AT: Wie begleiten bis zuletzt in Zeiten von Corona?

„Ich kann es immer noch nicht begreifen,“ meinte Klaus*, ein junger Mann, dessen Tante während des Corona Lockdown verstarb. Hilfesuchend wandte er sich telefonisch an die Kontaktstelle Trauer. Da er sich von seiner Tante, die ihm sehr nahestand, nicht mehr verabschieden konnte, plagen in immer wieder Schuldgefühle und es fällt ihm schwer die Wirklichkeit des Todes zu begreifen. „Es hat mir gutgetan, über meine belastenden Gefühle, wenn auch ‚nur‘ am Telefon, sprechen zu können. Besonders hilfreich in meiner Trauer war die Ermutigung, an meine Tante noch einen letzten Brief zu schreiben, um ihn beim Begräbnis beizulegen. Beim Schreiben sind viele Tränen geflossen, aber es war tröstlich.“

Die Erfahrungen in der Hospiz- und Palliativbetreuung in den letzten Monaten zeigen, dass auch unter den aktuellen Bedingungen Kontakt und Begleitung möglich sind. Anders, ja. Tröstlich, ja. Auch an Grenzen stoßend, z.B. bei Menschen mit Demenz.

Ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen sind sehr kreativ, um der Begleitung trotz Distanz eine persönliche Note zu geben, wie zum Beispiel „Zaun- und Balkongespräche“, kleine Aufmerksamkeiten, wie Blumen, Karten, Bücher und selbstgebackene Kuchen, die vor die Wohnungstür gestellt oder im Heim abgegeben wurden. Sobald es die Situation und das Wetter erlaubten, wurden alle Möglichkeiten genutzt, um ein Treffen im Freien zu organisieren.

Wir wissen aus der Praxis, dass alle zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten wie Telefonate, SMS-Nachrichten und WhatsApp bis hin zu Zoom-Gesprächen genutzt wurden und werden, um den Kontakt zu halten. Besonders berührende Momente ergaben sich, wenn noch letzte (Video-)Telefonate möglich waren.

Die Regierung hat „Besuche im Rahmen der Palliativ- und Hospizbegleitung“ ausdrücklich vom Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern ausgenommen, auch wenn natürlich je nach individueller Situation in einer Einrichtung eine Einschränkung bestehen kann.

Eine Ehrenamtliche hat so formuliert: „Dadurch, wie ihr in der Hospiz-Bewegung mit der Covid-Krise umgeht, habe ich viel für meinen privaten Umgang gelernt.“

Infobox für Hilfe:

Möglichkeiten der Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung (Deutsch und Englisch)

Telefonnummern für Nahestehende und Angehörige

Broschüre „begleiten bis zuletzt“ – ohne Berücksichtigung der aktuellen Situation – zum Download in Deutsch, Slowakisch, Ungarisch und Rumänisch

Markus Golla
Über Markus Golla 8477 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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