AT: Tag der pflegenden Angehörigen: Caritas für mehr Entlastungsangebote pflegender Angehörige und eine rasche Fortsetzung der Pflegereform

11. September 2020 | News Österreich | 0 Kommentare

Landau: „Die Corona-Krise zeigt deutlich: Die pflegenden Angehörigen müssen stärker unterstützt werden, damit sie in diesen herausfordernden Zeiten gut aufgefangen werden!“

Wien (OTS) – Anlässlich des Tages der pflegenden Angehörigen am 13. September bedankt sich Caritas Präsident Michael Landau bei den pflegenden Angehörigen und appelliert an die Regierung, die angekündigte Pflegereform schnell umzusetzen: „Die Angehörigen haben uns durch die vergangenen anstrengenden Wochen getragen. Nach der ersten Corona Etappe haben wir zwar vieles bewältigt, die Nachwehen sind aber enorm und werden uns noch länger begleiten. Umso wichtiger ist es, dass die Pflegereform, die im Sommer mit dem digitalen Beteiligungsprozess gestartet ist jetzt zügig fortgesetzt wird. Pflegende Angehörige müssen entlastet und Betroffene stärker unterstützt werden.“

Entlastung für pflegende Angehörige schaffen

Landau zieht weiter Resümee: „Die Corona-Krise hat uns in den letzten Monaten vor Augen geführt, was wir schon bislang stets betont haben: Das Pflegesystem wäre ohne den unermüdlichen Einsatz von pflegenden Angehörigen als wichtigster Betreuungs- und Pflegedienst der Nation nicht organisierbar.“ In Österreich werden ca. 80% aller pflegebedürftigen Menschen von Angehörigen und anderen nahestehenden Personen Zuhause betreut und gepflegt. In der Krisenzeit dürfte sich diese Zahl nochmals vergrößert haben. Vor diesem Hintergrund waren die letzten Monate nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Ausnahmesituation für diese Menschen. „Die Corona-Krise zeigt deutlich: Die pflegenden Angehörigen müssen stärker unterstützt werden, damit sie in diesen herausfordernden Zeiten gut aufgefangen werden und nicht unter der zusätzlichen Last zusammenbrechen“, so Landau.

Digitalisierungsfonds für Beratungsangebote

In der aktuellen Krisenzeit fallen viele wichtige Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige, wie etwa psychosoziale Angehörigengruppen oder entlastende Besuchsdienste, weg. Um eine Eskalation der Situation zu verhindern, mussten die aktuellen Angebote daher mitunter angepasst werden. Entlastungsangebote, wie etwa intensivierte telefonische Beratung und Abklärung, Video-Telefonie und ähnliche Hilfsangebote stellen ein wichtiges Auffangnetz für pflegende Angehörige in der Krisenzeit dar. „Wir brauchen einen Digitalisierungsfonds für die Pflege“, fordert Landau. „Neben der Arbeitsalltagserleichterung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, können digitale Unterstützungsangebote pflegenden Angehörigen zugutekommen. Außerdem gibt es zahlreiche Technologien, die es ermöglichen können so viel wie möglich daheim und ambulant und so viel wie nötig stationär gepflegt zu werden.“

Situation für pflegende Angehörige muss sich langfristig verbessern

Doch auch abseits der Krise muss die Situation für pflegende Angehörige durch weitreichende Maßnahmen verbessert werden. „Es braucht eine Finanzierung von flächendeckender Unterstützung und Beratung für pflegende Angehörige österreichweit“ sagt Landau, „Denn: Ausreichend Erholung und Pflegeauszeiten sind essentiell, um auch die Gesundheit der pflegenden Angehörigen selbst zu schützen.“

Die Caritas sieht die folgenden Punkte als erforderlich, um die Situation für pflegende Angehörige langfristig zu verbessern:

  • Niederschwellige, digitale Beratungsmöglichkeiten, sowohl bei Informationsberatung als auch psychosozialer Beratung,
  • Unterstützungsangebote unter pflegenden Angehörigen bekannt machen,
  • verbesserte Entlastungsangebote durch den Ausbau von zeitlich flexiblen mobilen Diensten,
  • stundenweise leistbare Betreuungsangebote, Halbtages- oder Ganztagesbetreuung,
  • Kurzzeitpflege sowie Tageszentren mit flexiblen Öffnungszeiten – auch an Wochenenden und Feiertagen.
  • Rechtsanspruch auf Ersatzpflege – insbesondere in Form eines Anspruchs auf finanzielle Unterstützung bei Urlaub oder Erkrankung des pflegenden Angehörigen.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)