AT: „Wie wir mit unseren Pflege- und Betreuungsbedürftigen umgehen, sagt viel über den Zustand der Gesellschaft aus“

(C) Ocskay Mark

Wien, 23. September 2019. – „Obwohl die Alterung unserer Gesellschaft eine bekannte Tatsache ist und der Pflegebedarf in Österreich jedes Jahr steigt, hat sich bisher das Verständnis für Qualität und ethisches Handeln im Umgang mit unseren Älteren und Ältesten noch nicht durchgesetzt“, so das Resümee aus der langjährigen Praxis der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson Kerstin Marchner, BSc, Leiterin des BestCare 24 Netz. 

Zwar wurde mit der Legalisierung der Personenbetreuung 2007 eine gesetzliche Grundlage für die Betreuung von Personen in Privathaushalten geschaffen, dennoch gibt es in der Praxis immer noch viele Lücken, die das derzeitige Pflegesystem zulässt: „Das Problem beginnt für die betroffenen Familien bereits bei der Suche nach geeigneten Pflege- oder Betreuungskräften. Rund 800 Vermittlungsagenturen für Personenbetreuung gibt es in Österreich. Für Laien ist es derzeit unmöglich, die Qualitätsanbieter von den fragwürdigen One-Man-Agenturen zu unterscheiden. Hier wird in der Praxis dringend ein verpflichtendes Qualitätszertifikat benötigt, das eine objektive Unterscheidung der Anbieter auf einen Blick möglich macht“, so Marchner.

Zertifizierung durch Sozialministerium begrüßenswert, aber nicht verpflichtend

Die derzeit in Planung bzw. Umsetzung befindliche Qualitätszertifizierung des Sozialministeriums unter dem Namen „ÖQZ 24“ ist zwar ein erster wichtiger Schritt, um Qualitätsmerkmale in der Vermittlung von Betreuungspersonal zu definieren und damit sichtbar zu machen, dennoch löst sich aus Sicht Kerstin Marchners das Problem in der Praxis dadurch nicht: „Das neue Qualitätszertifikat hat leider einen großen Haken – es ist nicht verpflichtend, sondern freiwillig. Das bedeutet, dass der Wildwuchs am österreichischen Vermittlungs-Markt ungestraft weitergehen kann und wird. Und die Leidtragenden sind unsere Senioren und andere betreuungsbedürftige Menschen, die dringend Unterstützung im Alltag brauchen. Erst wenn alle Anbieter am Markt auf die Einhaltung einheitlicher Qualitäts- und Ethikstandards überprüft werden können, wird sich die Situation für die Betroffenen flächendeckend verbessern“, so Marchner. „Derzeit drängen Agenturen auf den Markt, die in Österreich nicht einmal einen Standort haben, lediglich übers Internet agieren und die KlientInnen mit günstigen Preisen locken – leider meist ohne die entsprechende Qualität bieten zu können“, führt Marchner weiter aus.

Anamnese, Erstgespräch und fachliche Pflegeanleitungen für die Betreuungskräfte muss von Diplomierten gemacht werden

Ein Aspekt, der von vielen Agenturen in der Praxis zu wenig berücksichtigt wird und oft für Probleme sorgt, ist die (Nicht-)Einbeziehung von diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP). Nur eine dafür ausgebildete Fachkraft kann in einem Erstgespräch den realen Aufwand und die pflegerischen Bedürfnisse eines Menschen wirklich erfassen und so eine qualifizierte Betreuungsperson für diesen Menschen finden. „Wenn eine Agentur nicht einmal für das Erstgespräch eine diplomierte Fachkraft schickt, die sich persönlich vor Ort ein Bild von der Situation und den Betroffenen macht und das Gespräch mit An- und Zugehörigen sucht, sollte man bereits hellhörig werden. Dies ist keine seriöse Vorgehensweise und führt in der Folge zu vielen Problemen oder Betreuungslücken“, so Marchner.

Unwissenheit über die Rechtslage im Pflege- und Betreuungsalltag

Darüber hinaus herrscht bei den Betroffenen sowie deren Familien oft Unwissenheit darüber, dass Personenbetreuerinnen gewisse Tätigkeiten ohne Anleitung einer Fachkraft gar nicht ausführen dürfen, die jedoch im Alltag wichtig sind, z.B. die Verabreichung von Arzneimitteln, das Anlegen von Verbänden, Insulin-Injektionen, o.ä. „Diplomierte Fachkräfte können die BetreuerInnen vor Ort unterweisen und auch Tätigkeiten an sie delegieren, vorausgesetzt, die Betreuerin verfügt über die notwendigen Qualifikationen. Davon muss sich die diplomierte Fachkraft aber im Vorfeld überzeugen. Und wie sollte sie das tun, wenn sie nicht vor Ort ist?“, bringt Marchner das Problem auf den Punkt.

Politik ist gefordert, praxisrelevante Lösungen zu finden

Auch beim Erstellen verpflichtender Qualitätskriterien müssten diplomierte Fachkräfte stärker einbezogen werden. „Wenn beispielsweise die Politik Pläne schmiedet, um die Situation der Pflege bzw. der betroffenen Menschen zu verbessern, dann ist das grundsätzlich zu begrüßen. Aus unserer Sicht sollten solche Pläne aber auch uns Pflegefachkräfte und damit unsere Expertise einbeziehen. Schließlich sind wir es, die tagtäglich im System arbeiten“, zeigt Marchner auf. Ein jährlicher Pflegebonus, wie er derzeit diskutiert wird, ist ihrer Ansicht nach nur ein Tropfen auf den heißen finanziellen Stein: „Mit maximal 1500 Euro jährlich kommt man nicht weit, schon gar nicht in den höheren Pflegestufen. Besser wäre beispielsweise eine Erhöhung der monatlichen Förderung von derzeit maximal 550 Euro für die 24-Stunden-Betreuung auf mindestens das Doppelte. Damit wäre den Betroffenen mehr geholfen.“

Verbesserungsbedarf sieht Kerstin Marchner auch in den Regionen: „Hier fehlt ein niederschwelliger, leistbarer Zugang zur Pflege. Die Menschen können sich meist nicht aussuchen, von wem sie gepflegt werden, und gerade in ländlichen Regionen übernehmen nach wie vor oft die Angehörigen diese schwierige Aufgabe – ohne Unterstützung von außen.“ Die Ausweitung des regionalen Angebotes sei daher ebenfalls ein Gebot der Stunde, so Marchner.

Über BestCare 24

BestCare24 wurde bereits 2007 gegründet und ist ein in Österreich ansässiger Vermittler von qualitätsvoller 24-Stunden-Betreuung und Pflegedienstleistungen. BestCare24 verfügt über eigene Büros in der Slowakei und Rumänien, um eine direkte Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte für Österreich zu gewährleisten und verzichtet dabei vollständig auf die Zusammenarbeit mit Subagenturen. In einem Vergleichstest des VKI im Jahr 2018 erhielt BestCare24 als einziger privater, überregionaler Vermittler das Qualitätsurteil „Sehr gut“. 2019 wurde das regionale BestCare24-Netz in sieben Bundesländern etabliert, das pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen die Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte ermöglicht und darüber hinaus eine persönliche Pflege-Beratung und laufende Qualitätssicherung durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen gewährleistet, die in der Heimat-Region der Klienten ansässig sind. Mehr Informationen unter www.bestcare24.at

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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