AT: Stimmungsbild nach einem Jahr COVID-19 Maßnahmen

Aktuelle Umfrage ortet geringe „COVID-Müdigkeit“

Coronavirus Covid19
(C) Creative Wonder

Gemeinsam mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) führte die Medizinische Universität Graz im April und Mai 2021 eine repräsentative telefonische Umfrage in Kärnten durch, um das „Stimmungsbild“ hinsichtlich der COVID-19 Präventionsmaßnahmen einzufangen. Diese Daten liefern wichtige Ansatzpunkte für ein weiteres Krisenmanagement, wie es etwa in den Herbst- und Wintermonaten wieder auf uns zukommen könnte. Die Studie „COVI-Ad“ wurde vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz finanziert und umfasste insgesamt 500 Personen.

Umfrage schafft wertvolle Möglichkeit die Bedürfnisse vor Ort besser zu verstehen

Wissenschafter*innen der Med Uni Graz rund um Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, und Alexander Avian, Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Dokumentation, haben gemeinsam mit Daniela Schmid, Institut für Infektionsepidemioloige & Surveillance von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), in Kärnten erhoben, wie im Befragungszeitraum die Stimmung betreffend die COVID-19 Präventionsmaßnahmen war. „In dieser Befragung verfolgten wir das Ziel, durch persönliche Gespräche mit den Kärntner*innen eine fundierte und umfassende Information über deren Sichtweise zu erhalten und vor allem auch die nicht-Internet affine Bevölkerung zu erreichen“, betont die Studienleiterin Andrea Siebenhofer-Kroitzsch.

Aspekte, wie beispielsweise die Angst sich mit COVID-19 zu infizieren oder das Vertrauen in Entscheidungsträger*innen, können unabhängig von aktuell gültigen Regelungen direkt Einfluss auf das Verhalten in der Bevölkerung nehmen. „Erkenntnisse über die genauen Zusammenhänge und Einflussfaktoren könnten im Bedarfsfall einen wichtigen Beitrag für strategische Überlegungen für die kommende Herbst- und Wintersaison leisten“, ergänzt die Studienleiterin. Sektionschefin Katharina Reich aus dem Gesundheitsministerium zeigt sich erfreut: „Für uns ist das Feedback der Menschen immens wichtig für die Evaluierung unserer Maßnahmen, damit wir auch zukünftige Herausforderungen gemeinsam meistern.“ Ilse Oberleitner, Landessanitätsdirektorin des Landes Kärnten, zeigt sich dankbar, dass Kärnten als erstes Bundesland in Österreich an der Erhebung teilnehmen durfte, da die Kenntnis der Beweggründe für die unterschiedliche Akzeptanz von COVID-19-Maßnahmen die Basis für die Motivation zu risikoreduzierendem Verhalten ist.

Die Erhebung und Auswertung der Einflussfaktoren auf das individuelle Verhalten unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in der COVID-19 Pandemie waren die zentralen Themen dieses KAP-Survey (Knowledge – Attitude – Practice). Erste Ergebnisse zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung zumindest einmal getestet ist und die „Corona-Müdigkeit“ weit geringer ist, als man es nach über einem Jahr in der Pandemie annehmen würde. Die Gesamtauswertung der Umfrageergebnisse wird für den Sommer erwartet.

Auch Nichttester lassen sich gewinnen

Über 90% der Bevölkerung waren zum Befragungszeitpunkt zumindest einmal getestet worden. „Aber für uns von Interesse war gerade die Gruppe der bislang noch nicht Getesteten“, erläutert Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, „denn nur so können wir verstehen, warum sich jene bislang noch nie testen ließen.“ Von den Gründen derer, die noch nicht getestet wurden, wurde am häufigsten die Skepsis bezüglich der Aussagekraft des Tests genannt. Weiters wurden als Gründe angegeben, dass die Befragten symptomlos waren bzw. nicht vorhatten andere Personen zu treffen. Einige Personen aus der Gruppe, die bislang an keinem Test teilnahmen, gaben jedoch an, dass sie sich testen lassen würden, um beispielsweise Risikopersonen zu schützen oder Freunde treffen zu können.

Große Solidarität mit Risikogruppen

Immerhin rund 75% der Befragten sind auch nach über einem Jahr der Pandemie bereit sich einzuschränken, um die COVID-19 Risikogruppen zu schützen. Hierzu zeigten sich keine Unterschiede im Geschlecht und dem Bildungsgrad, jedoch beim Alter sah man, dass die Bereitschaft bei jüngeren zwar etwas geringer als bei älteren Personen war, aber noch immer 65,2% der unter 25-Jährigen zu Einschränkungen bereit sind. Ein knappes Drittel hat sogar noch keine Anzeichen einer Übersättigung des Themas, wobei sich ebenfalls kein Unterschied im Geschlecht, jedoch beim Alter und in der Bildung zeigte. Die Gruppe derer, die am zugänglichsten für aktuelle Informationen im Zusammenhang mit COVID-19 ist, waren die 55 bis 64-Jährigen sowie jene mit dem höchsten Bildungsabschluss.

Ergebnisse sollen zukünftige Strategie im Krisenmanagement optimieren

„Zusammenfassend ging es uns in diesen Interviews mit 500 Personen darum zu verstehen, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass sich die Bevölkerung an die Maßnahmen hält bzw. nicht hält. Dafür wurden u.a. Aspekte wie die wahrgenommenen Vorteile bzw. Nachteile, die das Befolgen der Maßnahmen mit sich bringt, aber auch die Einschätzung der Gefahr, sich zu infizieren, das Vertrauen in Institutionen sowie weitere Parameter erhoben“, fasst die Studienleiterin zusammen. Daniela Schmid vom Institut für Infektionsepidemioloige & Surveillance von der AGES erwartet bereits die finalen Auswertungen im Sommer: „Die Ergebnisse können verknüpft mit den epidemiologischen Daten wie Clusterdaten einen Beitrag zur Klärung der Verbreitungsdynamik und des Verbreitungsrisikos leisten.“

Das Beispiel zeigt, dass es möglich ist, mit einem Telefoninterview auch Personen zu erreichen, die sich nicht an die Maßnahmen halten, um so diese Gruppe besser zu verstehen. Ein wichtiges vorläufiges Ergebnis ist, dass Personen, die sich bisher nicht testen ließen, durchaus dazu bereit sind, wenn es darum geht Risikogruppen zu schützen und Freunde zu treffen. „Auch nach über einem Jahr mit COVID-19 zeigt sich, dass die Solidarität in der Gesellschaft sehr hoch ist“, freut sich die Studienleiterin.

Steckbrief: Andrea Siebenhofer-Kroitzsch

Andrea Siebenhofer-Kroitzsch ist Professorin für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung sowie Vorständin des Instituts für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (IAMEV). An der Med Uni Graz beschäftigt sie sich mit der Anwendung von Forschungsmethoden der Versorgungsforschung, der evidenzbasierten Medizin und der qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung in der Allgemeinmedizin und bei chronischen Erkrankungen. Sie ist auch Professorin für chronische Krankheit und Versorgungsforschung und stellvertretende Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen