AT: Verpflichtende Aufklärungsgespräche zur Steigerung der Impfquote in Sozial- und Pflegeeinrichtungen

Impfung
(C) Markus Golla

Trotz hoher Erwartungen in die verpflichtenden Gespräche, haben sich nur 5% der bisher ungeimpften Mitarbeiter:innen unmittelbar für eine Impfung entschieden

Das Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) hat mit verschiedenen Sozial- und Pflegeeinrichtungen ein neues Projekt gestartet, um die Impfbereitschaft der Mitarbeiter:innen zu erhöhen. Unter der Leitung der wissenschaftlichen Direktorin des LBI, Dr. Maria Kletecka-Pulker, dem CO-Investigator, Dr. Thomas Wochele-Thoma sowie Elisabeth Klager, MSc von der LBI Geschäftsführung wurden im Oktober 2021 Gespräche zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz bei Impfungen durchgeführt.

Kletecka-Pulker beschreibt das Projektziel: „Im Sinne von Autonomie und Gesundheitskompetenz wurde für ungeimpfte Mitarbeiter:innen dieses niederschwellige und barrierefreie Aufklärungsangebot im Rahmen der Dienstzeit geschaffen, welches sogar die Möglichkeit von ausführlicher Aufklärung in allen Muttersprachen durch Videodolmetschen bot. Die Erwartung einer höheren Impfbereitschaft wurde leider nicht erfüllt.“

Schutzpflicht gilt im Pflegebereich als oberste Priorität

Die betroffenen Sozial- und Pflegeinrichtungen beschäftigen in etwa 6000 Mitarbeiter:innen, wovon über 80% im Oktober 2021 bereits geimpft waren. „Auch wenn dieser Anteil im bundesweiten Vergleich sehr hoch ist, bedeutet dies immer noch, dass es in diesen Einrichtungen viele ungeimpfte Mitarbeiter:innen gibt, die direkt mit vulnerablen Personen in Kontakt sind. Als Verantwortliche dieser sehr vulnerablen Personengruppen und auch gegenüber den Mitarbeiter:innen selbst ist es für die Betreiber die oberste Priorität der Schutzpflicht nachzukommen“, so Klager.

In Absprache mit Geschäftsführung, Betriebsrat und den zuständigen betrieblichen Gesundheitsstellen wurden Informationsschreiben an 573 Mitarbeiter:innen versendet, in denen auf die Ängste und Sorgen eingegangen wurde, aber auch auf den eigenen Schutz sowie den der betreuten Personen. Im Schreiben wurde verpflichtend dazu aufgefordert, sich im Rahmen der Dienstzeit über die Impfung zu informieren. Zu diesem Zweck wurde eine eigene Aufklärungsstraße in einem großen Impfzentrum eingerichtet, wo Ärzt:innen speziell dafür vorbereitet wurden. Mittels Videodolmetsch-Tool konnte auf Sorgen in jeder Muttersprache eingegangen werden.

Das ernüchternde Ergebnis: nur 5% der bis zu diesem Zeitpunkt ungeimpften Mitarbeiter:innen ließen sich unmittelbar im Zentrum impfen.

Unser Ziel ist es weiterhin, Menschen unabhängig von der kommenden Impflicht so zu erreichen, dass sie sich aufgrund von Wissen und Einsicht freiwillig für die Impfung entscheiden. Im Idealfall bewirken wir bei bisher Ungeimpften durch gezielte Maßnahmen, dass sie sich trotz Impflicht mit einem guten Gefühl impfen lassen. Dazu wollen wir in einem Folgeprojekt nun detailliert die Motive und Hintergründe erheben“, so Wochele-Thoma.

Über das Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety

Das Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut, das an der Medizinischen Universität Wien angedockt ist. Ziel ist es, dass durch die Digitalisierung der Medizin medizinische Fehler vermieden, Patient:innen sowie Health Care Professionals gestärkt und neue digitale Prozesse initiiert werden. Das Institut vereint unterschiedliche Disziplinen, von Medizin über Rechts- und Sozialwissenschaften bis zu Psychologie und spannt somit einen großen Bogen, unter dem verschiedene Projekte Platz finden, die dann ganzheitlich bearbeitet werden. Ein Fokus liegt beispielsweise auf Big Data und damit auf der Mustererkennung, der Prophylaxe und der Umsetzung personalisierter Medizin. Auch rechtliche Rahmenbedingungen für die Anwendung von Telemedizin sind aktueller denn je. Durch neue Technologien und Open-Innovation-in-Science-Ansätze gelingt es, rezente Fragestellungen unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Gemeinsam mit Expert:innen, Stakeholdern und Politiker:innen im Gesundheitsbereich sowie in der Pflege Tätigen sollen Best-practice-Lösungen entwickelt und evaluiert werden. So ist das LBI DHPS eine Anlaufstelle und Drehscheibe für Fragen zur digitalen Gesundheit und Patientensicherheit.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)