AT: Volkshilfe-Umfrage zu Pflege: Personalmangel ist bereits spürbar

Ergebnis der repräsentativen Umfrage

Menschen in Österreich geben sehr klare Antworten auf die brennenden Pflege-Fragen

Wien (OTS) – Beim jährlichen Pflege Sozialbarometer der Volkshilfe Österreich werden Menschen in einer repräsentativen Umfrage zu aktuellen Pflegethemen befragt. „Die Ergebnisse zeigen, dass den Menschen in Österreich der enorme Handlungsbedarf im Bereich der Pflege und Betreuung sehr bewusst ist. Und sie zeigen deutliche Unterstützung für dringend notwendige Schritte“, so der Direktor der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger bei der heutigen Pressekonferenz.

Personalmangel erschwert schon heute professionelle Pflege und Betreuung

Neun von zehn Befragten (92%) antworten mit Ja oder eher Ja auf die Frage, ob der Personalmangel im Pflegebereich bereits heute die professionelle Pflege und Betreuung erschwert. Die zunehmenden Medienberichte über Stationen in Pflegeheimen, die mangels Personal nicht besetzt werden können oder Pflegemitarbeiter*innen, die aufgrund der Belastungen den Job verlassen, zeigen offenbar Wirkung.

Bezahlung der Belastung nicht angemessen

89% der Befragten glauben (Ja/eher Ja), dass die emotional und körperlich belastenden Pflege- und Betreuungsberufe in Österreich schlecht bezahlt sind. Nur 7% sind nicht dieser Meinung, bei nur 4%, die keine Meinung haben. „Die Pandemie hat gezeigt, welche Bedeutung die Pflege für die Menschen in unserem Land hat, hier sind Landes- und Bundespolitik gefragt, dem Klatschen endlich auch Taten folgen zu lassen“, so Direktor Erich Fenninger.

Eine rasche Lösung: Bezahlte Umschulung

Einer der Vorschläge bei der Lösung des Personalmangels in Pflege und Betreuung wurde abgefragt und fand breite Zustimmung: Mehr als neun von zehn Befragten sind der Meinung, dass Menschen, die sich zu Pflegeberufen umschulen lassen für die Zeit der Ausbildung ein Gehalt bekommen sollen. „Das würde Umsteiger*innen die Entscheidung für eine Zukunft in der Pflege und Betreuung enorm erleichtern, das wäre rasch umzusetzen.“, fordert Fenninger.

Pflegenotstand langfristig lösen: Mehr Steuergeld in Pflege investieren

Mehr als acht von zehn Befragten (85%) sind dafür, dass in Zukunft deutlich mehr Steuergeld zur Finanzierung der Pflege verwendet werden soll. Damit hat die Politik jede Menge Verständnis in der Bevölkerung, um die enorme Herausforderung im Zuge der anstehenden Pflegereform zu lösen. Mehr Geld bedeutet vor allem, die Arbeits-bedingungen der Mitarbeiter*innen verbessern zu können und mehr Zeit für Patient*innen zu haben. Im internationalen Vergleich gibt Österreich nur 1,9% des BIP für Pflege aus, vergleichbare Länder wie Dänemark 2,5% und die Niederlande sogar 3,5%. (Quelle: BMASGK 2019 „Zukünftige Finanzierung der Langzeitpflege“)

Regierung passiv bei Pflege

Wir haben den Menschen in Österreich auch die Frage gestellt, ob sie glauben, dass die Regierung derzeit genug tut, damit in Zukunft eine gute und leistbare Pflege für alle Menschen gewährleistet ist. Das Ergebnis ist ernüchternd, eine Mehrheit von nahezu zwei Drittel (63%) glaubt das nicht.

Rückenwind für Pflegereform

„Unser aktuelle Umfrage kann die Bundesregierung als Rückenwind für die Pflegereform verstehen. Die Menschen erkennen die Probleme, und sie haben sehr viel Verständnis für Maßnahmen. Die enormen Herausforderungen im Personalbereich, bis 2030 brauchen wir rund 100 000 Menschen mehr im Pflegebereich, lassen keine weiteren Verzögerungen mehr zu. Es braucht Arbeits- Sozial- und Finanzminister, um Bewegung in die Sache zu bringen, und gemeinsam mit den Ländern an den großen Rädern zu drehen. Wir dürfen, im Namen der Pflegebedürftigen und der Mitarbeiter*innen keine Zeit mehr verlieren“, appelliert Erich Fenninger an die Verantwortlichen.

Über Markus Golla 10208 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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