AT: Wirtschaftliche Unsicherheit nach Covid und Ukraine-Konflikt: Der Friedenswert sinkt auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren

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Heute wird die 16. Ausgabe des Global Peace Index (Weltfriedens-Index) des internationalen Think-Tanks Institute for Economics & Peace (IEP) vorgestellt.

Wichtigste Ergebnisse

· Die Todesfälle durch externe Konflikte verzeichneten aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine eine starke Verschlechterung.

· Trotz der jüngsten Ereignisse hat sich die Militarisierung in 113 Ländern seit 2008 verbessert.

· Der Wert beim Terrorismus verbesserte sich weiter, 70 Länder verzeichneten 2021 keine Angriffe. Das ist das beste Ergebnis seit 2008.

· Der Anstieg der Kosten hat die Ernährungsunsicherheit und die politische Instabilität weltweit erhöht, wobei Afrika, Südasien und der Nahe Osten am stärksten bedroht sind.

· Dir Kriterien politischer Terror, politische Unsicherheit, Beziehungen zu den Nachbarländern, Flüchtlinge und Binnenvertriebene erreichten ihre schlechtesten Werte seit Beginn des GPI.

· Die weltweiten wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt betrugen im Jahr 2021 16,5 Billionen USD, was 10,9 % des weltweiten BIP entspricht, oder 2.117 USD pro Person.

Auswirkungen des Kriegs gegen die Ukraine auf die Frieden

· Zwei der fünf Länder mit der größten Verschlechterung beim Frieden waren Russland und die Ukraine.

· Die sozialen Medien verändern die Art und Weise, wie Informationen gesammelt werden – sie werden jetzt sofort, roh und mit sehr wenig Analyse geteilt.

· Im Gegensatz zum internationalen Trend stieg die positive Stimmung in der Ukraine im Jahr 2021. Die Unterstützung für den Westen war stark. 58 % wollten einer westlichen Wirtschaftsunion beitreten und 54 % unterstützten den Beitritt zur NATO.

Die 16. Ausgabe des jährlichen Global Peace Index (GPI)-Berichts, dem weltweit führenden Maß für den Frieden weltweit, zeigt, dass sich das durchschnittliche Niveau des Weltfriedens im Jahr 2021 um 0,3 % verschlechtert hat. Dies ist die elfte Verschlechterung der Friedfertigkeit in den letzten vierzehn Jahren, wobei sich 90 Länder verbessern und 71 verschlechtern, was deutlich macht, dass sich Länder viel schneller verschlechtern als verbessern.

Island ist nach wie vor das friedlichste Land, wie bereits seit 2008. Ihm folgen Neuseeland, Irland, Dänemark und Österreich an der Spitze des Index. Zum fünften Mal in Folge ist Afghanistan das am wenigsten friedliche Land, gefolgt von Jemen, Syrien, Russland und dem Südsudan. Sieben der zehn Länder an der Spitze des Weltfriedens-Index befinden sich in Europa, und die Türkei ist das einzige Land in dieser Region, das außerhalb der oberen Hälfte des Index rangiert.

Zwei der fünf Länder mit der größten Verschlechterung des Friedens waren Russland und die Ukraine, ihnen folgen Guinea, Burkina Faso und Haiti. All diese Verschlechterungen sind auf anhaltende Konflikte zurückzuführen.

Von den 23 Indikatoren im GPI wurden die größten Verschlechterungen bei den Beziehungen zu den Nachbarländern, der Intensität interner Konflikte, Flüchtlingen und Binnenvertriebenen, dem Ausmaß des politischen Terrors und der politischen Instabilität verzeichnet. 28 Länder weisen eine hohe Instabilität auf, und zehn Länder verzeichneten die schlechteste politische Terrorbewertung.

Die internationale Ungleichheit beim Frieden hat weiter zugenommen. Seit 2008 haben sich die 25 am wenigsten friedlichen Länder im Durchschnitt um 16 % verschlechtert, während sich die 25 friedlichsten Länder um 5,1 % verbesserten. Seit 2008 ist in 116 Ländern die Mordrate gesunken.

