AT: Wie verbreitet sind erste Anzeichen für Gefäßverkalkung bei Tiroler Jugendlichen?

„Mit Ultraschall wird untersucht, ob die Gefäßwände der Halsschlagader gesund sind.“ (Foto: Michael Knoflach,VASCage)

Das Forschungszentrum VASCage führt gemeinsam mit der Medizinischen Universität Innsbruck die größte Studie zur Gefäßgesundheit bei Jugendlichen in Österreich durch. Sie untersucht, welche Risikofaktoren die Blutgefäße bereits in jungen Jahren schädigen und wie spätere Erkrankungen verhindert werden können. Schulen und Lehrbetriebe sind eingeladen teilzunehmen.

(Innsbruck, 15.6.2021) Herzkreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in Österreich und weltweit. Da in der Regel Ältere betroffen sind, steht diese Gruppe im Fokus der meisten Studien zu diesem Thema. Dabei nehmen Gefäßerkrankungen bereits in der Kindheit ihren Anfang. Eine große klinische Studie soll nun die bestehende Forschungslücke bei der Gruppe der Jüngeren füllen. Die VASCage-Studie EVA4YOU (Early Vascular Ageing in the YOUth) hat zum Ziel, die frühen Schritte der Krankheitsentstehung und die primären Ursachen aufzuklären. Geplant ist, 3000 Jugendliche einzuschließen.

„Wir haben bereits in der Vorläuferstudie EVA (Early Vascular Ageing) Tyrol zeigen können, dass Gefäßwandverdickungen als erste Anzeichen der Atherosklerose bei Tiroler Jugendlichen auftreten und dass sie mit dem Lebensstil zusammenhängen. Die EVA4YOU-Studie erweitert und vertieft diesen erfolgreichen Forschungsansatz. Wir wollen Wege finden, um besonders gefährdete Personen rechtzeitig ausfindig zu machen und zielgerichtete Präventionsprogramme entwickeln“, sagt Ursula Kiechl-Kohlendorfer von der Universitätsklinik für Pädiatrie II, die gemeinsam mit Michael Knoflach (Universitätsklinik für Neurologie) die Studie wissenschaftlich leitet.

Messung der Pulswellengeschwindigkeit und Ultraschall der Hauptschlagadern

Der Zustand der Blutgefäße wird mit zwei Methoden untersucht. Zum einen wird gemessen, wie schnell die Pulswelle durch die Blutgefäße läuft. Dabei wird je eine Manschette an den Hals und eine an den Oberschenkel angelegt, ähnlich wie beim Blutdruckmessen. Je schneller die Gefäßwände die Pulswelle weiterleiten, umso starrer sind sie – und umso größer bereits der Schaden.

Zum anderen wird mit Ultraschall der Zustand der Hauptschlagadern an Hals und Bauch sichtbar gemacht. Ergänzende Untersuchungen von Blut- und Stuhlproben, Messung der Körperzusammensetzung, sowie Ultraschall der Leber und des Bauchfetts nehmen Körperfett und Fettstoffwechsel unter die Lupe. Zusätzlich wird Blutdruck, Größe, Gewicht und Bauchumfang bestimmt, und ein detaillierter Fragebogen gibt Auskunft über Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil

Teilnahme von Lehrbetrieben und Schulen weiterhin möglich

„Trotz der erschwerten Bedingungen durch die Covid19-Pandemie, konnten wir bereits mehr als 150 Lehrlinge bei Tiroler Betrieben untersuchen. Die Schulen folgen ab Herbst“, bilanziert Sophia Kiechl, Wissenschaftlerin und Projektmanagerin bei VASCage. „Alle Tiroler Oberstufen, Berufsschulen und Lehrbetriebe sind herzlich eingeladen teilzunehmen – einfach beioffice@vascage.at  melden!“

Lehrlinge des Tiroler Unternehmens Thöni haben bereits an der Studie teilgenommen. „In der Lehrlingsausbildung an unserer Thöni Akademie ist nicht nur eine fundierte fachliche Ausbildung von wesentlicher Bedeutung sondern es ist uns ein zentrales Anliegen, die jungen Menschen auch in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten und zu fördern. Dazu gehört u.a. die betriebliche Gesundheitsvorsorge. Die Teilnahme an der Studie ist für uns in diesem Sinn eine logische Konsequenz einer Reihe von betrieblichen Gesundheitsmaßnahmen, die wir bei Thöni setzen. Die teilnehmenden Lehrlinge haben Spaß daran mehr über ihren Gesundheitszustand zu erfahren und wir freuen uns, wenn wir mit unserer Teilnahme an diesem interessanten und gesellschaftlich wichtigem Forschungsprojekt einen kleinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesundheitsvorsorge leisten können“, sagt Anton Mederle, Thöni Geschäftsführer und Leiter der Thöni Akademie.

 

Kollaborationspartner an der Studie sind die Medizinische Universität Innsbruck, die Tirol Kliniken GmbH, die Österreichische Gesundheitskasse und die Innsbrucker Firma Evaluation Software Development (ESD), deren gemeinsam mit VASCage entwickelte Studiensoftware zum elektronischen Datenmanagement bei EVA4YOU und anderen klinischen Studien zum Einsatz kommt.

Links

Studie EVA4YOU: www.clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04598685?term=vascage&draw=2&rank=

VASCage www.vascage.at

COMET https://www.ffg.at/comet

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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