AT: Testen und Impfen – Fakten statt Mythen

Im Kampf gegen das Coronavirus sollten wir uns vor Augen halten, dass wir durch Impfungen schon Siege über viele andere Erkrankungen errungen haben.

v.l.n.r.: Mag. Dr. Christiane Körner (Präsidentin des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung), Univ. Prof. Dr.med. Ursula Kunze (Institut für Sozialmedizin, Medizinische Universität Wien), Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, MD, DTM (Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie Medizinische Universität Wien)

Über bestehende und neue Tests, die neuen Impfstoffe, was sie bewirken, wer besonders davon profitiert und wann sie die Auswirkungen der Pandemie beenden können, informierten folgende Referentinnen und Referenten:

Univ. Prof. Herwig Kollaritsch

„Sie alle kennen die Erfolgsstories rund ums Impfen. Ob es die Ausrottung der Pocken, die weitgehende Elimination der Kinderlähmung und das Zurückdrängen diverser Kinderkrankheiten wie Diphtherie oder Keuchhusten in die Bedeutungslosigkeit ist: Impfungen haben ihren Nutzen für die Gesundheit der Menschheit längst bewiesen. Paradoxerweise sind Impfungen aber zum Teil Opfer ihres Erfolges geworden: Wir sehen heute die meisten Infektionskrankheiten nicht mehr, gegen die wir impfen. Es fehlt uns der Bezug zu dem Leid, welches sie früher verursacht haben.

Bei der Impfung machen wir nichts anderes, als einen natürlichen Vorgang zu imitieren. Dieser besteht darin, dass das Immunsystem Keime, die in unseren Körper eindringen, bekämpft. Das lässt sich unter kontrollierten Bedingungen künstlich nachbauen, ohne dass man krank davon wird. Bei der Impfung geben wir dem Immunsystem gewissermaßen den Steckbrief des Virus bekannt. Dadurch kann der „Bösewicht“ schneller erkannt und dingfest gemacht werden.

Bei der Covid 19-Impfung ist die Schutzwirkung beachtlich. Statistisch gesehen kann man bereits mit fünf Impfungen gegen Covid 19 einen Krankheitsfall und mit 450 geimpften Personen einen Corona-Todesfall vermeiden. Zum Vergleich: Bei der Influenza müsste man 2000 Personen impfen, um eine Hospitalisierung einer einzigen Person zu verhindern. Jede Impfung, die in Österreich verimpft wird, ist sicher und wirksam.

Nach einer Impfung werden Sie sich vielleicht ein bis zwei Tage müde fühlen und vielleicht Kopfschmerzen haben. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei bis zu 90 Prozent. Das ist eine normale Reaktion des Körpers. Das Immunsystem wird dadurch nicht geschwächt, sondern angekurbelt.

Wenn Sie nun über Ihre Impfentscheidung nachdenken, ist der entscheidende Punkt: Was wiegt schwerer? Die geschilderten Folgen einer Erkrankung oder der Nutzen, den Sie aus der Impfung ziehen? Die Impfung läuft unter kontrollierten, nicht krankheitsauslösenden Bedingungen ab. Eine tatsächliche Erkrankung nimmt dagegen einen nicht planbaren Verlauf, dessen Ausgang und die auch mögliche Langzeitfolgen sind ungewiss.“

Univ.-Prof. Dr. Susanne Spitzauer

„Beim PCR-Test wird das Erbgut des Coronavirus molekularbiologisch nachgewiesen. Dafür wird eine Probe mittels Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum oder durch Gurgeln mit Kochsalzlösung entnommen, die im Labor untersucht wird. Je nach Hersteller dauert die Testdurchführung ein bis vier Stunden. Es ist nach wie vor der empfindlichste und genaueste Test, der zur Verfügung steht (Goldstandard).

Dieser Test kann ein negatives Ergebnis anzeigen, wenn die Übertragung erst ganz frisch erfolgt ist, daher sollte dieser bei klinischem Verdacht nach vier Tagen wiederholt werden. Nasen-Rachen-Abstriche sollten nur von fachlich geschultem Personal durchgeführt werden. Gurgeltests können vom Patienten/Probanden selbst auch zu Hause durchgeführt werden.

Antigen-Schnelltests sind immunologische Tests bei denen ein Protein des Virus nachgewiesen wird. Die chemischen Substanzen für den Nachweis sind im Testkit enthalten. Damit benötigt der Antigen-Schnelltest keine Laborauswertung, sondern liefert schnell ein Ergebnis – meist schon nach 15 bis 30 Minuten. Antigen-Schnelltests auf COVID 19 funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Anstelle von Hormonen – als Zeichen einer Schwangerschaft – weisen diese Testkits die Eiweiße eines Virus nach. Antigen-Schnelltests sind für die Verwendung an Patienten mit Krankheitssymptomen und Verdacht auf COVID 19-Infektion entwickelt und getestet worden.

