AT: Sobotka: Erst wenn Inklusion auf allen Ebenen gelebt wird, können wir zufrieden sein

Auftaktveranstaltung der Zero Project Konferenz zu Barrierefreiheit im Parlament

„Es gibt weiterhin die Notwendigkeit für den Abbau von Barrieren, sei es im digitalen Raum, in der Politik, in der Arbeitswelt und vor allem in den Köpfen vieler Mitmenschen“, betonte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka bei der heutigen Auftaktveranstaltung der Zero Project Konferenz im Parlament. Unter dem Titel „Inklusion, Barrierefreiheit, Digitalisierung“ werden von 23. bis 25. Februar 2022 Lösungsansätze für eine zukunftsträchtige Gesellschaft, an der Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen teilhaben können, diskutiert.

Es sei die Aufgabe des Parlaments, das Bewusstsein für Fragen der Inklusion in der Gesellschaft zu ändern. „Erst wenn Inklusion auf allen Ebenen gelebt wird, können wir zufrieden sein“, so Sobotka. Auch mit der Rückübersiedlung in das sanierte und barrierefrei gestaltete Parlamentsgebäude im Herbst 2022 wolle man dazu beitragen, Politik und demokratische Entscheidungsprozesse für alle zu öffnen.

Mit dem Zero-Project-Netzwerk suche man jedes Jahr weltweit nach den innovativsten Ansätzen zur Inklusion, informierte Zero-Project-Initiator Martin Essl. Ziel sei es, die wirkungsstärksten Ideen umzusetzen, um Schritt für Schritt Barrieren aufzulösen. Im Rahmen der Konferenz in der Wiener UNO-City habe man in diesem Jahr insgesamt 76 InnovatorInnen aus 35 Ländern eingeladen, um sich mit EntscheidungsträgerInnen zu vernetzen, so Essl.

Tom Shakespeare: Inklusion und Barrierefreiheit als Schlüssel

Universitätsprofessor und Inklusionsexperte Thomas William Shakespeare erörterte in seiner Keynote die Bedeutung der Inklusion von Menschen mit Behinderung für das 21. Jahrhundert. Viele Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind und sein werden, würden sich für Menschen mit Behinderungen auch als Chance erweisen. So habe uns die Digitalisierung die existentielle Notwendigkeit von Innovationsfähigkeit vor Augen geführt. Laut Shakespeare erwies sich das Streben nach der Überwindung körperlicher Einschränkungen als wichtiger Innovationstreiber, wie zahlreichen Erfindungen, etwa das Hörbuch oder das Telefon, demonstrierten.

Österreich müsse größere Schritte in Richtung Inklusion setzen, so Shakespeare. Dies betreffe vor allem das Schulsystem und den Arbeitsmarkt, wo Menschen mit Behinderung vornehmlich in Sonderschulen bzw. geschützten Werkstätten untergebracht würden. Erfahrungen aus anderen Ländern hätten jedoch gezeigt, dass eine Inklusion in die Mehrheitsgesellschaft vorzuziehen sei. Wie Shakespeare unter Verweis auf zahlreiche klassische Komponisten mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen feststellte, stellen Krankheit oder Behinderung kein Hindernis für exzellente Leistungen dar. Inklusion und Barrierefreiheit seien der Schlüssel, um den Betroffenen zu ermöglichen, zum Erfolg und zur Freude aller beizutragen.

Die Zero Project Conference zu Barrierefreiheit findet 2022 bereits zum neunten Mal in der Wiener UNO-City statt. Sie ist ein jährlicher Fixpunkt für internationale Organisationen aus allen Bereichen der Gesellschaft, sowie für ExpertInnen, die sich mit Inklusion beschäftigen. (Fortsetzung Auftaktveranstaltung Zero Project Konferenz) med/wit

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)