AT: Vernetzung und Austausch gegen Exklusion in den Stadtteilen

17. September 2022 | News Österreich | 0 Kommentare

Online-Veranstaltung „Stadtteilarbeit – Wege aus der Exklusion“ der Wiener Hilfswerk Nachbarschaftszentren präsentiert probate Mittel für inkludierende Gemeinschaften.

Beim Online-Vernetzungstag am 13.9.2022 diskutierten die mehr als 100 teilnehmenden Expertinnen und Experten darüber, welchen Beitrag Stadtteilarbeit/Gemeinwesenarbeit für resiliente und inkludierende Stadtteile und Gemeinschaften leisten muss. In drei Keynotes und elf Workshops brachten österreichische, deutsche, schweizer und französische Organisationen ihr Fachwissen in den aktiven Diskurs ein.

„In der Stadtteilarbeit haben wir es oftmals mit komplexen Problemen zu tun, die nicht mit eleganten Lösungen beantwortet werden können. Warum nicht? Bei komplexen Sachverhalten gibt es zwischen den Betroffenen keinen Konsens über die Natur des Problems sowie über die Art der Lösung, die sowohl in sozialer als auch in technischer Hinsicht schwierig zu entwickeln ist. Hier müssen wir uns herantasten und mit Netzwerken und neuen Ansätzen Seite an Seite an diesen möglichen Lösungen arbeiten. Wer hier nach Eleganz strebt, hat den Weg bereits aus den Augen verloren“, so Dr. Harald Katzmair, Ph.D., Direktor von FASresearch in seiner Keynote.

Wie historisch mehr Inklusion in den Stadtteilen geschaffen wurde, erklärte Dr.in Elisabeth Malleier in ihrer Keynote:„Grundsätzlich ist es immer darum gegangen, Offenheit gegenüber Neuankömmlingen, Menschen in schwierigen materiellen und rechtlichen Situationen (Aufenthaltsrechte, Antisemitismus) zu zeigen und sie zu unterstützen bzw. Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.“

Kooperation und Miteinander sind probate Mittel gegen Exklusion. Deshalb sind Möglichkeiten des Austausches und der Vernetzung in der Stadtteilarbeit essentiell“, hebt Mag.a Verena Mayrhofer Iljić, Leiterin des Hilfswerk Nachbarschaftszentrum 16, die Bedeutung eines aktiven Dialogs in der Stadtteilarbeit hervor, „denn um Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden, bedarf es der Zusammenarbeit vieler Playerinnen und Player.“

Beteiligung am aktuellen Diskurs – über den Online-Vernetzungstag hinaus

Auch FH-Prof. Christoph Stoik, MA ist der aktuelle Diskurs gegen Exklusion in den Stadtteilen ein großes Anliegen. Die komplexen Herausforderungen sowie den Weg zu mehr Inklusion in den Stadtteilen skizziert er so: „Gesellschaftliche Spaltungen und Ausschlüsse verschärfen sich aktuell auf vielen Ebenen: wachsende soziale Ungleichheiten auch aufgrund der aktuellen ökonomischen Entwicklungen, politische Ausschlüsse von Menschen mit Migrationsgeschichten, die nicht wählen dürfen, obwohl sie hier leben, und diskursive Spaltungen, wo Konkurrenz über den Prinzipien der Kooperation und der demokratischen Aushandlung steht. Stadtteilarbeit ist da mitten drinnen und erlebt diese Entwicklungen, weil sie nahe bei den Bedürfnissen von Menschen ist. Projekte, die solidarische Selbsthilfe und -organisation sowie Formen solidarischer Subsistenzwirtschaft unterstützen, aber auch die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Menschen fördern, greifen diese Fragen auf. Aber sie können nur zu Inklusion führen, wenn diese Fragen auch gesellschaftliche Veränderungen auslösen – wieder mehr hin zu Kooperation und gesellschaftlicher Solidarität.“

Fachinputs und Expertenwissen

Folgende Expertinnen und Experten aus der Stadtteilarbeit/Gemeinwesenarbeit stellten in elf Workshops ihre Projekte und Ideen vor und tauschten sich mit den Teilnehmenden aus:

IFS Fostering Social Justice, Fonds Soziales Wien, Lokale Agenda 21, Caritas Stadtteilarbeit,Gebietsbetreuungen Stadterneuerung, StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt, „Mobile Stadtteilarbeit“ VskA Berlin, Quartier- und Freiwilligenarbeit – Stadt Opfikon, Produktionskollektiv Wien, Wiener Hilfswerk Nachbarschaftszentren

Vernetzungstag 2023

Der Vernetzungstag findet seit 2021 jährlich statt und wird von den Hilfswerk Nachbarschaftszentren als Online-Veranstaltung organisiert. Das Ziel ist ein fortführender Diskurs mit Expertinnen und Experten, die sich im Rahmen der Stadtteilarbeit/Gemeinwesenarbeit engagieren oder in diesem Bereich lernend, forschend oder wissenschaftlich tätig sind. 2021 fiel der Startschuss zum Thema „Resilienz im Zusammenleben“. Für den Online-Vernetzungstag 2023 können sich Interessentinnen und Interessenten bereits vormerken lassen.
Nachlese und Anmeldung für 2023: https://nachbarschaftszentren.at/vernetzungstag

Hilfswerk Nachbarschaftszentren

Seit über 40 Jahren sind die zehn Wiener Hilfswerk Nachbarschaftszentren Orte der Begegnung für Menschen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und sozialer Schichten. Mit 60 hauptamtlichen und mehr als 1.100 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind die Hilfswerk Nachbarschaftszentren überparteilich und überkonfessionell. Respekt, Akzeptanz, Gleichberechtigung und Teilhabe sind ihre Grundsätze. Die Stadt Wien fördert die Nachbarschaftszentren des Wiener Hilfswerks.
Weitere Informationen: www.nachbarschaftszentren.at

Wiener Hilfswerk

Das Wiener Hilfswerk ist eine gemeinnützige, soziale Organisation, die im Bereich der mobilen Pflege- und Sozialdienste, in der Kinderbetreuung sowie in der Wohnungslosen- und Flüchtlingshilfe tätig ist. Es betreibt Tageszentren für Seniorinnen und Senioren, Seniorenwohngemeinschaften, Nachbarschaftszentren, Freizeiteinrichtungen für Menschen mit und ohne Behinderung sowie Sozialmärkte. Das Wiener Hilfswerk beschäftigt mehr als 2.000 haupt- und ehrenamtliche sowie freiwillige Mitarbeiter/innen.
Weitere Informationen: www.wiener.hilfswerk.at

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)