AT: Vinzenz Gruppe geht neue Wege in der Pflegeausbildung

Die hohe Qualität des Gesundheits- und Sozialwesens kann nur mit ausreichend Mitarbeiter*innen gewährleistet werden. Die Qualität der Ausbildung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Die Vinzenz Gruppe hat die Bedürfnisse an eine moderne Pflege-Ausbildung erhoben und die Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege auf ein neues Level gehoben. Ihre Ausbildung wird praxisorientierter und digitaler.

„Wenn wir das Gesundheits- und Sozialsystem in guter Qualität aufrecht erhalten wollen, müssen wir vor allem entsprechend ausbilden und für Rahmenbedingungen sorgen, die es attraktiv machen, in diesen Berufen zu bleiben“, sagt Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe.

Praxisorientiert und flexibel

Die Vinzenz Gruppe hat eine Analyse in Auftrag gegeben, bei der im Dezember 2020 österreichweit Absolvent*innen von Pflegausbildungen online befragt wurden. Das Ergebnis: „Die neue Generation der Auszubildenden fordert modernere Unterrichtsmethoden. Die Pflegeausbildung soll praxisorientierter, flexibler und digitaler sein“, fasst Heinisch zusammen. Durchgeführt wurde die Erhebung von dem auf das Gesundheitswesen spezialisierten Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Dkfm. Dr. Christoph Zulehner, akad.LdP.

Die Analyse zeigt weiters, dass angehende Mitarbeiter*innen in der Pflege eine Ausbildung wollen, die nicht nur praxisorientiert und digital sondern auch flexibler ist. Mehr als jede*r zweite Befragte* wünscht sich die Möglichkeit eines berufsbegleitenden Studiums. Über 70 Prozent wünschen die Vermittlung von Lerntechniken, Lerngruppen und Buddy-Systeme. 97 Prozent erwarten Online-Plattformen.

„Wir wünschen uns mehr praktische Übungen als Vorbereitung für die Praktika, um Handlungsabläufe zu festigen“, formuliert Katherina Jescu einen oft geäußerten Wunsch der Betroffenen. Katherina Jescu ist Jahrgangssprecherin am Vinzentinum Wien und kennt die Bedürfnisse ihrer Studienkolleginnen*/-kollegen*. Auch Unterrichtsmöglichkeiten außerhalb der klassischen Zeiten wären hilfreich. „Für uns endet die Ausbildung nicht mit Ende der Unterrichtsstunde. Wir erwarten auch digitale Lernmöglichkeiten wie Lernvideos und Online-Vorlesungen.“

An den drei Vinzentinum-Standorten wurden auf Basis dieser Wünsche bereits zahlreiche Maßnahmen abgeleitet, darunter beispielsweise ein neues Ausbildungsgebäude in Ried/Innkreis mit modernen Hörsälen, Rechercheinseln oder einem Simulationszentrum. Auch wurden die bestehenden Lehrsäle der drei Standorte für digitalen Unterricht ausgestattet, die Infrastruktur wurde durch Content- bzw. Learning-Management-Systeme ausgebaut und erweitert.

Mehr Betreuer, mehr Begleitung

Einen besonderen Schwerpunkt legen die Einrichtungen in der Vinzenz Gruppe auf die Weiterentwicklung der Praktika. Dazu Barbara Klemensich, MBA, Vorsitzende des Pflegemanagementteams und Strategische Leitung der Ausbildungsplattform: „Mehr als ein Drittel der befragten Auszubildenden hätten sich während ihrer Ausbildung mehr Praxiserfahrung gewünscht. Das ist ein klarer Auftrag.“ Die mangelnde Vorbereitung auf die Praxis sei häufig mit ein Grund dafür, dass manche bald wieder aus dem Beruf aussteigen. „Eine hohe Qualität in der Praxisausbildung ist uns daher besonders wichtig“, so Klemensich

Daher wurden die Praktikumsplätze von 1.217 im Jahr 2020 auf 1.451 im Jahr 2021 aufgestockt. Die Anzahl der Praxisanleiter hat sich in diesem Zeitraum von 344 auf 405 erhöht. Zusätzlich soll ein breites Maßnahmenpaket den Wünschen nach mehr Praxis Rechnung tragen. So steht zum Beispiel den Auszubildenden während ihrer Praktika ein Buddy zur Seite. Klemensich: „Der Buddy hilft bei der Integration ins Team der Praktikumsstelle, ist Sparing-Partner, Ratgeber und Unterstützer.“

Die Praxisausbildung wurde zudem ganzheitlicher gestaltet: Beim Diagnose-geleiteten Praktikum im Göttlicher Heiland Krankenhaus begleiten Studierende die Patient*innen während ihrer gesamten Patienten-Journey anstatt wie bisher nur einen kleinen Ausschnitt der Betreuung kennenzulernen, zum Beispiel die Phase zwischen Operation und Entlassung. Ein neues Pilotprojekt startet im Herbst in Kooperation zwischen dem Göttlicher Heiland Krankenhaus Wien und der Fach-Hochschule-Krems: Auszubildende werden während ihres Praktikums unter Aufsicht von Pflegeprofis eine Station leiten und die Aufgaben vom Schichtdienst bis zum Management wahrnehmen.

Neu ist auch die Initiative „Job-Week“, bei der sich die Wiener Einrichtungen der Vinzenz Gruppe den Absolvent*innen des Vinzentinums als künftige Arbeitergeberinnen präsentierten.

Da sich die Pflege immer mehr spezialisiert, bietet das Vinzentinum Linz tiefgreifende Weiterbildungen für onkologische Pflege, Praxisanleitung, gerontologische Pflege sowie Pflege in Notaufnahmen an.

„Wir investieren in die Pflege-Ausbildung, weil sie entscheidend ist, um das Gesundheits- und Sozialwesen zu sichern, denn die hohe Qualität unseres Gesundheits- und Pflegesystems kann nur mit der ausreichenden Anzahl an Mitarbeiter*innen gewährleistet werden“, so Heinisch abschließend.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)