AT: Volkshilfe: Sofortmaßnahmen dringend nötig, um Pflegeversorgung aufrecht zu erhalten

Erich Fenninger
Herr Direktor Mag. (FH) Erich Fenninger, DSA - Foto (C): nurith wagner-strauss

Tirol und Wien haben den Ernst der Lage im Bereich des Pflegepersonals erkannt

Schon vor der Pandemie warnten die großen Pflegeorganisationen vor einer Personalkrise, die auch eine Versorgungskrise auslösen wird. Passiert ist leider zu wenig, und COVID-19 hat als Brandbeschleuniger gewirkt. „Jetzt fehlen Tausende Pflegekräfte, und die vorhandenen Mitarbeiter*innen sind durch die enormen Belastungen am Ende ihrer Kräfte und überlegen sich, den Pflegebereich zu verlassen“, schildert der Präsident der Volkshilfe Österreich Ewald Sacher die ernste Situation.

Tirol und Wien
In Tirol wurden die Zeichen der Zeit erkannt und eine Zulage in Höhe von 400 Euro für Intensivstationen und 250 Euro für Normalstationen und Pflegeheime angekündigt. Während der Ausbildung erhalten die zukünftigen Pflegekräfte 470 Euro, damit wird eine langjährige Forderung der Pflegeorganisationen zumindest teilweise erfüllt. In Wien wurden die Ausbildungsplätze an der FH Wien aufgestockt und zusätzliche 270 Plätze für Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz im AZW Soziales Wien geschaffen. Mit dem Wiener Ausbildungsgeld von EUR 400 zusätzlich werden auch Umsteiger*innen motiviert.

Volkshilfe für Sofortbonus für die Leistungen
„Das sind erste ermutigende Signale in den beiden Bundesländern, aber wir brauchen rasche und auch dauerhafte Lösungen für ganz Österreich. Wir brauchen jetzt die rasche Unterstützung der Politik, um unsere Mitarbeiter*innen zu halten und die Versorgung sicherzustellen. Das bedeutet sofortige Auszahlung eines Bonus von 800 Euro an Mitarbeiter*innen, die mindestens sechs Monate seit Beginn der Pandemie im März 2020 in der Pflege und Betreuung beschäftigt waren. Denn ein großer Punkt für die Mitarbeiter*innen ist die Anerkennung ihrer Leistungen. Und diese Wertschätzung wird auch in Geld ausgedrückt“, so der Direktor der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger.

Dauerhafte Lösungen
Aber es braucht auch dauerhafte Lösungen. „Wir müssen uns fragen, ob wir jenen Menschen im Sozial- und Gesundheitsbereich, die direkt mit Klient*innen arbeiten, die eine oft mehrjährige Ausbildung haben und dabei auch ihre Persönlichkeit einbringen, ob wir als Gesellschaft diesen Menschen jene Anerkennung geben, die sie verdienen. Wir glauben nicht, und daher treten wir  als Volkshilfe für eine generelle monatliche Gehaltserhöhung von 500 Euro ein. Ab 1.1.2022 und auch für die Zeit nach der Pandemie. Denn wir brauchen bis 2030 rund 70 000 zusätzliche Pflegekräfte, die werden wir nur durch einen Mix aus anerkennender Bezahlung und verbesserten Rahmenbedingungen gewinnen“, so Präsident Sacher und Direktor Fenninger abschließend.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)