AT: Zahl der Demenzerkrankungen steigt an – AK-Kalliauer fordert Berücksichtigung bei Personalbemessung und beim Pflegegeld

Linz (OTS) – Immer mehr Menschen in Oberösterreich leiden an Demenz. Während gerade zum Weltalzheimertag am 21. September das Interesse an Prävention und medizinischer Behandlung immer größer wird, fehlen konkrete Verbesserungen hinsichtlich Pflegebedarf und Pflegegeld. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert daher, das Pflegegeld neu zu bemessen und die Aufgaben in der Demenzarbeit neu zu bewerten – vor allem im Krankenhaus, denn auch dort werden die Herausforderungen immer größer.

In Österreich leben derzeit über 100.000 Menschen mit Demenz. 2050 werden es sogar 250.000 Personen sein. In Oberösterreich sind nach Berechnung der OÖGKK über 21.000 Menschen mit der Diagnose Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz konfrontiert. Einschätzungen zeigen, dass sich deren Zahl alle 20 Jahre verdoppelt. Rund 80 Prozent der Betroffenen werden derzeit zu Hause betreut.

Aktuelle Studien der AK verdeutlichen, dass viele Berechnungsmodelle für die Pflege das Thema Demenz noch viel zu wenig berücksichtigen. So schätzen z.B. in der Krankenhausstudie der AK 85 Prozent der Befragten über ein Drittel der Patienten/-innen in Krankenhäusern als dement ein. Aktuelle österreichische Erhebungen zeigen, dass in internen Abteilungen der Anteil sogar bei über 50 Prozent liegt.

Die (Begleit)diagnose Demenz hat massive Auswirkungen auf die Arbeit in allen Einrichtungen, auch im Krankenhaus. Viele Begleiterscheinungen wie Verwirrtheit, aggressives Verhalten, mangelnde Einsichtigkeit, eingeschränkte Merkfähigkeit etc. wirken sich auf die Pflege- und Therapieleistungen aus. Aber auch die Begleitung der Angehörigen – speziell von dementen Patienten/-innen – fordert Zeit.

Demenz kann den üblichen (Arbeits)alltag auf den Kopf stellen. So können beispielsweise hell beleuchtete Zimmer oder Gänge ohne Farbkontraste oder die weiße, nur schwer unterscheidbare Arbeitskleidung der Beschäftigten bei dementen Patienten/-innen Angst und Verwirrung auslösen. Dies kann dazu führen, dass Patienten/-innen unruhig werden, sich lebensnotwendige Schläuche herausreißen oder aggressiv werden. Ein typischer Fall: eine Patientin mit Demenz wird auf ein Standard-Röntgen vorbereitet. Während die nötigen Vorbereitungen getroffen werden, hat die Patientin den Röntgentisch bereits wieder verlassen und will zurück in ihre Station. Sie muss im Haus gesucht und zum Röntgen „überredet“ werden. In speziellen Schulungen lernen Pflegekräfte den würdevollen Umgang mit Patienten/-innen mit Demenz. In der Praxis fehlt laut den Befragten aber häufig die Zeit, um bei dementen Patienten/-innen für Ruhe, Sicherheit und Vertrautheit zu sorgen.

Entlastungen für Betroffene und pflegende Angehörige

Aktivitäten wie eine nationale Demenzstrategie oder Projekte in Einrichtungen sind begrüßenswert, decken aber die heutigen und künftigen Anforderungen kaum ab. AK-Präsident Kalliauer fordert daher ein Maßnahmenbündel, um Oberösterreich bestmöglich auf immer mehr Menschen mit Demenz vorzubereiten. Ein Demenzzuschlag von 25 Stunden im Monat beim Pflegegeld ist hier nur ein erster, kleiner Schritt. Herausforderungen wie Unplanbarkeit des Tagesablaufes, Betreuung in der Nacht, Zeit für Gespräche und Ermunterung (z.B. zur Essensaufnahme) müssen noch viel mehr berücksichtigt werden – bei der Personalbemessung in Alten- und Pflegeheimen, bei mobilen Versorgern und in den Krankenhäusern.

Gleichzeitig braucht es einen massiven Ausbau von Sachleistungen wie Beratungsstellen für Demenz, betreute Wohnformen, Tageszentren, Demenz-Wohngruppen, die eine echte Wahlmöglichkeit für Betroffene und ihre Angehörige schaffen. Notwendig sind auch Maßnahmen, die pflegende Angehörige stärken, wie ein Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und geeignete Unterstützungs- und Auszeitmodelle. Die steigende Zahl Demenzkranker darf nicht zu einer weiteren Mehrbelastung von Angehörigen führen.

AK-Präsident Kalliauer bekräftigt daher seine Forderung an Landeshauptmannstellvertreterin und Gesundheitslandesrätin Haberlander, eine Strategiegruppe für die Krankenhäuser einzurichten, um Herausforderungen wie Demenz gemeinsam zu meistern.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen