„Lange hat die Pflege darauf gewartet, dass die Politik endlich etwas tut, um den Pflegenotstand abzuwenden. Doch das, was nun seit letztem Donnerstag auf dem Tisch liegt, ist enttäuschend“, sagt Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB ARGE- Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe (ÖGB/ARGE- FGV).

„Zuallererst ist es befremdend, eine angebliche Pflegereform zu starten, ohne den gehobenen Pflegedienst, und damit mehr als 100.000 Kolleg*innen, einzubeziehen. Denn an sinnvollen Vorschlägen mangelt es nicht. Spätestens seit der Roadmap der Offensive Gesundheit, liegen sie fertig auf dem Tisch. Stattdessen wird, nachdem wir jahrzehntelang dafür gekämpft haben, den Pflegeberuf zu Recht zu akademisieren, nun eine Pflegelehre eingeführt. Gegen den Widerstand von Gewerkschaften und ExpertInnen.“

„Bleibt noch der angekündigte monatliche Gehaltsbonus. Nett, aber ein Tropfen auf den heißen Stein!“, so Zellhofer kritisch. „Die Auszahlung ist auf die kommenden zwei Jahre beschränkt. Doch was passiert danach? Um den Pflegeberuf langfristig attraktiver zu machen, brauchen wir aber nachhaltige Lösungen! Sowohl bei der Bezahlung als auch bei den Arbeitsbedingungen und den Pensionen. Ein wichtiger Forderungspunkt der Gewerkschaften, dass die Schwerarbeit der Pflege, auch ihren Niederschlag bei der Pension finden muss, wurde erneut vollständig ausgeklammert.“

„Ein Schritt in die richtige Richtung ist sicherlich,“ so Zellhofer, „dass Kolleg*innen, für Nachtdienste in Zukunft ein 2-stündiges Zeitguthaben erhalten, sowie die Ankündigung in Zukunft Pflegende Angehörige besser zu unterstützen. Die angekündigten Zuschüsse und Stipendien begrüße ich, allerdings bezweifele ich, dass sie für Ausbildungen des gehobenen Dienstes ausreichend sein werden, um in Zukunft ausreichend Kolleg*innen für die Gesundheitsberufe (Gesundheits- und Krankenpfleger, MTDs und Hebammen) begeistern zu können. Dafür braucht es ebenso zukunftsorientierte Ausbildungskonzepte, Kompetenzerweiterungen, Spezialisierungen, sowie ein durchgängiges Ausbildungssystem von der Pflegeassistenz bis zum Doktorat in Pflegewissenschaften.“

„Natürlich ist die nachhaltige Finanzierung der Pflege ein wichtiges Kriterium,“ bekräftigt Zellhofer, „doch in Zukunft verstärkt auf Assistenzberufe zu setzen, wie die Bundesregierung das anscheinend vorhat, halte ich für fragwürdig. Die angekündigte Kompetenzerweiterung der Pflegefachassistenz als auch der Pflegeassistenz, wird man sich in der Praxis genau ansehen müssen! Wenn man in Zukunft ein qualitativ hochwertiges Pflegesystem haben will, muss man alle Berufsgruppen mitdenken und wird um sinnvolle Investitionen in den gehobenen Dienst nicht herumkommen. Anstatt dessen einfach eine zusätzliche, fragwürdige Ausbildung, wie die Pflegelehre einführen, ist sicherlich der falsche Weg!“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)