Aufgrund der geringeren Sensitivität (Empfindlichkeit) kann es zu falsch negativen Ergebnissen kommen. Die Trefferquote (Sensitivität) liegt hier, je nach Hersteller, zwischen 0 und 90 Prozent. Die meisten Antigen-Schnelltests benötigen als Probe einen Nasen-Rachen-Abstrich, es gibt aber auch einzelne Hersteller, die mit Speichelproben bzw. Abstrichen aus dem vorderen Bereich der Nase arbeiten.

Der neue Antigen-Selbsttest „Anterio-Nasal-Tests“ der zukünftig in Schulen zum Einsatz kommen soll konnte in unserem Labor bisher noch nicht evaluiert werden, daher können wir noch keine Aussage in Bezug auf die Trefferquote (Sensitivität) machen.

Antikörper-Tests dienen dem Nachweis eines Kontaktes mit dem Virus und/oder einer durchgeführten Impfung. Quantitative Antikörper-Tests, die in einem medizinischen Labor durchgeführt werden verfügen über einen hohen Grad an Sensitivität und Spezifität, wohingegen Antikörper-Schnelltests (Lateral-Flow) nur eine eingeschränkte Sensitivität und Spezifität aufweisen und daher nicht zu empfehlen sind. Im Allgemeinen werden frühestens 8 bis 14 Tage nach Beginn der Symptome Antikörper gebildet, die aber über lange Zeit (mehrere Monate) nachweisbar sind.“

Univ. Prof. Dr.med. Ursula Kunze

„Auch wenn die Nachfrage nach der Impfung derzeit groß scheint, sind viele Menschen noch unentschlossen oder wollen abwarten, und ein erheblicher Anteil will sich nicht impfen lassen. Es gibt große Mengen an Information und jeden Tag kommen neue Erkenntnisse hinzu. Da kann es schwerfallen, den Überblick zu bewahren. Die verständliche Beantwortung von Fragen zur Impfung ist ein wichtiger Eckpfeiler in der Entscheidungsfindung.

Zusätzlich helfen vielleicht folgende Überlegungen: Welche Alternativen haben wir bei der Bekämpfung der Pandemie? Wie viele Lockdowns soll es noch geben und wie lange kann das gut gehen? Die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen wären verheerend, und sind jetzt schon schlimm genug (Stichwort „Kollateralschäden“).

Jede/r sollte sich genau überlegen, was sich in seinem/ihrem Leben ändert, wenn man geimpft ist und im Idealfall auch die Familie die Impfung erhalten hat. Wie schön wäre es z.B., die alten Eltern wieder sorglos treffen und umarmen zu können oder mit Freunden einen gemütlichen Abend zu verbringen?“

Mag. Dr. Christiane Körner

Die Impfung erfolgt in den Muskel, die Bestandteile dringen nicht in den Zellkern ein. Bei einem Befall durch das Covid 19 -Virus können die Lunge, die Leber,das Herz, das Gehirn, der Darm , ja sogar das Nervensystem betroffen sein.

Die Impfung – mit einer möglichen leichten Impfreaktion – ist auf jeden Fall einer Erkrankung vorzuziehen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt was passiert, wenn wir dem Virus schutzlos ausgeliefert sind. Mit den neuen Impfstoffen gegen Covid 19 können wir die notwendige breite Immunisierung der Bevölkerung erreichen und die Pandemie, mitsamt ihren sozialen, wirtschaftlichen und oft letalen Folgen, wäre für uns alle beendet.

Meine Bitte an Sie: Fürchten Sie sich bitte nicht vor der Covid-19-Schutzimpfung , sondern vor dem, was Ihnen ohne die Impfung passieren kann. Und: Wenden Sie sich bei Fragen an den Arzt oder Apotheker Ihres Vertrauens!“

Über VFI

„Der Verein zur Förderung der Impfaufklärung (VFI) hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen Halbwissen und Vorurteile, vor allem aber gegen unbegründete Sorgen und Ängste rund um das Thema Impfung anzutreten“, erklärt Frau Dr. Körner abschließend. „Die Basis unserer Tätigkeit sind weltweit anerkannte wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse: Impfungen zählen zu den wirksamsten Erfindungen der Medizin!

Mit Impfungen haben Mediziner ein Mittel zur Hand, das Krankheiten verhindern kann!

Trotzdem steigt die Impfskepsis leider an. Möglicherweise, weil wir durch der Erfolg der Impfungen manche Krankheitsbilder heute gar nicht mehr kennen. Leider gibt es auch immer mehr Personen, die mehr Angst vor Nebenwirkungen haben, als vor der Krankheit selbst. Dagegen treten wir mit breiten Aufklärungs- und Informationsschwerpunkten an. Und wir hoffen auf Ihre Unterstützung. Vielen Dank.“

Markus Golla
Über Markus Golla 8794 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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