AT: Social Egg Freezing: Moderne Technologie für selbstbestimmte Familienplanung

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Wien, 24. Juni 2019 – Im Vorfeld des Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin diskutierten Experten auf einer von Gedeon Richter organisierten Podiumsdiskussion das präventive Einfrieren von unbefruchteten Eizellen, ein Verfahren, das in Europa auf dem Vormarsch ist.1 In Österreich ist „Social Egg Freezing“ allerdings nicht erlaubt, außer es liegt ein medizinischer Grund vor, der eine spätere Schwangerschaft auf natürlichem Weg unwahrscheinlich macht. Junge Eizellen einfrieren, um sie später zu nutzen – eine leidenschaftliche Debatte um das Recht auf selbstbestimmte Familienplanung, die immer wieder aufflammt.

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Das Durchschnittsalter der Frauen bei Geburt ihres ersten Kindes liegt in den EU-Ländern bei 30,7 Jahren. Noch vor zehn Jahren kam das erste Kind um ein Jahr früher, mit durchschnittlich 29,7 Jahren, zur Welt. Österreich folgt diesem Trend und liegt genau im EU-Schnitt.2 „Die Gründe für eine immer spätere Mutterschaft sind zum einen längere Ausbildungszeiten und dadurch ein späterer Karrierebeginn. Vor allem aber ist häufig das Fehlen des richtigen Partners ausschlaggebend, um mit der Familienplanung noch zu warten“, weiß der Gynäkologe Dr. Mathias Brunbauer. Er leitet die Klinik „Wunschkind“ in Wien und kennt das Bedürfnis vieler Frauen, ihre Lebensplanung aktiv gestalten zu dürfen.

Das sogenannte „Social Egg Freezing“ bietet Frauen, die sich ihren Kinderwunsch in jungen Jahren nicht erfüllen können oder wollen, die Möglichkeit für eine geglückte spätere Schwangerschaft. „Social Egg Freezing bedeutet, dass sich junge Frauen ihre Eizellen präventiv einfrieren lassen. Dadurch stehen sie zu einem späteren Zeitpunkt für eine künstliche Befruchtung zur Verfügung“, erklärt der Spezialist. „Die Erfolgsraten sind sehr gut: 60 bis 85 Prozent aller Frauen, die tiefgefrorene Eizellen für eine künstliche Befruchtung einsetzen, werden schwanger.“ Dieses Verfahren ist in Europa auf dem Vormarsch – in Österreich hingegen gelten gesetzliche Einschränkungen: „Es muss ein medizinischer Grund, wie beispielsweise eine bevorstehende Chemotherapie oder Endometriose, vorliegen, der eine spätere Schwangerschaft auf natürlichem Weg unwahrscheinlich macht.“

Frauen unter Druck

Vorsorglich Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ist ein Thema, das immer wieder sehr kontroversiell diskutiert wird – ist es ein Recht der Frau, ihre Familienplanung zu optimieren oder ist Social Egg Freezing ein Trend wider die Natur? Eine Expertengruppe setzte sich im Vorfeld des ESHRE (European Society of Human Reproduction and Embryology)-Kongresses, der von 23.-26. Juni heuer in Wien stattfindet und zu dem rund 12.000 Experten aus aller Welt erwartet werden, mit der Frage auseinander, ob der Erhalt der Fruchtbarkeit tatsächlich dazu beitragen kann, den Druck zu lindern, dem Frauen in den Zwanzigern und Dreißigern heute ausgesetzt sind.

„Ich möchte sicherstellen, dass jede Frau, die Kinder will, auch Kinder bekommen kann“, sagte Joyce Harper, Professorin für Reproduktionswissenschaft am UCL-Institut in London. In Großbritannien ist Social Egg Freezing erlaubt. „Die Fruchtbarkeit einer Frau nimmt ab Mitte dreißig ab. Es ist wichtig, dass wir Frauen aufklären und sie dabei unterstützen, die beste Entscheidung für sich und ihre zukünftige Familie zu treffen.“

Das Ticken der biologischen Uhr

Jede Frau wird mit einer fixen Anzahl – eine halbe bis eine Million – von Eizellen geboren, die bei der Geburt bereits ausgebildet sind und sich nicht mehr vermehren. Ab der Pubertät beginnen die Eizellen heranzureifen. Pro Monat stehen hunderte zur Verfügung, doch nur eine reift heran und kann theoretisch befruchtet werden. Alle anderen gehen kaputt. Je älter eine Frau wird, desto weniger Eizellen hat sie somit zur Verfügung. „Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass die Eizellen im Körper über so lange Zeit gespeichert und gelagert werden können, ohne Schaden zu nehmen“, sagt Brunbauer. Bis zum 35. Lebensjahr hat eine Frau meist sehr gute Eizellen und damit eine gute Chance auf Schwangerschaft. Danach nimmt sowohl die Quantität als auch die Qualität ab. Gleichzeitig steigt die Gefahr von genetischen Defekten. „Bei einer 30-jährigen Frau ist etwa jede vierte Eizelle chromosomal gesund. Im Alter von 40 Jahren ist nur mehr jede sechste bis achte Eizelle in einwandfreiem Zustand“, so der IVF-Experte. Dr. Brunbauer: „Social Egg Freezing trägt zur Selbstbestimmung der Frau bei. Lassen wir ihr doch die Möglichkeit, über ihre Fruchtbarkeit selbst zu bestimmen!“  

Über Gedeon Richter

Gedeon Richter ist ein ungarisches, multinationales Pharmaunternehmen mit einem Produktportfolio, das viele therapeutische Bereiche abdeckt, darunter Frauengesundheit, Zentrales Nervensystem und Herz-Kreislauf. Über das weltweite Vertriebsnetz in mehr als 30 Ländern, fünf Produktionsstätten, 31 Vertretungen, sowie 14 Handels-, Tochter- und Großhandelsgesellschaften erstreckt sich die Marktpräsenz auf rund 100 Länder in Europa, den Vereinigten Staaten Amerikas, Mitgliedstaaten der GUS, Japan und des Mittleren Ostens. Seit 2011 baut das Unternehmen ihr Marketing- und Vertriebsnetz mit eigenen Tochtergesellschaften in den westeuropäischen Ländern im Geschäftsbereich Gynäkologie aus. Die Gedeon Richter Austria GmbH wurde 2011 gegründet und vertritt als 100-prozentige Tochtergesellschaft den internationalen Pharmakonzern Gedeon Richter in Österreich. Weitere Informationen finden Sie unter www.gedeonrichter.at

1 C Argyle, J Harper, et al. Oocyte cryopreservation: where are we now? Hum Reprod Update. 2016; Jun;22(4):440-9

2 Eurostat. Mean age of women at the birth of first child. Available at: http://ec.europa.eu/eurostat/tgm/table.do?tab=table&init=1&language=en&pcode=tps00017&plugin=1. Last accessed 04/06/18

3 M Mills, et al. Why do people postpone parenthood? Reasons and social policy incentives. Hum Reprod Upd. 2011; 17(6): 848-860

 

 

Über Markus Golla 10105 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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