AT: Weltfrühgeborenentag: Überlebenswichtige Hilfe für die „Kleinen Helden“

15. November 2022 | News Österreich

Jugend Eine Welt unterstützt ausgewählte Projekte zur Versorgung von Frühchen | Heiserer: „60% aller Frühgeburten ereignen sich in Afrika südlich der Sahara und in Asien.“

„Frühchen gehören zu der größten PatientInnengruppe unter Kindern. Weltweit kommt jedes zehnte Neugeborene als Frühchen auf die Welt. Während bei uns in Österreich die Versorgung für frühgeborene Babys bestens gewährleistet ist, sieht die Situation in anderen Teilen unserer einen Welt anders aus. Wir dürfen daher bei der Hilfe nicht auf den Globalen Süden vergessen. 60 Prozent aller Frühgeburten ereignen sich in Afrika südlich der Sahara und in Asien“, erinnert Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, im Vorfeld des Weltfrühgeborenentages am 17. November 2022.

Attat-Krankenhaus in Äthiopien
Neben Schul- und Berufsausbildungsprojekten für benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt seit der Gründung vor 25 Jahren auch medizinische Einrichtungen im Globalen Süden. Eine dieser ist das Attat-Krankenhaus in Äthiopien. Das ländliche Spital befindet sich 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba, im Gurageland, eine der ärmsten Regionen Äthiopiens. Das Einzugsgebiet des Krankenhauses wurde bis vor wenigen Jahren auf rund eine Million EinwohnerInnen geschätzt, in den letzten Jahren wurden weitere medizinische Angebote anderer Akteure aktiv (Einzugsradius von ca. 100 km). Aus 43 größeren und kleineren Gesundheitszentren in der Region werden PatientInnen an das Spital überwiesen. Die Einrichtung ist auch eine ganz wichtige Anlaufstelle für werdende Mütter in der Region. Pro Jahr verzeichnet das Attat-Krankenhaus rund 4.000 Geburten, davon 880 per Kaiserschnitt. „Wir haben vor einigen Jahren ein eigenes Haus für werdende Mütter gleich um die Ecke des Spitals geschaffen. Dieses bietet 44 Betten und eine Küche. Die Hochschwangeren sind nur zwei Minuten vom Kreißsaal entfernt. Unser Team kann somit deutlich schneller handeln und Geburtskomplikationen bei Frauen als auch beim Neugeborenen verhindern. Die Kindersterblichkeit bei uns ist heute minimal“, erzählt Sr. Rita Schiffer.

Die Missionsärztliche Schwester und ausgebildete Gynäkologin leitet seit 25 Jahren das Attat-Krankenhaus und wurde erst kürzlich in Berlin mit dem Else Kröner Fresenius Preis ausgezeichnet. Mit 100.000 Euro ist er einer der wichtigsten und höchstdotierten Preise im Bereich der medizinischen Entwicklungszusammenarbeit (hier geht’s zum Preisträgerfilm)

Frühchen-Station im Kinderspital in Odessa
Mit bewundernswerter Energie ist auch Dr. Hanna Bantovska in einem von Jugend Eine Welt unterstützten Kinderspital in Odessa im Einsatz. Kürzlich besuchte sie auf Einladung von Jugend Eine Welt Wien und traf sich mit UnterstützungspartnerInnen aus mehreren europäischen Ländern. Die junge Ärztin betreut in der größten Kinderintensiv-Station der südukrainischen Hafenstadt Früh- und Neugeborene. „Die Anzahl an Frühgeburten ist trotz der Kriegswirren gleichgeblieben. Wir beobachten allerdings, dass viele werdende Mütter aus den umliegenden großen Städten, die stark von den Angriffen der Russen betroffen sind, zu uns nach Odessa kommen, um ihr Baby hier auf die Welt zu bringen. Sie würden zwar gerne ins Ausland flüchten, doch aufgrund der dort vorherrschenden sprachlichen Barriere und der nicht gewohnten Umgebung haben sie Angst davor.“ Bestehende Krankheiten oder körperliche Probleme bei Schwangeren werden durch die tägliche Unsicherheit vor Angriffen natürlich verstärkt, erzählt Dr. Bantovska und erwähnt explizit „Infektionen, Herz- oder Nierenprobleme – eben Komplikationen, die auch die Babys betreffen und dadurch zu einer Frühgeburt führen.“

Größtes Geschenk: Das Lächeln der Eltern und des Kindes
Erst unlängst brachte ein weiterer Hilfstransport von Jugend Eine Welt, neben wichtiger medizinischer Hilfsgüter, auch einen dringend benötigten Inkubator für Frühchen auf die Babystation von Dr. Bantovska im Kinderspital von Odessa. Dieser rettete bereits Leben. So zum Beispiel einem kleinen Mädchen, das mit einem Gewicht von nur 2 Kilogramm per Notkaiserschnitt in der 35. Schwangerschaftswoche auf die Welt kam. „Das Mädchen hatte vom ersten Tag an Krämpfe und musste beatmet werden. Insgesamt verbrachte es 19 Tage auf der Intensivstation, davon elf Tage unter Beatmung. Es gab diverse Komplikationen, u.a. eine Magen-Darm-Blutung“, erzählt Dr. Bantovska sichtlich gerührt. „Heute, ein paar Wochen später, ist das Mädchen bei seiner Mutter, wird mit dem Fläschchen gefüttert, atmet selbstständig und hat auch eine gute neurologische Prognose. Es war harte Arbeit, aber wir sehen das Ergebnis: Das Lächeln der Eltern und des Kindes.“

Frühchen- und Kleinkindförderung ist Schlüssel für stärkere Familienresilienz
„Egal ob in der Ukraine oder in Äthiopien. Die „Kleinen Helden“, wie Frühgeborene oft genannt werden, sind auf unsere Hilfe angewiesen“, appelliert Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Heiserer und verdeutlicht weiter, dass eine höhere Überlebensrate bei Neugeborenen und Kleinkindern bzw. die weitere Förderung dieser letztendlich auch zu einer stärkeren Familienresilienz führen. Denn die hohe Kinderanzahl von Familien u.a. in Afrika südlich der Sahara, ist nachweislich auf die hohe Kindersterblichkeitsrate in Folge mangelnder Gesundheitsversorgung und fehlender Bewusstseinsbildung für das Thema zurückzuführen. Gleichzeitig verdeutlichen Forschungsergebnisse im Dossier „Bildung: Schlüssel zur nachhaltigen Entwicklung weltweit“ von Univ.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Lutz (von der Yidan Prize Foundation in Zusammenarbeit mit dem Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital in Auftrag gegeben und als deutschsprachige Ausgabe von Jugend Eine Welt in Österreich publiziert), dass eine hohe Kinderanzahl nachhaltige Investitionen seitens der Eltern in die Gesundheit und Bildung ihrer Kinder erschweren. „Bitte schauen Sie nicht weg, sondern helfen Sie mit ihrer Spende“, so Heiserer abschließend.

Spendenkonto Jugend Eine Welt: IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)