AT: VKI-Buch: 100 Medikamente im Test

(C) Dan Race

Über 50 Prozent wurden als „mit Einschränkungen geeignet“ oder „wenig geeignet“ bewertet
Wien (OTS) – Wer kurzfristig unter kleineren Beschwerden leidet, aber den Gang zum Arzt scheut, der greift nicht selten zu einem rezeptfreien Medikament aus der Apotheke. Besonders gefragt sind Schmerz- und Erkältungsmittel. Manche der Präparate sind echte Bestseller und gehen jedes Jahr millionenfach über den Ladentisch. Doch nicht alle Produkte, die sich rezeptfrei erstehen lassen, sind auch wirklich empfehlenswert. Dass ein Arzneimittel amtlich zugelassen ist, bedeutet noch nicht, dass die Anwendung grundsätzlich sinnvoll ist. „Wie verträglich ist das Mittel? Ist die Wirkstoffkombination zweckmäßig? Welche unerwünschten Wirkungen sind möglich? Hat das Medikament einen nachhaltigen Nutzen? Lindert es die Symptome?“ Solche oder ähnliche Fragen haben sich wohl schon alle Konsumentinnen und Konsumenten gestellt. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat zusammen mit einem unabhängigen Experten-Gremium 100 der gängigsten rezeptfreien Medikamente auf ihre Eignung bewertet. Die Ergebnisse hat der VKI jetzt – mit den wichtigsten Hinweisen auf Wechsel- und Nebenwirkungen – in seinem neuen Buch „100 Medikamente im Test“ zusammengestellt. Weitere Informationen, einschließlich einer Leseprobe, gibt es auf www.konsument.at/100medikamente.

Die bewerteten Präparate wurden nach Verkaufszahlen und Marktrelevanz ausgewählt. Grundlage für die Einschätzung durch das Experten‑Team waren klinische Studien aus Veröffentlichungen in anerkannten medizinischen Zeitschriften sowie die wissenschaftliche Fachliteratur. Die Eignung des Arzneimittels wurde für den Anwendungsbereich beurteilt, den der Hersteller für das Produkt angibt. Bewertet wurde auf einer vierteiligen Skala: „geeignet“, „auch geeignet“, „mit Einschränkungen geeignet“ und „wenig geeignet“.

Damit ein Präparat als „geeignet“ bewertet werden konnte, musste die therapeutische Wirksamkeit für das betreffende Anwendungsgebiet mittels aussagekräftiger Studien ausreichend nachgewiesen sein. Zudem musste sowohl eine langfristige Wirksamkeit als auch eine gute Verträglichkeit belegt sein. Für Kombinationspräparate galt zudem die Voraussetzung, dass die enthaltenen Wirkstoffe sich sinnvoll ergänzen.

Vom Prüfgremium abgewertet wurden Präparate unter anderem:

– wenn sie im Vergleich mit etablierten Standardmedikamenten weniger wirksam oder mit einem größeren Risiko von unerwünschten Wirkungen behaftet waren

– wenn sie Wirkstoffkombinationen enthielten, die gegenüber den einzelnen Komponenten keinen therapeutischen Vorteil bieten oder Zusatzstoffe enthielten, die für das Anwendungsgebiet keinen Nutzen haben

– wenn sie Konservierungsmittel enthielten, obwohl aus wissenschaftlicher Sicht gute Gründe dafür sprechen, Präparate zu verwenden, die frei von Konservierungsstoffen sind

– wenn Ihre Wirksamkeit durch die Anzahl und Qualität der vorliegenden Studien nicht zweifelsfrei belegt war

– wenn ihr therapeutischer Nutzen im Vergleich zu den Risiken zu gering war

Insgesamt konnten 39 Medikamente mit „geeignet“ und 8 mit „auch geeignet“ bewertet werden. 24 Präparate wurden als „mit Einschränkungen geeignet“ und 29 Produkte als „wenig geeignet“ eingestuft.

„Das Ergebnis zeigt deutlich: Längst nicht alle zugelassenen Medikamente sind für die vom Hersteller intendierte Anwendung auch tatsächlich sinnvoll“, resümiert Bernhard Matuschak, Projektleiter beim VKI. “Unser Buch dient der besseren Orientierung in dem doch stark von Werbung geprägten Segment der rezeptfreien Medikamente und soll die im Testmagazin KONSUMENT jeden Monat veröffentlichten Medikamentenbewertungen ergänzen.“

SERVICE: „100 Medikamente im Test“: Hrsg. Verein für Konsumenteninformation; Wien 2018; 216 Seiten; 19,90 €; weitere Informationen unter www.konsument.at/100medikamente.

Markus Golla
Über Markus Golla 3550 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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