AT: SFU: Psychische Belastungen auch am Übergang zur „neuen Normalität“

Erkenntnisse aus der Notfallpsychologie und Traumapädagogik helfen bei der Bewältigung der psychosozialen Dimension der Krise

(C) Wordley Calvo Stock

Wien (OTS) – Die schrittweise Normalisierung des Alltagslebens bedeutet keineswegs, dass psychische Belastungen mit einem Mal verschwinden. Gerade jetzt, wo die Anspannung einer als unmittelbar empfundenen Bedrohung wegfällt, können persönliche Krisen entstehen. An der Sigmund Freud PrivatUniversität wird die aktuelle Entwicklung genau beobachtet und auch unmittelbar in der Lehre behandelt. Dazu Mag.a Dr.in Johanna Gerngroß, Leiterin der Universitätslehrgänge Notfallpsychologie und Traumapädagogik an der Psychologischen Fakultät:

Derzeit befinden wir uns in der kritischen Phase der langsamen Rückkehr in die Normalität, in der bei belasteten Personen verzögerte psychische Reaktionen auftreten können. Die Anspannung lässt langsam nach, die Kinder gehen wieder in die Schule und damit entsteht Raum für die Reflexion der Ereignisse. Nun ist es wichtig, besonders belasteten Berufsgruppen ein Erholungsmanagement anzubieten. Für andere Menschen werden jetzt die wirtschaftlichen Folgen spürbar, Zukunftsängste könnten sich breit machen. Da die Beschränkungen schrittweise zurückgenommen werden, kann es zusätzlich zu Unsicherheit über den richtigen sozialen Umgang damit kommen.“

Hilfreich ist in dieser Situation vor allem ein aufmerksamer, achtsamer Umgang mit den Menschen in der unmittelbaren Umgebung. Oft können die Betroffenen den Grund für ihre Probleme aus der Innensicht nicht unmittelbar zuordnen oder artikulieren. Dazu meint Dr.in Gerngroß:

Sollten Sie das Gefühl haben, dass es einem Menschen in Ihrer Umgebung – im Familien- oder Freundeskreis, am Arbeitsplatz – schlecht geht, dann fragen Sie nach. Zeigen Sie Interesse. Der erste Schritt sollte sein, dass wir die Person ansprechen, nachfragen, wie es ihr geht, uns als Zuhörer zur Verfügung stellen und die Person dann gegebenenfalls motivieren, professionelle Unterstützung zu suchen bzw. ihr dabei helfen, diese zu organisieren.“

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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