Die Kosten von Gewalt für die Weltwirtschaft betrugen 16,5 Billionen USD oder 10,9 % des weltweiten BIP, was umgerechnet 2.117 USD pro Person entspricht. Bei den zehn von Gewalt am stärksten betroffenen Ländern entsprachen die durchschnittlichen wirtschaftlichen Auswirkungen 34 % des BIP, verglichen mit 3,6 % in den am wenigsten betroffenen Ländern.

Erhebliche Verbesserungen gab es bei mehreren Indikatoren, unter anderem bei den Auswirkungen des Terrorismus, nukleare und schwere Waffen, Todesfälle durch interne Konflikte, Militärausgaben, Inhaftierungsraten und Wahrnehmung von Kriminalität. Die Auswirkungen des Terrorismus befinden sich auf dem niedrigsten Niveau seit der Gründung des Weltfriedens-Index.

Steve Killelea, Gründer und Vorstandsvorsitzender des IEP, erklärte: „Letztes Jahr haben wir vor den wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 gewarnt. Wir erleben jetzt Versorgungsengpässe, steigende Inflation und Ernährungsunsicherheit, die durch die tragischen Ereignisse in der Ukraine noch verstärkt wurden. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen davon werden noch viele Jahre nachwirken.“

„In Kombination mit den Rekordwerten für die Nachbarschaftsbeziehungen, die politische Unsicherheit und die Intensität interner Konflikte müssen Regierungen, Unternehmen und Machthaber die Macht des Friedens nutzen.“

„Der wirtschaftliche Wert des verlorenen Friedens ist 2021 auf ein Rekordniveau gestiegen. Es ist notwendig, diesen Trend umzukehren, und der Weltfriedens-Index hat gezeigt, dass jene Länder, die solche Einstellungen, Institutionen und Strukturen umsetzen, die friedliche Gesellschaften aufbauen und erhalten, ein besseres wirtschaftliches Ergebnis vorweisen konnten.“

Militarisierung und der Krieg in der Ukraine

Die Militärausgaben als Prozentsatz des BIP sanken in 94 Ländern, während 112 Länder seit 2008 ihr Militärpersonal reduziert haben. Der Ukraine-Russland-Konflikt und der potenzielle Anstieg der Militärausgaben der NATO-Länder auf 2 % des BIP könnten jedoch in den kommenden Jahren zu Verschlechterungen führen. Unabhängig von diesem Konflikt plant China, seine Militärausgaben im Jahr 2022 um 7,1 % zu erhöhen.

Der Optimismus in Bezug auf die Zukunft war auf dem Vormarsch und dreimal so viele Menschen wie noch 2019 hatten das Gefühl, dass eine sehr gute Zukunft auf sie wartet. Überraschenderweise waren nur 20 % der Meinung, dass ihre Regierung eine Katastrophe bewältigen kann. Im Gegensatz dazu sank der Anteil der Russen, die sich sicherer fühlten als vor fünf Jahren, zwischen 2019 und 2021, während fast dreimal so viele Russen sich Sorgen um die Wirtschaft machten*.

Auch wenn die Auswirkungen des Ukraine-Russland-Krieges immer noch in vollem Umfang spürbar sind, hatte er bereits einen erheblichen Einfluss auf den Index. In vielen europäischen Ländern in der Nähe Russlands haben sich die Beziehungen zu den Nachbarn verschlechtert, darunter Finnland, Schweden, Rumänien, Estland, Lettland, Litauen und Moldawien.

Der Krieg hat die Bedeutung der Technologie bei der Konfliktgestaltung unterstrichen: 5G-Mobilfunktechnologie, die Revolution der sozialen Medien und die größere Erschwinglichkeit von Drohnen haben die Kriegsführung verändert. Die jüngsten Konflikte zeigen eine Abkehr von statischen, ausgewählten Informationen hin zu einer Sammlung von Informationen, die in Echtzeit über soziale Medien weitergegeben werden. Die Informationen sind stets verfügbar, inhaltsgesteuert und werden in einem unzensierten Rohformat geteilt.

