AT: Wenn die Hitze auf den Magen schlägt

19. Juli 2022 | News Österreich | 0 Kommentare

Temperaturen weit über 30 Grad – das kann auf den Magen schlagen und die gute Stimmung ist schnell dahin.  Die Kombination aus Hitze und Stress kann der Darmflora so sehr schaden und Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Magen-Darminfektionen auslösen. Diese sind in den Sommermonaten keine Seltenheit – die Gründe können vielfältig sein, weiß die Internistin und Gastroenterologin Oberärztin Dr. Karin Steidl vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan.

Endlich Sommerferien, doch ausgerechnet dann geht die Verdauung „auf Reisen“. Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchkrämpfe und Durchfall können die sommerliche Stimmung schnell trüben. Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke, körperlicher Stress und Veränderungen in der Darmflora setzen dem menschlichen Organismus stark zu. In den internen Ambulanzen am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan kann man während der Hitzewelle zu einer deutlichen Zunahme der PatientInnen mit Magen-Darminfekten bemerken. „Das liegt auch an typischen hygienischen Aspekten und dem raschen Verderben von Lebensmitteln bei höheren Temperaturen“, klärt Internistin und Oberärztin Dr. Karin Steidl auf.

Magen-Darminfektionen lösen Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall aus. Wenn Erreger die Darmwand durchdringen, kann auch Fieber und blutiger Stuhl auftreten. „Spätestens wenn diese Symptome wahrgenommen werden, sollte man den/die Arzt/Ärztin aufsuchen. Reiserückkehrer können auch leicht exotische Erreger wie Amöben oder Malaria aus den Urlaubsgebieten mitnehmen. Sind Kinder und Jugendliche betroffen, kann Erbrechen und Durchfall schnell zu einer schweren Austrocknung (Dehydrierung) führen. „Die Anzeichen einer Dehydrierung sind dunkel gefärbter Urin, trockene Schleimhäute, Müdigkeit, Trägheit und Apathie. Ältere Personen über 65 Jahre und Schwangere sollten ehestmöglich eine/n Arzt/Ärztin aufsuchen“, rät Darm-Expertin der Abteilung für Innere Medizin OÄ Dr. Karin Steidl.

Hitze erhöht körperlichen Stress
Für PatientInnen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind Hitzewellen eine besondere Herausforderung. Regelrechte Schübe bedingt durch die über mehrere Tage andauernde Hitze, sind für den Körper Stress pur. „Eine Erklärung könnte sein, dass die erhöhte Körpertemperatur auch zu Veränderungen in der Darmflora führt. Verändert sich die Darmflora durch die Hitze, könnte dies das Immunsystem stimulieren und die Symptome verschlechtern“, weiß Dr. Steidl.

Entlastung des Darmes
Die meisten Magen- Darminfektionen sind selbstlimitierend, oft hilft eine Nahrungskarenz oder das Weglassen von Milchprodukten und das konsequente Einhalten einer Schonkost (Suppen, Brühen, Kartoffel, Reis). „Das Wichtigste ist genügend Flüssigkeit aufzunehmen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass man pro kg Körpergewicht 40ml innerhalb von 24 Stunden zu sich nimmt“, so die Oberärztin. Jede Dehydrierung schlägt nicht nur auf den Magen, sondern beansprucht auch den Kreislauf. Schnelle Abhilfe verschaffen kann die Zubereitung eines elektrolythaltigen Getränks.

Dieses empfiehlt die WHO (Weltgesundheitsorganisation)
Rezept um den Elektrolythaushalt auszugleichen:

  • 4 gestrichene Teelöffel Zucker,
  • dreiviertel Teelöffel Salz
  • einen Teelöffel Natron und
  • einen Becher Orangensaft auf einen Liter vermengen
Nach einer Mahlzeit sollte man es ruhig angehen und sich eine bewusste Auszeit gönnen, bevor man sich in die Sonne legt.
Regelmäßiges Händewaschen und das Einhalten der Hygieneregeln, kann helfen eine Magen-Darminfektion zu vermeiden. Zudem ist es wichtig die Kühlkette bei Lebensmitteln nicht zu unterbrechen und im Zweifelsfalle etwas nicht mehr zu konsumieren. Besonders schwere und fetthaltige Lebensmittel sollten in den Sommermonaten vermieden werden, um den Darm nicht noch zusätzlich zu belasten.
Probiotika zur Vorbeugung
Bei Auslandsreisen rät die Magen-Darm-Expertin OÄ Dr. Karin Steidl: „Kochen, schälen, braten oder nicht konsumieren! Das Wasser sollte gekocht werden, um so Bakterien abzutöten. Eiswürfel in Getränken stellen ebenfalls ein Risiko dar.“
Vor einer Auslandsreise kann man schon prophylaktisch Probiotika zu sich nehmen, um Magen-Darminfekten vorzubeugen. „Insbesondere bei Reisen nach Südostasien oder Südamerika kann man das Risiko einer Erkrankung deutlich senken, indem man zwei Wochen vor Reiseantritt mit der Einnahme von Probiotika beginnt“, schließt Karin Steidl.
Gegen schwere Durchfallerkrankungen wie Cholera oder Typhus gibt es eine Impfung, welche vor Reisen in die Entwicklungsländer empfohlen wird.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)