AT: TOLEDO-Studie belegt signifikante Reduktion der OFF-Zeiten

TOLEDO-Studie belegt signifikante Reduktion der OFF-Zeiten

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Brunn am Gebirge, 12. November 2018 – Die neuen Daten der Phase-III Studie TOLEDO zeigen, dass Apomorphin eine effektive Verbesserung der belastenden OFF-Zeiten bei Parkinson-PatientInnen bewirkt, deren motorische Fluktuationen mit oraler Medikation nicht zu kontrollieren sind. Die Ergebnisse der ersten randomisierten, multizentrischen, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie zur Apomorphin-Infusion schließen endlich die wissenschaftliche Evidenzlücke und wurden im Juli in „Lancet Neurology“ [1] publiziert.

Der Dopamin-Agonist Apomorphin (APO-go®) kommt in der Therapie motorischer Komplikationen bei Morbus Parkinson-PatientInnen zum Einsatz – zu einem Zeitpunkt, wenn orale Antiparkinson-Medikamente wie Levodopa aufgrund von Wirkungsschwankungen nicht mehr ausreichen. Mit der Krankheitsdauer nehmen die OFF-Phasen zu, die sich in Summe auch über mehrere Stunden pro Tag ziehen können. Diese Phasen der eingeschränkten Beweglichkeit, die bis zur Bewegungsunfähigkeit gehen kann, stellen für die PatientInnen oft eine enorme Belastung dar. Orales Levodopa verursacht bei langfristiger Einnahme zudem medikamenteninduzierte unwillkürliche Überbewegungen (Dyskinesien). „Die kontinuierliche subkutane, minimal-invasive Verabreichung mittels Minipumpe ist eine etablierte Therapie für diese PatientInnen“, so Priv.-Doz. Dr. Regina Katzenschlager, Leiterin der Abteilung für Neurologie am Sozialmedizinischen Zentrum Ost, Donauspital Wien. „Offene Studien sowie jahrelange klinische Erfahrung haben gezeigt, dass Apomorphin OFF-Zeiten verringert, Dyskinesien verbessert sowie die Levodopa-Dosis reduziert. Bestätigende Beweise aus randomisierten, kontrollierten Studien fehlten jedoch bisher.“

Im Rahmen der TOLEDO-Studie, der ersten randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie zur Apomorphin-Infusionstherapie, wurden deshalb nun die Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit der subkutanen Apomorphin-Infusion untersucht. [1] 107 PatientInnen aus 23 Zentren in sieben Ländern, bei denen die Parkinson-Krankheit vor mehr als 3 Jahren diagnostiziert wurde und die motorische Schwankungen mit mindestens drei Stunden täglicher OFF-Dauer hatten, wurden in die Studie aufgenommen. Sie erhielten über einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder eine subkutane Apomorphin-Infusion (n=53) oder eine Placebo-Kochsalzlösung (n=53).

Primärer Endpunkt erreicht: OFF-Zeit-Reduktion um fast 2 Stunden größer als mit Placebo

Der primäre Endpunkt war die absolute Änderung der täglichen OFF-Dauer. Die 12-wöchige Apomorphin-Behandlung bewirkte eine signifikante Reduktion der OFF-Zeit im Vergleich zu Placebo: -2,47 Stunden/Tag gegenüber -0,58 Stunden/Tag. Das ist ein Unterschied von fast zwei Stunden täglich (p=0,0025), was von Parkinson PatientInnen als bedeutend angesehen wird. Diese Reduktion war bereits in der ersten Behandlungswoche zu beobachten und hielt die gesamte Studiendauer über an. Auf der anderen Seite wurde im Vergleich zu Placebo eine erhebliche Steigerung der Zeit im ON (Zeiträume mit guter motorischer Kontrolle) ohne störende Dyskinesien beobachtet. Die Zunahme „guter“ ON-Zeit betrug 2,77 Stunden/Tag gegenüber 0,80 Stunden/Tag mit Placebo (p=0·0008).

Die PatientInnen konnten außerdem die Dosis und Anzahl gleichzeitig eingenommener oraler Parkinson-Medikation erheblich reduzieren (p=0,0014). Apomorphin wurde ohne unerwartete Sicherheitssignale gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen einer Apomorphin-Pumpentherapie sind milde bis mäßige Hautreaktionen. Nur sechs PatientInnen der Apomorphin-Gruppe zogen sich wegen unerwünschter Ereignisse aus der Studie zurück. Die klinischen Verbesserungen wurden auch in der Einschätzung der PatientInnen selbst bestätigt: Erheblich mehr PatientInnen, die eine Apomorphin-Infusion erhalten hatten, beurteilten ihren Zustand als „verbessert“ (71%) gegenüber Placebo-PatientInnen (18%; p<0,0001).

Basis für breiteren Einsatz geschaffen

Studienleiterin Katzenschlager kommentiert die Studienergebnisse: „Die Infusion von Apomorphin ist effektiv und wird von PatientInnen gut vertragen, bei denen trotz optimierter Standardtherapie keine ausreichende Kontrolle der motorischen Wirkungsschwankungen erzielt werden kann. TOLEDO bietet erstmals Level 1-Evidenz und bestätigt die früheren Beobachtungsstudien.“

Univ.-Prof. Dr. Werner Poewe, Co-Autor der bahnbrechenden Studie und Leiter der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck, ergänzt: „Apomorphin wird sowohl in den nationalen wie internationalen Leitlinien als auch in den Konsensuspapieren der Österreichischen Parkinsongesellschaft als Therapieoption empfohlen. Dennoch wird Apomorphin immer noch zu wenig in der Routinebehandlung eingesetzt. Durch die positiven Ergebnisse von TOLEDO hoffen wir, dass die Therapie nun deutlich mehr PatientInnen zugänglich gemacht werden wird.“

Die APO-go®-Ampullen (AMP) und -Fertigspritzen (PFS) sind in der Gelben Box (RE1) des Erstattungskodex gelistet.

Quelle: „Apomorphin in der Therapie des Morbus Parkinson“, Symposium der Fa. Grünenthal im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Parkinson Gesellschaft am 8. November 2018, Linz

Markus Golla
Über Markus Golla 3549 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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