AT: Wundinfektion nach Hautkrebsoperationen

Erste Studie in der täglichen Praxis eines Krankenhauses

OA Dr. Gerald Exler, Mag.a (FH) Sabine Arbacher, Dr. Stefan Meusburger, MSc (Fotos: Ordensklinikum Linz GmbH, Stefan Zauner)

inz (OTS) – Wundinfektionen nach Operationen zählen zu den meist gefürchteten medizinischen Komplikationen. Dies war Anlass, um an der Abteilung für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen die 1. Studie zu Wundinfektion nach operativen dermatologischen Eingriffen in der täglichen Praxis eines Kran-kenhauses zu initiieren. Nach fünf Jahren der Verlaufsbeobachtung an mehr als 3.000 Patientinnen und Patienten liegen nun die Ergebnisse vor.

Allgemeine Zahlen über Infektionen nach operativen Eingriffen schwanken zwischen 0,5 und 10 Prozent. Über postoperative Infektionen nach Hautkrebserkrankungen gab es in Österreich bisher keine lückenlos erfassten Daten. Zudem nimmt die Zahl von Patienten, vor allem im hohen Alter, mit unterschiedlichen Formen von Hautkrebs, kontinuierlich zu.

Dies war Anlass, um an der Abteilung für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen die 1. Studie zu Wundinfektion nach operativen dermatologischen Eingriffen in der täglichen Praxis eines Krankenhauses zu initiieren. Jährlich werden an dieser Abteilung, die von Prim. Univ. Prof. Dr. Norbert Sepp geleitet wird, 3.600 Operationen, ca. die Hälfte ambulant, durchgeführt. Zwischen 2014 und 2018 wurden für die Studie 3.001 Patienten eingeschlossen. Bei lediglich 52 Patienten bzw. 1,73 Prozent wurden Wundinfekte festgestellt.

„Die Überwachung der Wundinfektionen ist eine der Kernindikatoren eines Krankenhauses.Das Ergebnis der Studie zeigt, dass wir hier im dermatologisch operativen Bereich sehr gut liegen und unseren Patienten Versorgung auf hohem Niveau bieten. Und dass hier methodisch sauber gearbeitet wird. Uns liegt nun eine auf einer großen Datenmenge basierende Studie vor, die es für diesen Bereich bisher nicht gab. Wir werden die Studie in dieser Qualität fortführen, evaluieren und auch weiterhin auf Transparenz setzen“, sagt der medizinische Geschäftsführer Dr. Stefan Meusburger.

Auch international geht der Trend in diese Richtung – solche Daten im Sinne der Qualitätssicherung zu erheben. Beispielsweise wird dies in Universitätskliniken in den USA und Kanada (John Hopkins Hospital in Baltimore oder University of Alberta Hospital) bereits seit Jahrzehnten praktiziert. Auch hier ist laut Publikationen durch die Erhebung der Daten von chirurgischen Eingriffen und deren stetiger Evaluierung die tatsächliche Wundinfektionsrate gesunken.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

„Direkt nach der Operation füllt der Operateur eine Checkliste über den durchgeführten Eingriff aus. Im Sinne der größtmöglichen Objektivität wird die weitere Beobachtung der Wunde nicht vom Operateur selbst beurteilt, sondern von einer unabhängigen und diplomierten Pflegekraft beim Verbandwechsel auf der Station. Bei mehreren Wunden wurde jeweils die schlechteste herangezogen“, erklärt Mag. Sabine Arbacher, Leitung Qualitätsmanagement am Ordensklinikum Linz Elisabethinen, die die Auswertung durchgeführt hat. „Für uns steht hier klar die Ergebnisqualität im Vordergrund.“

Die Narbe und ihre Umgebung wurde gemäß einer dreigeteilten Skala beurteilt:
+ eine blande (reizlose) Wunde
+ eine nicht blande Wunde, aber auch nicht infektiöse Wunde
+ eine Infektion. Es ist eine Therapie mit Antibiotika notwendig und der stationäre Aufenthalt verlängert sich dadurch.
Von 3.001 Patienten waren bei 88,8 Prozent die Narben bland und vollkommen unauffällig.

Erkenntnisse aus der Studie:

„Unser Ziel war es, über postoperative Wundinfektionen im dermatologischen Umfeld zu lernen und ihre Anzahl zu reduzieren. Dies ist uns basierend auf den kontinuierlich durchgeführten Auswertungen sehr gut gelungen. Somit konnten wir die eigene Leistung reflektieren, laufend Maßnahmen ableiten und in den Arbeitsalltag integrieren. Es hat sich im Laufe der Studie eine Besserung der Kennzahl gezeigt“, sagt OA Dr. Gerald Exler, Facharzt Abteilung für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.

Die teilnehmenden Patienten spiegelten die klassische Altersverteilung auf einer dermatologisch-chirurgischen Station wider: Mehr als 90 Prozent der Patienten waren über 65 Jahre alt, das Geschlechterverhältnis überwog leicht zugunsten der männlichen Patienten.

Die meisten Infektionen gab es in der Gruppe der 80- bis 90-Jährigen, während die sieben Patienten über 100 Jahre alle vollkommen blande Narben hatten. Es wurde ca. viermal so oft der Weiße Hautkrebs (Basal- bzw. Plattenepithelcarzinom) im Vergleich zum Schwarzen Hautkrebs (Melanom) operiert.

Wobei die Melanome eine sehr geringe Anzahl an Infektionen zeigten, während bei Plattenepithelkarzinomen statistisch gesehen häufiger Infektionen auftraten. Das Basaliom nahm eine Mittelstellung ein.

„Vor allem ist aus den Aufzeichnungen klar zu erkennen, dass die Zahl derer rasant steigt, die an einem Basal- bzw. Plattenepithelcarzinom erkranken. Dies ist auf die höhere Lebenserwartung und auf die veränderte Freizeitgestaltung mit erhöhter Sonneneinwirkung auf die Haut erklärbar“, so OA Dr. Exler.

„Bestärkt durch die Ergebnisse dieser Studie und im Sinne unseres Qualitätsmanagements wird die systematische Untersuchung von postoperativen Wundinfekten an der Dermatologischen Abteilung des Ordensklinikum Linz Elisabethinen als permanente Einrichtung weitergeführt. Die unabhängige Beurteilung durch nicht in die OP einbezogenes Fachpersonal bleibt erhalten. Für nach der Entlassung auftretende Infektionen wurde ein Recall-System eingeführt. Unser Ziel ist es weiterhin, mehr über die Ursachen postoperativer Wundinfektionen im dermatologischen Umfeld zu lernen und ihre Anzahl kontinuierlich zu reduzieren“, sagt OA Dr. Exler.

Markus Golla
Über Markus Golla 4360 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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