AT: Volkshilfe zu heutigem Gipfel gegen Alterseinsamkeit

Fenninger: "Wir brauchen umfassenden Blick darauf, auch pflegende Angehörige fühlen sich isoliert"

Herr Direktor Mag. (FH) Erich Fenninger, DSA - Foto (C): nurith wagner-strauss

Wien (OTS) – „Wenn wir über Einsamkeit in der Corona-Krise sprechen denken viele an pflegedürftige und ältere Menschen in stationären Einrichtungen. Nicht vergessen dürfen wir aber die anderen 80 Prozent der Pflegedürftigen, die zu Hause gepflegt und betreut werden. Für sie entfielen Therapie- und Trainingsangebote oder die Besuche in Tageszentren, die für die sozialen Kontakte von älteren Menschen eine besondere Bedeutung haben.“ Der Direktor der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger betont auch, die Isolation und Belastung pflegender Angehöriger in diesem Zusammenhang nicht zu vergessen.

Die Volkshilfe befragte im Sommer 100 pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz, besonders eklatant ist, dass 44 Prozent der Befragten angeben, die Unterstützung durch andere Familienmitglieder sei ausgeblieben und 20 Prozent keine Unterstützung aus dem sozialen Umfeld mehr erhalten haben – zumeist auf Grund der Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19. Professionelle mobile Pflegedienste haben 16 Prozent nicht mehr in Anspruch genommen, rund jedeR fünfte hat auf die Unterstützung durch eine Heimhilfe/Pflegeassistenz verzichtet. „Der Rückgang von Unterstützung durch professionelle mobile Dienste, aber auch durch das soziale Umfeld belastet pflegende Angehörige. 41 Prozent fühlten sich in der Corona-Krise isoliert, 59 Prozent gaben an, sich allein gelassen gefühlt“, erzählt Fenninger von einer im August präsentierten Umfrage.

Fenninger fordert Maßnahmen gegen Kollaps der Angehörigenpflege
„Wenn wir wollen, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nicht vereinsamen und gleichzeitig den Kollaps der Angehörigenpflege durch die Belastungen der Corona-Krise verhindern wollen, dann braucht es rasch Maßnahmen“, so Fenninger weiter. Die Volkshilfe Österreich fordert eine österreichweite, einheitliche Erhöhung der verrechenbaren Stunden für die mobile Pflege und Betreuung sowie ein kostenloses Coaching für pflegende Angehörige. „In solchen regelmäßigen Coachings, die in der sozialen Arbeit vielfach erprobt sind und die die Träger der mobilen Dienste bisher nur mit hohem Kostenaufwand anbieten können, stärken wir die Ressourcen und das Netzwerk der Familien und können Belastungen pflegender Angehöriger abfangen“, berichtet Fenninger aus der Arbeit der mobilen Dienste.

Fenninger verweist auch darauf, dass es die Preisentwicklung für Schutzkleidung (Masken, Handschuhe, z.B.) und Hygienemittel (Desinfektion) in den vergangenen Monaten starken Schwankungen unterworfen waren. Auch fehlten spezifische Informationen für Angehörige pflegebedürftiger Menschen zum Umgang mit Hygienemaßnahmen. „Wenn wir wollen, dass die sozialen Netzwerke älterer Menschen durch Corona nicht zerbrechen, dann müssen wir Schutzbekleidung, Desinfektionsmittel und Informationen zu Schutzmaßnahmen für alle zur Verfügung stellen“. Schließlich fordert Fenninger ein Ende der Mangelwirtschaft bei semistationären und stationären Einrichtungen, die es flächendeckend und leistbar in ganz Österreich brauche.

„Alterseinsamkeit ist ein sehr vielschichtiges Geschehen, daher brauchen wir auch einen umfassenden Blick darauf. In der Volkshilfe gibt es etwa auch viel ehrenamtliches Engagement, durch Besuchsdienste und andere Initiativen, die ein sehr wirksames Instrument gegen Alterseinsamkeit darstellen“, so Fenninger abschließend.

Markus Golla
Über Markus Golla 7616 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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