AT: Würde und Trost für Obdachlose

Das Vinzenzstüberl organisiert Seelsorge und Begräbnisbegleitung

Seit 19 Jahren finden Obdachlose im Vinzenzstüberl des Ordensklinikums Linz Barmherzigen Schwestern Helfer, die sie in ihrer schwierigen Lage annehmen…

Es sind manche schwierige Zeitgenossen darunter. Aber jeder davon ist ein Mensch. Und jeder Mensch hat ein Recht auf jemandem, der ihm zuhört, Trost spendet, ihn als Person annimmt. Diese Würde macht uns erst vom Lebewesen zum Menschen – Schwester Tarcisia Valtingoer, Leiterin Vinzenzstüberl

Egal ob warmes Essen, medizinische Betreuung, Körperpflege oder Kleidungsausgabe – Schwester Tarcisia und ihr Team stehen tagtäglich mit Rat und Tat bereit. Nach einer Probephase gibt es nun auch Hilfe für die Seele und Begleitung auf dem letzten Weg: Die Obdachlosenseelsorge nimmt sich jener an, denen unsere Gesellschaft oft keine Würde mehr zugesteht.

Bis zu 180 unfreiwillige Gäste hat das Vinzenzstüberl im Ordensklinikum Barmherzigen Schwestern täglich. Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, kein Zuhause haben, oft mit Alkoholproblemen kämpfen oder nach Krisen nicht mehr den Weg zurück ins Leben finden.

„Es sind manche schwierige Zeitgenossen darunter. Aber jeder davon ist ein Mensch. Und jeder Mensch hat ein Recht auf jemandem, der ihm zuhört, Trost spendet, ihn als Person annimmt. Diese Würde macht uns erst vom Lebewesen zum Menschen“, ist Schwester Tarcisia Valtingoer, die Leiterin des Vinzenzstüberls, überzeugt. Ein prägendes Erlebnis ließ sie für „ihre Kunden“ aktiv werden. „Ich war mehrmals auf Begräbnissen von Menschen, die oft jahrelang hier im Vinzenzstüberl zu Gast waren. Immer wieder hat mich entsetzt, wie trost- und würdelos selbst der letzte Akt eines schon belasteten Lebens abläuft. Ich wollte das unbedingt ändern“, erzählt die Ordensfrau. Allein unter den Besuchern ihrer Einrichtung versterben etwa 12 bis 15 der ihr bekannten Obdachlosen jährlich, etwa ein Viertel davon nimmt sich das Leben. Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Mag. Michaela Haunold von der Caritas fand sie im Dekanat Linz Unterstützer. Auch dort war das Problem, dass viele Verstorbene  keine Angehörigen haben oder oft kein Brücken mehr zu Familie und Freunden bestehen, nur allzu gut bekannt.

Die Nachfrage nach Gesprächen ist sehr groß. Oft geht es um aktuell belastende Situationen und Leiderfahrungen. Viele stellen die Sinnfrage, reflektieren Hoffnungen und Enttäuschungen. – Theologe Dr. Helmut Eder

Projekt Obdachlosenseelsorger Linz Mitte
Ein Projekt wurde initiiert und mit dem Theologen Dr. Helmut Eder ein tatkräftiger erfahrener Obdachlosenseelsorger gefunden: Seit einem halben Jahr ist dieser nun schon in der Wärmestube der Caritas, im Of(f)enstüberl, beim HELPmobil und an anderen Obdachlosenhotspots aktiv. Jeder Montagnachmittag gehört den Menschen im Vinzenzstüberl. „Die Nachfrage nach Gesprächen ist sehr groß. Oft geht es um aktuell belastende Situationen und Leiderfahrungen. Viele stellen die Sinnfrage, reflektieren Hoffnungen und Enttäuschungen. Aber auch mit tiefer Spiritualität und Glaubensthemen beschäftigen sich viele, bei denen man es auf den ersten Blick überhaupt nicht vermuten würde. Advent, Weihnachten oder Ostern – unsere christlichen Hochfeste, an denen wir uns auf Leid, Hoffnung und Menschlichkeit besinnen -, lassen natürlich auch jene am Rand der Gesellschaft nicht kalt. Jeder will wahrgenommen werden, hofft, dass etwas von ihm in Erinnerung bleibt“, so seine Erfahrungen.

So wurde nun auch für die Armenbegräbnisse ein würdiger Rahmen gefunden. Im Vinzenzstüberl werden die Besucher täglich registriert. So fällt es schnell auf, wenn Stammgäste plötzlich nicht mehr erscheinen. Sr. Tarcisia beginnt dann nachzuforschen, fragt unter ihren Gästen und im Helfernetzwerk nach.  Gar nicht so selten steht eine Todesnachricht am Ende der Recherche, ist einer ihrer Schützlinge irgendwo einsam verstorben. Gemeinsam mit Helmut Eder werden dann die Begräbnisformalitäten mit dem Linzer Magistrat geklärt und eine individuelle Verabschiedungsfeier gemeinsam mit einem Pastoralassistenten geplant. Durch verstärkte Information finden sich Bekannte und Freunde der Verstorbenen ein. Auch Vertreter des Vinzenzstüberlteams sind als Begräbnisbesucher dabei. Es ist ein einfacher, aber mit Würde und Einfühlungsvermögen gestalteter letzter Weg. Menschlichkeit, die von tatkräftiger Hilfe an den Lebenden bis über den Tod hinausreicht.

Ich war mehrmals auf Begräbnissen von Menschen, die oft jahrelang hier im Vinzenzstüberl zu Gast waren. Immer wieder hat mich entsetzt, wie trost- und würdelos selbst der letzte Akt eines schon belasteten Lebens abläuft. Ich wollte das unbedingt ändern – Schwester Tarcisia Valtingoer, Leiterin Vinzenzstüberl

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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