Weltwirtschaft und Anstieg gewalttätiger Demonstrationen

Die COVID-19-Pandemie hat viele Länder in wirtschaftliche und politische Krisen getrieben. Länder, die zunehmend friedlicher geworden waren, erlebten Ausbrüche an Protesten und Gewalt, die auf den Umgang der Regierungen mit der Pandemie abzielten.

Die Intensität der gewaltsamen Demonstrationen ist seit 2008 um 49 % gestiegen, wobei sich 126 der 163 Länder im Index verschlechterten. Das ist ein weltweiter Trend, der alle Regionen der Welt außer MENA betrifft. Vollständige Demokratien verzeichneten die stärkste Verschlechterung bei den gewalttätigen Demonstrationen, aber die Punktzahl der vollständigen Demokratien ist immer noch besser als bei jeder anderen Art von Regierung.

In Südasien wird die höchste Häufigkeit und Intensität an gewalttätigen Demonstrationen verzeichnet. In Indien, Sri Lanka, Bangladesch und Pakistan liegen die Werte hier auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen durch den GPI. In Europa gab es weit verbreitete Anti-Lockdown-Proteste, insbesondere in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Kroatien und Großbritannien. Ähnlich sind die Entwicklungen auch in Nordamerika.

Konflikt und Vertreibung

Anhaltende Konflikte verzeichnet mit 9,3 % seit 2008 die größte Verschlechterung in den drei GPI-Hauptbereichen. Die Zahl der Länder, die gewaltsame interne Konflikte erleben, ist von 29 auf 38 gestiegen, aber die Zahl der in internen Konflikten getöteten Menschen ist seit 2017 gesunken. Die Zahl der Zwangsvertriebenen ist weltweit von 31 Millionen im Jahr 2008 auf über 88 Millionen im Jahr 2022 angestiegen.

Es gibt 17 Länder, in denen mindestens 5 % der Bevölkerung entweder Flüchtlinge oder Binnenvertriebene sind. Im Südsudan wurden über 35% der Bevölkerung vertrieben, in Somalia und der Zentralafrikanischen Republik sind mehr als 20 %.

Übersicht nach Regionen:

· Russland und Eurasien erlebten die größte Verschlechterung der Friedfertigkeit. Das ist auf die Verschlechterung der Zahl der Todesfälle in Konflikten, Flüchtlinge und Binnenvertriebene, die politische Instabilität und den politischen Terror zurückzuführen.

· Südasien bleibt die zweitfriedlichste Region, verzeichnete dank Verbesserungen bei den anhaltenden Konflikten aber den größten Anstieg der Friedfertigkeit.

· Die Region Asien-Pazifik verzeichnete eine Zunahme der Friedfertigkeit, die auf Verbesserungen in allen drei GPI-Bereichen zurückzuführen ist, wobei die größten Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit und Gefahrenabwehr verzeichnet werden. In Nordamerika hatten die USA das niedrigste Maß an Frieden seit 2008, wofür zivile Unruhen der Hauptgrund waren.

· In Mittelamerika und der Karibik stieg die Gewaltkriminalität im Jahr 2022 um 4,4 % auf den höchsten Stand seit 2008. Haiti verzeichnet die größte Verschlechterung in der Region.

· Die MENA-Region verzeichnete weltweit die zweitgrößte Verbesserung. Der Jemen ist zum zweiten Mal in Folge das am wenigsten friedliche Land in der Region. Libyen verzeichnete weltweit die größte Verbesserung des Friedens.

· Afrika südlich der Sahara verzeichnete eine Verschlechterung um 1 %. Der Südsudan bleibt trotz einer allgemeinen Verbesserung das am wenigsten friedliche Land in der Region. Obwohl die Zahl der internen Konflikte im Land weiterhin hoch ist, hat sich die Zahl der Todesfälle durch interne Konflikte um 15 % verbessert.

Für weitere Informationen und zum Download des Weltfriedens-Index 2022 besuchen Sie visionofhumanity.org und economicsandpeace.org

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)