AT: „Wir hören täglich, was die Menschen sich wünschen, doch ihre Bedürfnisse werden (wieder) nicht gehört“

Kerstin Marchner, DGKP und Leitung des BestCare 24-Netzes

„Im Grunde lassen sich fast alle Gespräche mit unseren Klient*innen auf zwei Wünsche zusammenfassen: 1.) Sie wollen, (so lange wie möglich) zu Hause bleiben dürfen. 2.) Sie haben Angst, ihre Angehörigen finanziell und persönlich zu überlasten. So einfach diese Wünsche auch klingen, sie scheinen durch die anstehende Pflegereform – wieder – nicht in Erfüllung zu gehen“, ist die langjährige DGKP und Qualitätsmanagerin in der 24-h-Betreuung, Kerstin Marchner, enttäuscht. In der Praxis müssen Betroffene die Betreuung ihrer Angehörigen an Billig-Agenturen auslagern oder diese in einer stationären Einrichtung unterbringen, da dies – seit der Abschaffung des Pflegeregresses – finanziell leichter zu bewältigen ist.

Wenn der teure Heimplatz günstiger ist, als das eigene zu Hause
„Es ist traurig und ironisch zugleich: Ein stationärer Pflegeplatz, der der öffentlichen Hand wesentlich teurer kommt, ist für Angehörige finanziell leichter zu bewältigen, als der Versuch, seine Liebsten mit Hilfe professioneller Unterstützung zu Hause zu betreuen. Ein Modell, das die öffentlichen Ressourcen aber stärker schonen würde“, schüttelt die Qualitätsmanagerin und diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester Kerstin Marchner den Kopf über den Status-quo und rechnet vor: Wer seine Oma stationär unterbringt, kann sich darauf verlassen, dass ihr monatlich 20 Prozent ihrer Pension und 10 Prozent ihres Pflegegeldes als Taschengeld übrigbleiben. Den Rest übernimmt die öffentliche Hand. Wer hingegen versucht, seinen Liebsten den Herzenswunsch zu erfüllen und sie zu Hause z. B. mit Hilfe einer 24-h-Betreuung zu betreuen, erhält zur Bewältigung der weiterlaufenden Fixkosten und der zusätzlichen Kosten für die Betreuungsperson(en) maximal eine Förderung von 550 EUR. Real bleibt dann oft nicht einmal ein minimales Taschengeld übrig, oft müssen auch die Angehörigen finanziell einspringen. An dieser Tatsache scheint sich auch durch die eingesetzte Taskforce nichts zu ändern, denn die langjährige Forderung, die Förderung der 24-h-Betreuung, die seit 2007(!) nicht mehr indexiert wurde, anzupassen, wird scheinbar (wieder) nicht erhört.

„Qualitätssicherung MUSS endlich ein Förderkriterium werden!“
Und noch etwas findet Kerstin Marchner unverständlich: Das Sozialministerium hat 2019 einen klar definierten Qualitätsstandard für die 24-h-Betreuung geschaffen, das ÖQZ-24. „Jetzt ginge es darum, dass dieser Standard auch wirklich zum Standard gemacht wird“, so Marchner. „Zukunftsfit kann die Betreuung und Pflege unserer Angehörigen nur werden, wenn wir dafür sorgen, dass alle Agenturen und Betreuer*innen, die – derzeit nur empfohlenen – Qualitätsstandards erfüllen. In 10 Jahren darf es niemanden mehr in Österreich geben, der unter diesem Standard arbeitet und dafür noch öffentliche Fördergelder erhält“, ist Marchner überzeugt. Genau diese Zielsetzung plus dazugehörige Maßnahmen vermisst sie in den Ansätzen der Taskforce Pflege.

Weniger ist hier oft mehr
Dass es – gerade am Anfang – oftmals gar keine „Rund-um-die-Uhr“-Betreuung benötigt, sondern auch eine stundenweise Unterstützung schon viel Entlastung für Betroffene und Angehörige bringt, weiß Marchner nur zu gut. Diese entlastet entweder pflegende Angehörige, weil sie ihnen einen „freien Tag“ verschafft, oder sorgt dafür, dass der Alltag bei kritischen Punkten, wie z. B. Einkaufen, Körperpflege etc. funktioniert. „Stundenweise Betreuungsformen von fixen Betreuer*innen sind die Zukunft“, ist Marchner überzeugt. Doch auch hier scheint eine finanzielle Gleichstellung derzeit nicht in Sicht, denn stundenweise Betreuung wird im Unterschied zu Heimplätzen und der 24-h-Betreuung derzeit überhaupt nicht gefördert.

„Dies geht an jeder Lebens- und Finanzierungsrealität vorbei“, findet die DGKP. Denn: „Das Motto ‚So viel (Unterstützung) wie nötig, aber so wenig wie möglich‘ würde nicht nur den Wünschen der Betroffenen besser gerecht werden, sondern darüber hinaus auch das Gesundheitssystem weniger belasten.“

Über BestCare 24

BestCare 24 wurde bereits 2007 gegründet und ist ein in Österreich ansässiger Vermittler von qualitätsvoller 24-Stunden-Betreuung und Pflegedienstleistungen. BestCare 24 verfügt über eigene Büros in der Slowakei und Rumänien, um eine direkte Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte für Österreich zu gewährleisten und verzichtet dabei vollständig auf die Zusammenarbeit mit Subagenturen. In einem Vergleichstest des VKI im Jahr 2018 erhielt BestCare 24 als einziger privater, überregionaler Vermittler das Qualitätsurteil „Sehr gut“. Darüber hinaus wurde BestCare 24 im Oktober 2019 mit dem Gütesiegel ÖQZ-24 des Sozialministeriums ausgezeichnet und ist somit einer der ersten privaten Anbieter mit dem Österreichischen Qualitätszertifikat für Vermittlungsagenturen in der 24-Stunden-Betreuung. 2019 wurde das regionale BestCare 24-Netz in sieben Bundesländern etabliert, das pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen die Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte ermöglicht und zudem eine persönliche Pflege-Beratung und laufende Qualitätssicherung durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen gewährleistet, die in der Heimat-Region der Klienten ansässig sind.

Mehr Informationen unter www.bestcare24.at

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen