AT: Welt-AIDS-Tag 2019: Pflege- und Betreuungsbedarf steigt enorm

(C) Marien Apotheke Wien - Abholung der Medikamente durch Mitarbeiter für PatientInnen

Mobiler Pflegeverein Diversity Care Wien 2019 mit 120-prozentigem Ausbau der Leistungen. Der Bedarf ist noch weitaus höher.

Wien (OTS) – Dank medizinischer Fortschritte hat HIV/AIDS mittlerweile den Status einer chronischen Krankheit mit vielen Besonderheiten. Die Lebenssituation der betroffenen Menschen hat sich erheblich verbessert, ihre Lebenserwartung weicht kaum von jener Nichtinfizierter ab. Während die Nachfrage an klassischen Aidshilfe-Angeboten sinkt, steigt durch die deutliche Zunahme älter werdender HIV-positiver Personen der Bedarf an zielgruppenorientierter, bedarfsgerechter Pflege und Betreuung enorm. Um diesem gerecht zu werden, arbeitet der mobile Pflegeverein Diversity Care Wien, vormals HIVmobil, schrittweise an der Implementierung eines ganzheitlichen „Diversity Care“-Programmes.

Zielgruppenorientierte Pflege und Betreuung der Zukunft

Europaweit liegt die Integration HIV-positiver Menschen in breiter gefasste Pflegekonzepte im Trend, wie sich nicht zuletzt bei der Konferenz „HIV Nursing 2019“ in Rom zeigte. Einen ersten Schritt in diese Richtung setzte Diversity Care Wien bereits 2016 mit der Öffnung der Angebote für weitere vulnerable Zielgruppen – darunter Menschen mit unterschiedlichen Lebens- und Liebensweisen, bestehenden oder ehemaligen Abhängigkeitserkrankungen, besonderen Bedürfnissen sowie anderen kulturellen Herkunftswelten. Alleine heuer konnte Diversity Care Wien eine 120-prozentige Zunahme der Pflege- und Betreuungsleistung verzeichnen. Weiterhin finden über 90 Prozent der Einsätze bei an AIDS erkrankten Menschen statt.

Um die wachsenden Anforderungen an die zielgruppenorientierte Pflege und Betreuung decken zu können, ist ein weiterer Ausbau bedarfsgerechter Angebote für die „Diversity“-Zielgruppe unerlässlich. So benötigen älter werdende HIV-positive Menschen für sie adaptierte Programme in Tageszentren, stationären und teilstationären betreuten Einrichtungen sowie der Palliativmedizin. Auch eigene Besuchs-, Begleit- und Assistenzdienste sowie ein niederschwelliges, professionell organisiertes Angebot ehrenamtlicher Dienste würden zu einer weiteren Verbesserung der Situation beitragen.

Darüber hinaus herrscht ein Bedarf an HIV-spezifischen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für alle Pflege- und Betreuungsberufe in den Wiener Ausbildungseinrichtungen. Denn es ist evident, dass an AIDS erkrankte Menschen bis heute im Bereich der Medizin und Pflege am häufigsten Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt sind. Dieser Problematik kann Diversity Care Wien dank des Know-hows eines hochqualifizierten Teams mit langjähriger Erfahrung entgegenwirken. Die Pflegenden versorgen Menschen aus vulnerablen Zielgruppen trotz minimaler Ressourcen auf höchstem Niveau.

Spenden von Life+ müssen ersetzt werden

Diversity Care Wien strebt an, Synergien mit bestehenden Angeboten anderer Einrichtungen im Arbeitsfeld HIV/AIDS zu finden und bittet die politischen Verantwortungsträger dieser Stadt, einen Ausbau zielgruppenorientierter Pflegeangebote weiterhin zu befürworten und zu unterstützen.

Durch den Entfall der Zuwendungen durch den Wiener Life Ball ist die finanzielle Situation bei Diversity Care Wien im laufenden Jahr angespannt. Dennoch steht mit dem Fonds Soziales Wien ein äußerst verlässlicher Partner zur Seite. Weiters unterstützen die Marien Apotheke Wien und private Initiativen wie der Charity-Verein, dessen Leiterin Michaela Tuma heuer im Zuge der Veranstaltung „Let’s Dance For Life“ die stolze Summe von 11.345,21 Euro an Diversity Care Wien überreichen konnte. Ein besonders schönes Beispiel an gelebter Solidarität, zumal Tuma aufgrund einer Muskelkrankheit seit ihrer Kindheit im Rollstuhl sitzt und damit selbst einer Diversity-Gruppe angehört. Neue SponsorInnen für dieses anspruchsvolle Programm werden weiterhin dringend gesucht.

Markus Golla
Über Markus Golla 7386 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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